Heuschrecken bei Douglas. Und kein Mucks von Mitarbeiterseite

Im Fall Douglas wird es spannend. Denn wenn alles nach Plan läuft (siehe auch die ausführliche Stellungnahme von Douglas (PDF) vom Freitag), dann übernehmen in Kürze die aus der Heuschreckendebatte bekannten Finanzinvestoren von Advent International das Ruder bei der Douglas-Gruppe.

Und man ahnt schon, was dann folgt: wie in spätestens zwei, zweieinhalb Jahren Betriebsräte und Gewerkschaften die Mitarbeiter von Douglas und Thalia auf die Straße scheuchen werden, weil in der Douglas-Gruppe kein Stein auf dem anderen bleibt und in großem Stil Personal eingespart und (Thalia-)Filialen geschlossen werden sollen.

Noch gibt sich Advent handzahm, hält aber auch nicht hinterm Berg, dass es mit ein bisschen Kosmetik nicht getan sein wird ("Advent pokers for Douglas"). Die Lebensmittelzeitung spekuliert also schon mal ("Horse-trading at Douglas"), ob eine Fusion der Kosmetiksparte mit Sephora oder Marionnaud Sinn machen würde. Das Schicksal der Buchsparte dürfte ohnehin besiegelt sein.

Mit Thalia nach Antalya – wohin soll die Reise gehen?

Interessant ist, wie wenig aktuell von Mitarbeiterseite kommt, die, wenn das Kind im Brunnen liegt, wieder die ersten sein werden, die über die "bösen US-Investoren" herziehen werden. Jetzt wäre der Zeitpunkt, aktiv zu werden und auf die erheblichen Defizite in der bisherigen und in der angekündigten Strategie hinzuweisen.

Wo ist management- und investorenseitig ein Verständnis für die Online-Entwicklungen und eine Antwort auf die strukturellen Umbrüche im Markt? Warum ist Douglas im Grundverständnis und in der Herangehensweise nicht annähernd soweit wie eine Hawesko-Gruppe ("So sieht eine vernünftige Online-Strategie aus!")?

Reiseangebote à la "Mit Thalia nach Antalya" dürften kaum die Lösung sein. Dies und vieles mehr könnte man als zukunftsorientierter Betriebsrat heute anprangern, auf Antworten drängen und hätte so zumindest den Hauch einer Chance, mit einer soliden Strategie dem drohenden Ausverkauf zu entgehen.

Verständlicherweise werden in der aktuellen Phase investorenseitig jede Menge Beruhigungspillen verabreicht, die offenbar auch schön brav geschluckt werden. Nur sollte man, wenn man jetzt, wo die Weichen gestellt werden, nicht den Mund aufmacht, sich dann später auch nicht wundern, wenn man dem vorgezeichneten Schicksal kaum noch entrinnen kann.

Noch ist die Übernahme nicht in den trockenen Tüchern. Offen ist, ob sich die verbleibenden Aktionäre so billig abspeisen lassen. Denn klammert man den Sanierungsfall Thalia einmal aus, dann sind die gebotenen knapp 1,5 Mrd. Euro für die anderen Douglas-Sparten durchaus als Schnäppchen zu werten. Für Advent International also in jedem Fall ein gutes Geschäft.

Das Schicksal von Douglas, Thalia, Christ & Co. entscheidet sich am 4. Dezember, wenn die Verkaufsfrist für die Aktionäre endet.

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Kategorien:Shopboerse, Ultimondo

7 replies

  1. Jochen, das ist aber nicht fair. Ich kenne nicht viele Betriebsräte, noch dazu in der eCommerce-Branche, die fancy Online-Geschäftsmodelle entwickeln können, denn könnten sie’s, wären sie nicht Betriebsräte geworden, sondern selbst Unternehmer.

  2. entwickeln sollen sie auch nicht – aber sich eine meinung bilden und die geschäftsleitung challengen! das ist ja wohl ihr job.

  3. Ne Meinung haben die immer: Es müssen möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Strategie der Unternehmensführung ist entweder Mist oder nicht vorhanden.
    Wenn man mal auf Neckermann schaut, da war das zentrale Argument des Betriebsrates, dass man die Logistik dem Markt öffnen und halt weiter investieren sollte. Interessant ist aber, dass sich absolut niemand gefunden, der in so ein Modell investieren wollte, warum bitte hätte es denn SunCapital tun sollen?

  4. Danke @Jürgen. Entsprechend wird es auch für Betriebsräte und Gewerkschaften Zeit, sich weiter zu bilden/entwickeln und nicht immer nur der guten alten Zeit hinterherzuhängen, sondern sich ernsthafte Gedanken zu machen, welche Chancen/Perspektiven ihre Unternehmen in Zukunft haben.

  5. Alle Betriebsräte die ich aktiv bisher kennengelernt habe, sehen sich eher als Vertreter der Arbeitnehmerrechte und Kontrolleure, damit die Manager nicht aus dem Ruder laufen.
    Daher haben sie eher ein Image der Verhinderer und Bedenkenträger.
    Aktive Mitarbeit scheint nicht unbedingt zum Anforderungsprofil zu gehören. Jedenfalls treten wenige Betriebsräte so in Erscheinung wie es der Opel-Betriebsrat [Name entfallen] immer wieder getan hat. Hier sind endlich auch mal die Mitarbeiter gefragt, sich bei der Auswahl der Räte nach neuen Kriterien zu entscheiden (bzw. sich überhaupt mal im Wahlprozess zu engagieren) und ggf. aktivere Mitarbeit einzufordern.

  6. @jochen: neues geschäftsmodell: abholung/ausbildung – coaching der betriebsräte, damit die ihre heutigen und zukünftigen aufgaben erfüllen können. ich habe viele vertriebsdirektoren großer markenhersteller erlebt (alle so um die 45-55), die von ecommerce aufgrund ihrer karriereentwicklung keine ahnung haben und die sich von uns in die thematik einführen lassen bzw. die ecommerceaktivitäten an uns übertragen haben – warum sollen/können die betriebsräte qualifizierter sein??

  7. Können sie natürlich nicht, das ist ja das Dilemma. Deshalb brauchen sie ja die Finanzinvestoren, damit die erledigen, was nötig ist …

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