Zalando Technology: Mehr Infos zur E-Commerce-Plattform

ZEOS nennt Zalando das hauseigene "Zalando E-Commerce Operation System". Ein paar weitere Eindrücke von der Systemlandschaft und der eingesetzten Technologie liefert inzwischen auch eine spezielle Website für die E-Commerce-Plattform ("Big Sales need Big Software"):

Zalandotechnology

"While Zalando is well-known for it's massive and unique growth as a retailer since 2008, little was known about our technical platform yet. Time to give some insights into how Zalando uses technology and mindset to produce and run excellent, fail-safe and scaling e-Commerce APIs and applications for millions of demanding customers."

Mit seinen E-Commerce-Ambitionen zerstört Zalando gerade so manchen Multi-Channel-Traum.

Der Newcomer hat seine (Netto-)Umsätze 2011 mehr als verdreifacht – auf 510 Mio. Euro, und ein Blick auf das erste Quartal zeigt, dass Zalando dabei ist, den Umsatz 2012 nochmals zu verdoppeln.

Systemseitig wären dann – inklusive Rücksendungen – Kundenbestellungen im Wert von geschätzt gut zwei Milliarden Euro abzuwickeln.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Samwer Report, unlimited

15 replies

  1. “Mit seinen E-Commerce-Ambitionen zerstört Zalando gerade so manchen Multi-Channel-Traum.”
    Also irgendwie wunder ich mich, aber auf dem Bild werden:
    -Online-Shop,
    -Mobile &
    -Lounge
    als Absatzkanäle dargestellt. Handelt es sich damit um ein Mehr-Kanal-System, was durch sein integrierten Einsatz (aufbauend auf der integrierten Technologie) zum Multi-Channel-System wird?! Nur mal so…

  2. Das ist doch Jochens normales bashing ;-)
    Es heisst in gewissen Kreisen ja nicht grundlos “der selbsternannte E-Commerce Spezialist”.
    :-)

  3. wüsste nicht, dass ich mich je selbst zum E-Commerce-Spezialisten ernannt hätte …
    Unter “Multi-Channel” versteht der Handel ja gemeinhin noch die Verzahnung von On- und Offline. Quelle, Neckermann, Görtz (siehe Link), Thalia und andere sind die Opfer dieser Denke, weil ihnen ambitionierte Onliner wie Amazon oder Zalando den Rang ablaufen.
    Otto hat das natürlich alles voll im Griff :)

  4. Also technisch gesehen ist es interessant das “die” von unserer Basis auch nicht weit weg sind. Gut, wir nutzen elasticsearch statt solr wegen dynamic scheme und cluster out of box (wobei letzteres derzeit nicht gebraucht wird), und die Wahl auf Spring wäre bei uns 2007/ 2008 auch so gefallen. Da unser System aber im Kern neu aus 2011 stammt haben wir auf JEE6 gesetzt – eben mit den async’s im backend- und logic bereich. Im Backend nutzen wir wicket statt GWT – aber das auch nur weil das FE auch auf wicket basiert. Da wir auch nicht die hohen anforderungen an concurrent usern haben reicht das auch und kann schön hochskalieren, soll heissen: bevor die IT überfordert ist, liegt der restliche laden flach :)
    RDBMS ist bei uns mysql wobei PostgreSQL beinahe gekommen wäre – da war nur der legacy factor der Ausschlag. Hadoop & co brauchen wir noch nicht. Mahout ist im kommen ;)
    Was ich interessant finde ist Stripes MVC für den mobile shop…
    Sowenig ich Zalando als Nachhaltig erachte, so sinnvol erscheint mir zumindest die dort genannte technische Basis – auch wenn das scheinbar mehr zum recruiten neuer techie’s dient.

  5. @Jochen
    Deine Multi-Channel-Definition habe ich bislang nicht verstanden. Quelle und Neckermann hatten doch wirklich keine signifikante Bedeutung im stationären Handel. Warum rechnest Du sie zum Multi-Channel? Der Versandhandel hat Online verpennt, ok! Der stationäre Handel versucht gerade online zu gehen. Und die Wachstumsraten von Görtz & Co. sind auch nicht so schlecht. Kein Vergleich zu Quelle, Neckermann & Co., die das Online-Geschäft nicht als Chance sondern dies nur als einen Bestellkanal aufgegriffen hatten. Der stationäre Handel hat da sicherlich mehr Chancen, wenn er auch Online intelligent agieren kann. Vielleicht kannst Du ja mal ein paar gute Ratschläge für den Stationären Händler geben, anstatt immer nur auf Deine eigenen Kommentare zu verweisen.-)

