Design 3000 steigert sich 2012 auf 8 Mio. Euro Umsatz

"Heute fragen die Banken bei uns an, ob wir nicht etwas Geld benötigen, weil sie nicht verstehen, wie wir diese Umsatzsteigerungen ohne Fremdkapital realisieren." (Frank Levita, Design 3000)

Durch VC-Kapital hochgezüchtete Überflieger wie Fab.com sind in nichts vergleichbar mit den vielen kleinen, eigenfinanzierten Online-Händlern, die aus sich heraus wachsen und versuchen müssen, ihr Wachstum aus eigener Kraft zu gestalten.

Das zeigen Unternehmen wie Design3000, das 1999 gestartet ist und 2009 bei einem Umsatz von rund 4 Mio. Euro lag. Seitdem hat es seine Umsätze verdoppelt – auf mittlerweile 8 Mio. Euro (2012) nach 5,3 Mio. Euro (2010):

Design3000

"Wir peilen langfristig 30 bis 40 Mio. Euro Umsatz an. Aktuell liegen wir bei 8 Mio. Euro, bis 15 Mio. Euro sind wir erstmal skalierbar."

Das erklärte Design-3000-Gründer Frank Levita in einem ausführlichen Interview mit dem Fachblatt Möbelkultur (leider nicht online):

  • Im Schnitt seien Design-3000-Kunden 36,6 Jahre alt. Drei Viertel der Bestellungen kommen von Frauen, 44% der Besteller haben Kinder.

Eine der größten Herausforderung besteht für das Team darin, die saisonalen Bestellspitzen abzufedern, die bis zu 20mal höher sein können als noch vor zwei bis drei Jahren. "Wir haben 48 festangestellte Mitarbeiter, zu Weihnachten sind es etwa 70."

  • 90 Prozent der rund 6.000 Produkte sind auf Lager, 97% der Bestellungen können so innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert werden.

Von Venture Capital hält Frank Levita wenig: "Zu schnelles Wachstum halte ich für riskant", sagt er im Interview. Die aktuelle Marktentwicklung hält er für blasenverdächtig.

Auf der K5, unserer jährlichen Wachstumskonferenz für den Online-Handel, vertrat Design3000 neben Blacksocks, Keller Sports, Lubera, Notebooksbilliger und anderen das Segment der eigenfinanzierten Händler, die vornehmlich auf organisches Wachstum setzen. Notebooksbilliger hat sich allerdings seitdem umorientiert und inzwischen ElectronicPartner als strategischen Partner an Bord geholt.

Ein gutes Beispiel, wie weit man eigenfinanziert kommen kann, war in den USA CSN Stores (heute: Wayfair), bis es sich 2011 zu einem Kurswechsel entschlossen hat ("Von SEO zu Branding: Wie Wayfair die Transformation meistert").

Nachtrag: Wer sich für das komplette Interview mit Design 3000 Gründer Frank Levita interessiert, wird hier fündig

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

58 replies

  1. “Dennoch wird der Kunde bei Amazon kaufen, wenn er dort das gleiche Produkt für einen Euro weniger findet. So ist es nunmal, Kundentreue hin oder her.” [Manuel]
    Wir sind der lebende Beweis dafür, dass das nicht zutrifft, sofern man sich z. B. durch ein besonderes Sortiment, überraschend guten (Kunden-) Service und emotionale Ansprache / Aufbereitung des Contents von Amazon abhebt.
    Wir halten uns grundsätzlich an die empfohlenen VKs der Hersteller, stehen damit ziemlich alleine da und trotzdem bestellt hin und wieder mal ;) ein Kunde bei uns.

  2. Ihr solltet bei euren Spekulationen bedenken, dass es modus operandi bei Kaufleuten ist,sich möglichst arm zu rechnen. Würde man rumposaunen,wie viel Geld in einer Nische zu verdienen ist,ruft das sofort die Konkurrenz auf den plan.
    Interessant ist in jedem Fall dieser online Tierfutter shop der bei 20 Mio. Umsatz nach steuern 5 Mio Gewinn macht. Yeah baby yeah

  3. Hallo Manuel,
    ich habe oben geschrieben das ich glaube das die 60-70% Onlineshops überflüssig sind, weil Sie die gleichen Produkte oder Dienstleistungen anbieten und nur den Preis als Unterscheidung haben.
    Und nicht weil Sie kein SEO machen.
    Nochmal;
    wenn Du ein ehrliches und nachhaltiges, faires Geschäft aufbauen willst, sind Kundenbeziehungen und Lieferantenbeziehungen das A&O, plus Produkte/Dienstleistungen mit USP.
    Vergiss Google!!
    Wie bescheurt muss man den sein um sein Geschäft auf SEO oder Google aufzubauen?
    Außer also SEO Agentur;-)
    Es gibt genügend Beispiele von erfolgreichen Unternehmen die ohne Google ein Geschäft aufgebaut haben.
    etsy und DaWanda hatte ich als Marktplätze aufgeführt.
    Das Internet ist nur ein weiterer Vertriebskanal und nicht Google.
    Du hast einen USP in deiner Dienstleistung oder im Produkt ansonsten macht es keinen Sinn
    ein Business aufzubauen.
    Nur über den Preis oder Google, No Way.
    Das Problem ist das es leider zu wenige gute neue Produkte und Dienstleistungen gibt.;-)
    Die Unternehmen die neue Produkte entwickeln, plus dem entsprechendem CI/CD, haben Erfolg,
    siehe Apple, Samsung, Dedon (sehr schönes Beispiel) oder der bei Design3000 angesprochene Koziol.
    Wobei das Thema CI/CD/Branding u.s.w. bei den meisten Onlinehändlern offensichtlich so gut wie überhaupt nicht bekannt zu sein scheint.
    Ich kann Design3000 nur raten diese Strategie so weiter zufahren, plus
    kein Mainstream, VK treu bleiben, no Copys, ausgesuchte Hersteller und Produkte.
    Umsatz ist nicht die Kirche und Gewinn nicht der selig machende Gott ;-)

