Online wirkt: Otto-Versender wollen bis zu 760 Jobs streichen

"Wenn die kataloggetriebenen Umsätze weiter so dramatisch einbrechen, dürfte der Druck schon 2012/13 übermächtig werden, und damit die
Jahre der Entscheidung weitaus früher anstehen als erwartet." (Exciting Commerce Prognose vom 11.7.2010)

Nach Neckermann ("Neckermann und das Armutszeugnis") will nun auch Otto in großem Stil abbauen – und feuerte presseseitig heute gleich drei Warnschüsse ab:

Otto-Pressemeldung 1:

  • "Beginnend im Jahr 2013
    könnten bei der Einzelgesellschaft OTTO bis zu 450 von 3.236 Vollzeitstellen von
    den Umstrukturierungen betroffen sein, also maximal 14 Prozent
    der gesamten Belegschaft."
  • "Bei Baur in Burgkunstadt könnten bis zu 210 Vollzeitstellen von
    einem Abbau betroffen sein, maximal 10 Prozent der insgesamt 2.165
    Stellen bei der Marke Baur."
  • "Bei Schwab in Hanau könnten maximal 40 Stellen
    betroffen sein, maximal fünf Prozent der 913 Vollzeitstellen."

Otto-Pressemeldung 2:

"Zukünftig wird quelle.de von einer Tochtergesellschaft der Otto Group
mit betrieben.

Der Hamburger Standort der Quelle GmbH soll
voraussichtlich Ende Mai 2013 aufgelöst werden. Die
Arbeitsverhältnisse der 60 Mitarbeiter werden beendet."

Otto-Pressemeldung 3:

"Die Otto Group nimmt Abstand vom Vorhaben, eine zentrale Standardsoftware für den gesamten Konzern einzuführen."

Der Betriebsrat schweigt.

Frühere Beiträge zum Thema:



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9 replies

  1. Eieiei…
    Aber wer auf den Zalando Marketing Insights war, der versteht warum ein Konzern wie OTTO sich so schwer mit den Modellen seiner Mitbewerber Amazon,Zalando etc. tut…
    Die sind schnell, aktiv, professionell, technikgetrieben, begeistert, jung und oft auch noch emotional aufgeladen.
    Change happens

  2. Bei Otto gibt es auch schnelle, aktive, professionelle, technikgetriebene, begeisterte, junge und oft auch emotional aufgeladene Mitarbeiter – nur leider haben die nicht das Sagen. Es regiert immer noch die alte Katalogversender-Fraktion, u.a. auch, weil die immer noch fremden Onliner ja keine Ahnung vom Geschäft haben. Besser noch: Im Grunde sind sie es ja, die den Katalog kaputt gemacht haben und seit Jahren die Umsetzung von Push-Konzepten online verhindern. Also schön beiseite treten und endlich die erfolgserprobten Methoden des Katalogs auf online übertragen! Denn ein Online-Versender – sorry, meinte natürlich Multichannel-Händler – ist ja im Grunde das gleiche wie ein Katalogversender, nur das halt am Ende kein Katalog sondern ein Onlineshop steht. Und die Erde ist ne Scheibe!
    Es ist traurig mitansehen zu müssen, wie seit Jahren durch die konsequente Verhinderung des Change durch die Geschäftsführung und die Management-Ebene darunter eine so exzellente Ausgangsposition leichtfertig verspielt wurde. Die Plan- und Ahnungslosigkeit des Top-Management, die ihren Ausdruck neben einer fehlenden Strategie in z.T. abstrusen Äußerungen (z.B. das IPad sei das Missing Leg zwischen Katalog und Online…) und haarsträubenden Online-Gehversuchen abseits von otto.de (refashion.de u.a.) findet, ruiniert dieses Unternehmen vermutlich schneller, als mancher im Moment noch denken mag. Was mich wundert: Warum schaut der Eigentümer zu und handelt nicht? Vermutlich glaubt er auch, dass der Vorstand alles richtig macht und schuld nur der böse Wettbewerb sei. Zalando dürfte das freuen. Ich finds auch ein bisschen schade.

  3. Eines muss man Otto lassen – sie beweisen Kontinuität in den immer wiederkehrenden Fehlern.
    1. Mit Quelle gibt es wieder ein Opfer der verfehlten strategischen Positionierung eines Online-Pureplays. Da werden dann gute motivierte Mitarbeiter mit der Quadratur des Kreises beauftragt und am Ende scheitert es “trotz positiver Wachstumszahlen” wie es dann so schön heißt. yalook 2.0 quasi. Wie man eine so profilierte Marke, unter einem derartigen Hype einverleibt damals, so vor die Hunde gehen lassen kann – Wahnsinn. Welcher Top-Mitarbeiter im eCommerce geht noch zu Otto, wenn er sich nicht drauf verlassen kann, dass es seine Firma in einem Jahr überhaupt noch gibt?
    2. Die Abkehr einer zentralen Standardsoftware ist zwar vermutlich richtig, weil zu komplex, aber warum fällt einem das nach zwei bis drei Jahren ein? Was da an Zeit (von Mitarbeitern) verplempert wurde, die man besser hätte nutzen können. Ebenfalls Wahnsinn
    3. Der Stellenabbau und die Restrukturierung ist hingegen leider konsequent und auch notwendig – aber auch nur, weil man vorher gepennt hat und ziellos durch die eCommerce-Welt gegeistert ist.
    Wie immer ist auch dieser Kommentar gespeist durch die Hoffnung, dass es endlich besser wird. Es ist ja schon ein Erfolg, dass es Otto noch in der Größe und Bedeutung gibt! Fragt nach in Fürth oder Frankfurt. Aber so langsam sollte man dann auch mal aufwachen.

