Buchhandel im Umbruch: Von der Wucht der Welle überrascht

von Matthias Hell

Was brachte das Jahr für den deutschen Buchhandel? Ein böses Erwachen bei den alteingesessenen Händlern und ein Trend weg vom Buch:

"Der Onlinehandel ist nichts Neues für uns. Neu ist aber, dass so viel mehr Kunden im Internet Bücher kaufen, und mit dieser Wucht und Schnelligkeit der Welle haben wir nicht gerechnet."

Deutlich gestiegene Nonbook-Verkäufe erwiesen sich als das große Thema 2011, und hier vor allem der hohe Absatz an eBook-Readern und Tablets. So entpuppte sich Amazons Kindle in der deutschsprachigen 6 Zoll-Variante bei dem Online-Marktführer als Weihnachts-Verkaufsschlager. Ebenso zu den Top-Sellern zählten nach eigenen Angaben der eBook Reader 3.0 von Weltbild bzw. Hugendubel sowie der Oyo II von Thalia.

Die deutschen Filialisten orientieren sich hier an der Strategie von Amazon, wonach beim Umstieg auf das eBook preisgünstige, attraktive Hardware als Instrument zur Kundenbindung dienen soll. Denn wie vielfach angemerkt geht es Amazon nur sekundär um einen Angriff auf Apples ungleich leistungsstärkeres iPad:

Kindle_fire
"Its primary goal [is] to inject the concept of Amazon content downloads into a consumer base that is increasingly inundated with video, audio, and ebook sources."

Gerade der Kindle Fire mit seinem hohen "must have"-Faktor wirft aber die Frage nach der Nachhaltigkeit des Geschäfts der deutschen Buchhandelsketten mit ihren noch recht einfachen Readern und Tablets auf.

Thalia-Chef Michael Busch sieht die "Branche im Tsunami": Nicht mehr Hugendubel und Weltbild seien der relevante Wettbewerb, sondern Amazon, Google, Apple und demnächst Facebook. Denn selbst wenn es den Filialisten gelingt, an den eBook-Umsätzen mitzuverdienen, ist die Zukunft ihrer stationären Niederlassungen noch nicht gesichert.

In den USA hat hier das Aus der Handelskette Borders Mitte 2011 bereits für einen Paukenschlag gesorgt, dessen Signifikanz Marc Andreesen nicht nur auf die Buchbranche begrenzt sieht. Im deutschen Buchhandel löste währenddessen die Ankündigung des geplanten Weltbild-Verkaufs mit ihren ungewissen Folgen für das Joint Venture mit Hugendubel DBH ein gewaltiges Echo aus.

Der Buchhandel sieht sich dabei nicht nur mit dem Thema Online konfrontiert, sondern muss auch miterleben, wie aus traditionellen Partnern zunehmend Konkurrenten werden. So bieten die Barsortimenter Libri und KNV mittlerweile ebenfalls exklusive eBook-Reader an und sehen sich beim Geschäft mit digitalen Büchern als aktive Marktteilnehmer.

Neue Spielräume eröffnet die aktuelle Situation vor allem denen, die konsequent auf Online setzen, sei es ob es sich um den Direktvertrieb via Internet, App-Romane oder innovative Online-Verlage handelt. In der Regel sind das dann allerdings neue Marktteilnehmer.

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Kategorien:Uncategorized

3 replies

  1. Einfach mal alten Menschen (40+, ja ich weiß ich bin diskriminierend ^^ ) einen Kindle in die Hand drücken und 30 Minuten lang zuhören und sie Fragen stellen lassen.
    Die lieben das teil :)

  2. Das Kindle Fire ist im Grunde ein Top Produkt zum günstigen Preis! Also sobald es in Deutschland auftaucht, wird Amazon sicherlich mindestens 1 Millionen hier absetzen.

  3. In der heutigen zu 90% elektoinischen Zeit ist es bestimmt eine super Sachen und wird auch gut angenommen.
    Jedoch gibt es auch Leute wie mich, die zwischendurch mal was ausserhalb des Elektronin-Umfeldes gerne machen und dazu gehört zum Beipiel auch noch ein Buch in die Hand zu nehmen.
    Leider wird es auch schon ein wenig spürbarer, dass unser Elektronikzeitalter sehr schnell fortschreitet, denn wo vor einigen Jahren noch die Buchhandlungen voll waren herrscht nun wirklich teilweise gähnende Leere.

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