Amazon Kindle Fire: Der Anfang einer Plattform

Von Marcel Weiß

Amazon hat diese Woche die erste Iteration seiner Multitouch-Tablets vorgestellt. Vieles davon war vorab bereits bekannt oder konnte vermutet werden. Die einzige größere und potentiell sehr wichtige Neuigkeit ist die Arbeitsweise des neuen Silk Browsers.

Kindlefire

Neben günstigen neuen Versionen des E-Readers hat Amazon mit dem "Kindle Fire" sein 7 Zoll großes erstes Multitouch-Tablet vorgestellt, das auf einem stark angepassten Android basiert und mit 199 US-Dollar extrem aggressiv bepreist ist. Erscheinen soll das Tablet am 15. November in den USA. Für andere Länder gibt es noch keine Termine.

Der Preis dürfte neben der Verbindung mit Amazon und seinen Diensten dazu führen, dass das Kindle Fire das erste Tablet wird, das neben dem iPad erfolgreich sein wird. Das Kindle Fire ist so günstig, weil Amazon zum Teil den Hardware-Preis über zusätzliche Verkäufe von zum Beispiel Musik, Filmen und Büchern, alles in Form von Downloads, refinanzieren will. Zusätzlich ist es sehr wahrscheinlich, dass Amazon zur Etablierung des Kindle-Systems einen Verlust pro verkauften Geräts in Kauf nimmt. Eine Strategie, die man unter anderem von Spielekonsolenherstellern kennt. (Und die recht üblich für zweiseitige Märkte ist.)

Auf der Amazon-Startseite befindet sich seit der Vorstellung der neuen Kindle-Versionen eine ganzseitige Anzeige in Form eines Briefes von Amazon-CEO Jeff Bezos an die Kunden. Das zeigt, wie wichtig Amazon diese Richtung ist:

"There are two types of companies: those that work hard to charge customers more, and those that work hard to charge customers less. Both approaches can work. We are firmly in the second camp."

Die interessanteste Überraschung ist, wie oben bereits angesprochen, der neue Silk Browser, den Amazon für sein Kindle Fire entwickelt hat. Amazon Silk benutzt Amazons massive Infrastruktur, um das Browsing mittels Proxy und Caching schneller zu machen..:

"Amazon is taking advantage of its Web services and EC2 compute cloud. Instead of waiting 100 milliseconds for each part of a web page to load, Amazon Silk can cache most of a webpage in the cloud and deliver all the subparts at since. And since EC2 has more bandwidth than a tablet ever will, it can do the same tasks in 5 milliseconds instead of 100."

..und um damit einen großen Datenschatz in Form aggregierter, anonymisierter Browsinginformationen zu sammeln:

"what this means is that Amazon will capture and control every Web transaction performed by Fire users. Every page they see, every link they follow, every click they make, every ad they see is going to be intermediated by one of the largest server farms on the planet. People who cringe at the privacy and data-mining implications of the Facebook Timeline ought to be just floored by the magnitude of Amazon’s opportunity here. Amazon now has what every storefront lusts for: the knowledge of what other stores your customers are shopping in and what prices they’re being offered there."

Das kann enorme Vorteile für Amazon bringen. Wir hatten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass Facebooks Vorstöße, Daten von Nutzern zu sammeln und Drittanbietern via APIs zur Verfügung zu stellen, Amazon mittelfristig in Bedrängnis bringen kann. Mit diesem Schritt öffnet sich Amazon potentiell einen enormen Datenschatz, der den E-Commerce-Riesen fester in den Sattel setzen könnte und zu weitaus mehr Daten führen wird als Facebooks letzter Schritt hin zum passiven Sharing.

Warum hat Amazon bessere Chancen mit seinem Tablet als Hardwarehersteller als Samsung oder Acer? Bei Tablets geht es nicht (nur) um die Hardware, sondern auch um Plattformen. Es geht um das richtige Gesamtangebot aus Hardware und Zugängen zu Inhalten. Amazon ist das erste Unternehmen, das nach Apple hier alle Fäden in der Hand hält und sehr gekonnt nutzt. Jeff Bezos:

"We don’t think of the Kindle Fire as a tablet. We think of it as a service."

Da Amazon trotz des starken Push in Richtung Retail digitaler Güter immer noch auch der größte Onlinehändler der Welt für physische Güter ist, bleibt es spannend, wie Amazon seine Tablet-Plattform, also seinen Service, für deinen eigene Angebot weiter optimieren wird und wie Amazon etwa seinen Amazon Marketplace hinzubringen wird.

Denkbar ist extrem viel im Spannungsfeld von E-Commerce, Tablets, APIs, Social Networks und Apps. Amazon hat diese Woche die Grundlage vorgestellt.

Empfehlenswert zum Thema ist auch die Analyse von John Gruber.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Die neuen Tools, Facebook

2 replies

  1. Ich hab mir sagen lassen, dass das kindle fire eigendlich für Amazon, als eine Art “Ladentheke” dient und der Gewinn nicht über das Tablet PC kommt, sondern die Produkte, die damit gekauft werden.

  2. Ja, das Denke ich auch. Beste Beispiele sind Drucker und Kaffeeautomaten. Trotzdem finde ich es mutig ein eigenes Tablett auf den Markt zu bringen. Genau so wie es nervt zu viele Kundenkarten zu besitzen kann es auch nerven zu viele Einzelgeräte für bestimmte Funktionen zu besitzen. Ob sich das durchsetzt bleibt abzuwarten

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