Wer schnappt sich Groupon für aktuell 1,35 Mrd. Euro?

Wer sich nicht von den Phantasiebewertungen rund um den Börsengang hat irritieren lassen, der bekommt Groupon, weiter eine Cashmaschine sondersgleichen und eine der spannendsten E-Commerce-Unternehmungen, inzwischen zum Schnäppchenpreis von aktuell 1,35 Mrd. Euro (1,72 Mrd. Dollar).

Groupon bleibt damit einer der heißesten Übernahmekandidaten – und die Frage ist eigentlich nur noch, wer zuschnappt – Yahoo ("Nutzt Marissa Mayer ihre zweite Chance?"), Ebay, Liberty Interactive (QVC & Co.) – oder gar Groupon selber, das die Übernahme bald aus dem eigenen Cashflow heraus finanzieren könnte?

Wirtschaftlich ist die Lage im Wesentlichen unverändert: Groupon hat die Gewinnschwelle erreicht, wächst aber aufgrund stark gesunkener Marketingaufwendungen entsprechend langsamer. Statista hat die wesentlichen Infos zum dritten Quartal in eine Infografik gepackt:

Grouponq3

Auch bei Living Social haben sich die Investoren von den Phantasiebewertungen verabschiedet. Amazon hat seine Living-Social-Anteile unlängst entsprechend abgewertet (siehe auch "LivingSocial CEO responds to Amazon report: We’re not in as bad of shape as you might think").

Der aktionsgetriebene Online-Handel wird auch künftig eine bedeutsame Rolle im E-Commerce spielen. Der Vorteil der Ernüchterung bei Groupon & Co. ist nun allerdings, dass man sich jetzt
langsam wieder ernsthaft mit den Verkaufsmechaniken und den Geschäftsmodellen auseinandersetzen kann, die speziell im mobilen Web noch an Bedeutung gewinnen werden.

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Kategorien:Live Shopping, Shopboerse

15 replies

  1. Krischs gelinde gesagt sehr milde Meinung zu Groupon & Co kennt man ja;-) Das Absenken der Werbekosten reicht bei weitem nicht, sonst müssten ja jetzt die Gewinne sprudeln…. Groupon und andere Plattformen müssen es gleichzeitig schaffen, mehr Deals mit den gleichen (zufriedenen) Partnern mit weniger Aufwand zu fahren. Dies wird nur gelingen, wenn die Marge der Dealplattformen sinkt; folgerichtig müssen die Produktionskosten gesenkt werden, die Deals müssen ‘automatischer’ und billiger eingestellt werden können und ganz allgemein muss die Qualität besser werden… Etwas viele Herausforderungen, da ist Feintunign gefragt und nicht das Brechstangen-Management und -Marketing, für das einige dieser Plattformen berühmt sind.

  2. Ich muß Herrn Kobeltz recht geben. Ich sehe das deutlich pessimistischer. Ich verstehe gar nicht wie hier an einziger Stelle Groupon noch so positiv gesehen wird? Wenn man sich nur mal die aktuellen Angebote ansieht…. Da kann es doch nur bergab gehen. Es gibt einfach zu wenige “seriöse” Händler die mit diesen Provisionen, die ja schon deutlichst gesenkt wurden, zufrieden sind. Wiederkäufer generiert man hierdurch auch nicht sondern nur Schnäppchenjäger. Also muß der Deal direkt rentabel sein und das ist unter den Bedingungen nicht möglich.
    Das Groupon einen hohen Barbestand hat ist doch logisch, wenn die Provisionen erst verspätet ausgezahlt werden. Ein Onlineshop der per Vorkasse verkauft und ordentlichen Umsatz macht hat das auch. Vom Gewinn kommt ja der Barbestand nicht gerade bei Groupon.
    Ich glaube nicht das Yahoo oder Ebay sich Groupon zu dieser Bewertung antun, höchstens wenns noch weiter bergab mit dem Kurs geht um die Emailadressen zu haben.