  6. Von stationär habe ich nicht gesprochen, sondern von offline. Da fallen für mich auch Kataloge drunter. Die Görtz-Online-Umsätze sind 2011 eingebrochen. Was aber sicher nicht an Zalando lag ;)
    Mein Rat an die Stationären ist immer derselbe (extrem unbeliebte): Online bietet Riesenchancen, mehr als ihr euch vorstellen könnt! Aber wenn ihr online machen wollt, dann macht online, aber missbraucht online nicht, um euer überholtes Geschäftsmodell zu retten. Online ist schließlich nicht erfunden worden, um den alten Handel zu retten, sondern bietet endlose Möglichkeiten, um Handel neu zu erfinden. Online ist Revolution, nicht Evolution … Spätestens dann hört aber schon niemand mehr zu ;)
    Abgesehen davon, finde ich super spannend, was KB schreibt. Endlich mal jemand, der sich intensiv mit Online-Fragen auseinandersetzt, immer noch selten genug :)
    Weitere Einschätzungen zur Zalando-Technologie würden mich sehr interessieren – und vielleicht ja auch andere.

  7. @KB siehste, selbst das macht Zalando irgendwie richtig. Die Techies braucht man und nichts reizt einen solchen mehr, als spannende neue Technologien. Wenn man es schafft, damit jeweils noch dem Business-Case Genüge zu tun, hat man’s eigentlich geschafft.

  8. Also Jochen,so langsam kann ich dich wirklich nicht mehr ernst nehmen, wie du hier gegen Offline wetterst.
    Dann mal ganz konkret: Was würdest du denn Görtz vorschlagen ? Was soll diese Firma deiner Meinung nach machen ?
    Und vergiss nicht, es geht nicht um Umsatz sondern um Gewinn. Umsatz interessiert kein Mensch auf Erden, wenn nie Gewinn bei rum kommt!
    Und so lange solche Firmen wie Zalando und Co keinen Cent verdient haben, haben sie keine langfristige Daseinsberechtigung.

  9. (Ich fürchte, meinen Originalkommentar hat der Wortfilter geschluckt, deshalb hier noch einmal ohne F-Wörter:)
    @ Michele: Der Terminus “Multi Channel” wird in der ursprünglichen Form (schlag nach bei Heinemann) in der Tat verwendet, wenn ein physischer Store (Ziegel und Mörtel) neben einem virtuellen (Versand auf welcher Basis auch immer) betrieben wird. Mittlerweile wird das Wort aber gern auch für Versand offline versus online benutzt.
    Zum Thema: Individuelle gebaute Systeme sind die absolut richtige Wahl, wenn man innovativ agieren und hochflexibel skalieren will. Mit fast allen “off the shelf” Systemen ist man ja per se immer nur so innovativ, wie der Rest der Anwender des Systems. Zalando gehen somit prinzipiell den richtigen Weg aus meiner Sicht (wie auch Amazon usw). Allein die Techies werden es aber nicht richten, wenn man denen völlig freie Hand gibt, verfangen die sich schnell in Elaboriertheit. Insofern muss der technologischen Vision immer eine unternehmerische (Kunden- und Werte-) Vision vorangestellt werden. Kein Unternehmen wird innovativ und erfolgreich sein, nur weil allein die Techies vor Glück quietschen, wenn sie ihr eigenes tolles Design der system landscape bejubeln. Auch der Messbarkeits-Wahn der IT-Welt und des Performance Marketings gerät aus dem Ruder, wenn es nicht von Unternehmertypen gesteuert und eingefangen wird, die ihrem Kundenverständnis und ihrem Bauch auch mal mehr trauen, als nur dem Controlling, vielen Zahlen und Bits/Sekunde. Ich bin mir fast sicher, Zalando weiß das auch.
    Ob nur Innovation noch Erfolg verspricht und damit eine solche Systemstrategie passt, steht auf einem anderen Blatt. Jochens Satz “…wenn ihr online machen wollt, dann macht online, aber missbraucht online nicht, um euer überholtes Geschäftsmodell zu retten.” unterschreibe ich mit ganz dickem Stift. Bei “Online ist Revolution, nicht Evolution.” werde ich schon skeptischer, denn hinter den inflationären Revolutionen im Markt verbirgt sich im Kern zu oft nur eine Evolution, eine clevere Kopie oder eine markante Optimierung. Und auch das kann funktionieren (Zalando ist für mich keine Revolution im Kundenversprechen des Handels), kein Problem. Eine Evolution muss nicht zwangsläufig eine vergangenheitserhaltende Maßnahme sein. Evolutionen, wie sanft oder stark auch immer, können bisweilen nachhaltiger und fundierter sein. Es gibt genügend Graustufen zwischen all dem Schwarz oder Weiß, man muss nur genau hinschauen.
    Das Thema Umsatz versus Gewinn ist dabei ein ganz Spezielles. Alle müssen, ob wir es wollen oder nicht, Antworten darauf finden, gegen VC-gestützte Neukundenmaschinen anzutreten. Wenn dieser harte Wettbewerb dafür sorgt, dass einige saturierte und innovationsfeindliche Händler endlich aufwachen und ihr Geschäftsmodell in neuem Licht betrachten, statt sich darauf zu verlassen, dass die Kunden schon irgendwie treu sind, ist zumindest das ein Vorteil der miesen Situation für uns als Endkunden.
    Was die ehemaligen Katalogversender betrifft: In solchen Unternehmen tragen ca. 20% der Mitarbeiter eCommerce-DNA in sich und wollen sie auch ins Unternehmen verpflanzen. Weitere 50% verstehen das, haben aber Angst vor der Konsequenz und der Schnelligkeit. Und 30% ignorieren das oder bekämpfen es mit allen Mitteln, weil sie die “disruptive” Kraft des neuen Handels nicht verstehen und nicht verstehen wollen. Unter Letzteren sind, by the way, oft auch viele Techies (IT-ler), die noch im Gestern leben. Die aktuelle Lage konkret von neckermann.de wurde natürlich davon und auch noch von vielen weiteren Faktoren beeinflusst, aber das ist ein anderes Thema am anderen Ort.