  4. Die Abkehr von der Standard-Software deckt ein Problem auf, welches auch sehr eng mit E-Commerce verbuden ist. Die Systeme sind stark veraltet. Man ist nicht in der Lage komplexe Standardprodukte in einem vernünftigen Zeit- und Kostenrahmen einzuführen (Bsp.: SAP). Und zum anderen sieht man sich explizit nicht als Software-Bude die eigene hochwertige Lösungen baut.
    Ich seh da eine Sackgasse.

  5. Ich glaube, der Eigentümer handelt bereits. Jetzt soll ja der Sohnemann ran. Der ist wenigstens ein waschechter Onliner.
    Die Idee, in einem solchen heterogenen Konzern alles zentral zu machen, ist wohl nun endgültig gescheitert. Diese Einsicht hat etwa 10 Jahre und hunderte Mio. € gekostet. Naja, vielleicht ist es noch nicht zu spät. Fakt ist, weitere Halbherzigkeiten kann sich auch ne Otto nicht mehr leisten.

  6. Der Sohn wird die Chose aber auch nicht mehr retten. In einer solchen Situation bräuchte Otto einen Oli Samwer, der das Ding dreht und neu aufbaut.
    Benni Otto ist kein “Alpha-Typ” und wird das sicher nicht drehen.
    Tja, so wie Otto zB seine Hermes-Fahrer auspresst, wird er jetzt selbst ausgepresst.
    Bis zum Ende.
    Die erste Generation hat aufgebaut, die zweite Generation verwaltet, die dritte meldet Insolvenz an. Otto wird ein weiteres Beispiel sein.

  7. Vielleicht ist es für einige Leute erstaunlich, dass ein so großes Unternehmen das sich jahrelang als Online-Pionier feiern durfte jetzt so blöd dasteht.
    Für mich als Dienstleister mit einigen Kontakten zur Branche aber kein Wunder:
    – Shopsystem? Intershop als “Konzernvorgabe” in allen größeren Töchtern war wohl weder billig noch einfach zu betreiben.
    – SEA? Mit zu hohen Preisen offensiv werben kann im Netz nicht funktionieren.
    – Marketing allgemein? Erreicht mich als Zielgruppe offenbar nicht, ich sehe nur nervige Zalando Werbespots im Fernsehen, und ähnlich sieht es in anderen Medien aus.
    – Service? Kann ich nicht beurteilen, außer dass die Fahrer bei Hermes inzwischen auch nicht besser sind als die überforderten DHL Fahrer.
    Also wieso sollte dies funktionieren? Bei einem Start-Up mit geringem Kapital und kleinem Bekanntheitsgrad würde so eine Strategie gar nicht erst Gewinne abwerfen und sofort scheitern.

  8. - Shopsystem? Intershop als “Konzernvorgabe” in allen größeren Töchtern war wohl weder billig noch einfach zu betreiben.
    Wäre es gewesen, wenn die Töchter von Anfang an freie Hand gehabt hätten. Auch und gerade mit dem Shopsystem. Aber nicht nur das Shopsystem war Konzernvorgabe sondern auch alle anderen Bereiche (Produktdaten-Produktion, Backend zentrales Hosting etc.) war alles zentral. Und diese zentralen “Dienstleister” sind dann halt personell aufgestellt, wie eine Grosskonzern-IT, wo man für ein Mainframe-System schon mal 2-3 Jahre Zeit hat, um ein paar neue Features einzubauen. Diese Denke kriegste da nicht mehr raus und so hat es immer nur gebremst, überall. Der langsamste und trägste hat immer das Tempo aller bestimmt. Mich wundert, dass es so lange gedauert hat, um das endgültig zu begreifen.
    Da ist dann auch reichlich Arroganz dabei: “wir sind Otto, wir haben keine Konkurrenz”, “an Preiskämpfen im Internet beteiligen wir uns nicht..”,”wir handeln aus einer Position der Stärke”. Bin mal gespannt, wie sie diese Position der Stärke erklären, wenn sie in 2 Jahren statt 700 mal 5000 Leute loswerden müssen.

  9. @Claus, ich denke, dass ist nicht Arroganz. Denk an den Falschfahrer, der denkt, dass da draußen 1000 Falschfahrer unterwegs sind… der ist nicht arrogant, der ist unzureichend informiert und erkennt das nicht. Und mit Erkenntnisproblem ist die Lage da recht gut beschrieben…

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