  3. Jochen, ich sehe das auch so, es wird Zeit, dass Du mal zugibst, das Geschäftsmodell völlig überschätzt zu haben. Also Umsatz in allen Ehren, aber ich erinnere mich noch gut, wie Du geschrieben hast, dass Groupon gut daran getan hat, Googles Angebot auszuschlagen – das war 6 oder 7x höher als jetzt. Schreib dann doch lieber, dass der Hype vorbei ist und man das Ganze jetzt günstig bekommt. Ob das dann jmd macht, steht wohl nochmal auf einem anderen Blatt :-).
    Gruß
    Joel

  4. Beim Ausschlagen des Übernahmeangebots von Google ging es mir nicht um den Preis, sondern darum, ob Groupon als unabhängiges Unternehmen (wie Facebook, Twitter & Co.) nicht besser fährt. Und das hat sich für Groupon mit dem fulminanten Börsengang ja in jedem Fall ausgezahlt.
    Im Unterschied zu anderen versuche ich einfach zu unterscheiden – was ist Geschäftsmodell und Unternehmensstrategie – und was ist Unternehmensbewertung (=Hype).
    Bis jetzt ist Groupon vor allem als Investment/Spekulationsobjekt gescheitert. Bitter für die Investoren.
    @Markus Kobelt Dass es die Marketingkosten nicht allein sind, sondern dass Groupon aktuell noch auf zu hohen (Personal)Kosten sitzt, sehe ich genauso.

  5. Ich denke, sowohl mit dem Preis als auch mit der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells mit Google wäre Groupon besser gefahren. Die grundsätzliche Local Commerce Idee ist sehr gut, nur bei der Umsetzung wurde nicht auf Langfristigkeit, sondern auf schnelles Wachstum gesetzt. Image, Kosten und weniger interessante und zufriedene Werbekunden gegenüber sinkenden Umsätzen im normalen Deal-Geschäft sind die großen Herausforderungen, so dass Groupon gerade dabei ist, seine Geschäftsfelder zu erweitern, um sich für die Zukunft aufzustellen und die Zukunft heißt nicht mehr reines Local Commerce Deal-Geschäft.

  6. Also ich schnappe es mir nicht. Für mich ist das kein Geschäftsmodell mit Zukunft sondern nur Hype.

  7. @JT: immer schön antizyklisch handeln – wenn sich alle in die hose machen: ist die richtige zeit zum einsteigen – nur kein lemming sein. Wir stellen auf jeden fall fest, daß die jungs auf einem professionellen weg sind, zumindestens in DE.

  8. @Jürgen: Ja, habe tatsächlich vor 3 Tagen ein paar Groupon-Aktien gekauft, nachdem ich seit Monaten predige, dass dieses Unternehmen seinen Weg gehen wird. Ich sehe hier a) Bodenbildung b) Hedgefunds haben zumindest Signalwirkung und c) durchaus gute Entwicklungsmöglichkeiten bei guter Kapitaldecke. Ich sehe die möglichen Groupon-Probleme auch weniger im Geschäftsmodell – das ist mit kleineren Margen gut skalierbar. Ich sehe das Problem eher in dem schlechten Image des Unternehmens. Man hat das Ding im Zuge des Börsengangs ohne Nachhaltigkeitsanspruch hochgepumpt und sich damit mehr Feinde als Freunde gemacht. Aber unabhängig dessen ist Groupon das Unternehmen, das momentan den lokalen Markt am ehesten erschließen kann. Google verzettelt sich da zu sehr.

  9. @JT Wow, es geschehen noch Zeichen und Wunder :-)

  10. Hallo Jochen, ich würde erneut einen Blick auf Groupon werfen. Da tut sich was…innerhalb weniger Tagen von 5.50 auf aktuell 7.20 US$ gestiegen. Siehe auch:
    http://www.dailyfinance.com/2013/05/14/groupons-radically-new-business/

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