  10. Neckermann hat doch schon in 2009 auf demandware umgestellt und damit auf ein Online-only Shopsystem gesetzt. Vermutlich wurde das schon viel Kraft in die Integration mit allen ERP-, Logistik- und FiBu-Systemen gesetzt. Das nun diese Entwscheidung mit ein Grund für den Niedergang von Neckermann sein soll, halte ich für wenig wahrscheinlich. Oder hat da jemand andere Erkenntnisse ? Möglicherweise auch zu Otto und SAP ?

  11. @ Gustav Löhne: Was neckermann.de betrifft, gibt es – natürlich – keine direkte Kausalität zwischen der Einführung von Shopsystem xy und dem, was nun passiert ist. Und auch nicht jedes Unternehmen muss die “Make Or Buy”-Frage immer mit Make beantworten. Die Frage ist eher, unter welchen Prämissen solche Systeme eingeführt werden, von welchem “Stakeholder” und in welche Business-Gesamtstrategie sie eingebettet sind oder auch nicht.
    Im eCommerce wirken diese Systeme wie Katalysatoren: Sie können die Stärken aber leider auch die Defizite brutal verstärken. Solche technologischen Strategien müssen nach meinem Verständnis immer vom Business kommen und diesem “dienen” (Agilität, Innovationsbereitschaft, Effektivitätsmaximierung) und nicht nur einem goldenen Kalb namens “Effizienzmaximierung”.
    SAP wiederum einzusetzen, hat hat extreme Vorteile in bestimmten Bereichen. Aus anderen Bereichen (und darunter sind viele, um die es immer in diesem Blog geht), so meine Meinung, würde ich es mangels Flexibilität eher raushalten.

  12. @KB: Gibt es Deinen Beitrag auch auf Deutsch?

  13. @Christian Rothe
    Ist schwer, da es elles bekannte Module bzw. Komponenten aus der Java-Welt sind. So sind z.B: Elasticsearch und Solr zwei verschiedene Suchmaschienen, welche im Kern auf derselben Software (lucene) basieren.
    Im Endeffekt wird man aber um viel “googelei” und durchlesen der einzelnen Bausteinbeschreibungen nicht herumkommen wen man den Bauplan dahinter verstehen möchte, den Software – auch und gerade im Shopbereich – ist eigentlich heute eher ein ganzes Portfolio an verschiedenen Lösungen bei denen das Zusammenspiel wichtig ist, weniger der einzelne Baustein. Deswegen finde ich die einzelnen Diskussionen über Magento, Shopware und co. teils recht witzig und abstrus da hier immer nur ein kleiner Teil beharkt wird, ohne dass man(n) versucht das ganze zu verstehen. Zumal ein “Shopsystem” (im Sinne des Frontends, nicht des gesamten Apparates) vielleicht den Umsatz mitbeinflussen kann, aber die dahinter stehenden Zahlen wie Lieferzeit, Marge, Ertrag etc. eher weniger.

  14. @Jochen
    Weitere Einschätzungen zur Zalando-Technologie sind sicherlich interessant, denn sie werden morgen oder übermorgen in die Standardtechnologien, bzw. Standardsoftware einfliessen.
    Ob Online eine echte Revolution darstellt, ist aber eine viel spannendere Frage. Wenn das so wäre, sollten die Revolutionäre daran denken, dass grundsätzlich die meisten Revolutionäre auf dem Scheiterhaufen der Geschichte gelandet sind. Und viele Themen der Revolution später im normalen Leben selbstverständlich wurden.

  15. Danke – vor allem auch an Sven – für die superspannenden und differenzierenden Ausführungen.

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