  4. @Dirk
    Also gehe ich recht in der Annahme, das ihr ohne den kompletten Google Traffic noch profitabel arbeiten würdet? Wenn ja, dann habt ihr mit Sicherheit alles richtig gemacht und ein extrem wichtiges Ziel im Online Handel erreicht – die Lösung der Googleabhängigkeit. Dieses Ziel ist wirklich harte Arbeit für einen Online Shop und steht z.B. bei uns ganz oben auf der Agenda 2013.
    Was du zu der Kundenbindung sagst: Woher weißt du, dass ein Kunde, der ein Produkt bei euch gesehen hat und bei Amazon günstiger sieht, dennoch bei euch bestellt? Trackt ihr das oder sind das reine Vermutungen, weil ihr Umsatz generiert? Wir sind in unserem Online Shops auch teils teurer als Mitbewerber, aber dennoch verkaufen wir “sehr gut”. Allerdings ist der Begriff “sehr gut verkaufen” und “ab und an bestellt ein Kunde bei uns” (sicher ironisch von dir geschrieben) ein Topfen auf den heißen Stein, wenn man sieht wie groß das Gesamtvolumen in unseren Bereichen sind. Das sollte man immer im Verhältnis zueinander sehen.
    @tatort
    Das sind auch eher Erfahrungswerte bei Wachstumsfirmen im Internet, auf die ich meine Spekulationen beziehe. Es ist natürlich nicht mit einer normalen GmbH im Offlinebereich zu vergleichen.
    Du redest sicher von vet-concept.com. Das ist wirklich ein enorm gutes Verhältnis, wie auch immer es zustande kommt.

  5. Frage an alle woher der Glaube kommt das Amazon immer günstiger ist (Preis). Diese Erfahrung mache ich nämlich in keinster Weise. Unsere Produktsuche zeigt Amazon eher im vorderen Mittelfeld im Preis. Bei einer Einheitsprovisipn von 15% im Marketplace auch nicht verwunderlich.

  6. Was vet-concept angeht: Die 20 Mio. Euro sind nicht der Umsatz, sondern das Rohergebnis; der Umsatz liegt also entsprechend höher und – abhängig von den Margen im Tierfutterhandel – eher bei 30 Mio. Euro http://www.logistik-journal.de/index.cfm?pid=1668&pk=113355 Das Ergebnis ist aber natürlich trotzdem eindrucksvoll.

  7. Sehr schöne Diskussion! Ich bin froh, dass es Shops wie Design3000 gibt, die einem zeigen, dass es ohne die große VC-Spritze noch funktioniert. Ein Shop, wo ein lernfähiges, flexibles Team arbeitet, wo anscheinend eine ordentliche Führungskultur herrscht.
    Meiner Ansicht nach macht sich die Pflege des Produktportfolios a la Design3000 langfristig bezahlt, auch wenn ggf. die Preise leicht höher sind als die von Amazon. Ist auch die Frage, ob die Sortimente überhaupt vergleichbar sind, bzw. das subjektive Empfinden für Kunden das Gleiche ist. Amazon hat sicherlich ein Großteil der Produkte auch im Programm. Dort werden die Produkte aber schwierige zu finden sein, nicht so effektiv in Szene gesetzt sein und sie hängen in einem gänzlich anderen Markenumfeld. Eben viel verwaschener aufgrund der Masse. Auf design3000.de ist das Vekaufsumfeld einfach stimmiger.
    Ein paar Studenten von mir haben sich den Shop letztes Jahr angeschaut, worauf hin wir ein paar Vergleiche zum heutigen Stand gezogen haben und eine kleine, pragmatische Untersuchung des Shops zusammengeschrieben haben:
    http://shopanprobe.de/2013/01/design3000-gute-geschenke-guter-shop-bits/

  8. @tatort: die Bilanz ist aber nunmal Grundlage für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens, und es ist insofern schon relevant (@mike), ob ein Onlineshop Gewinn macht oder nicht. Bei ausbleibenden Gewinnen oder nachhaltigen Verlusten, wird kein Warenkreditversicherer das Risiko des Zahlungsausfalls versichern und dann wird es auch bei besten persönlichen Kontakten sehr schwer, z.B. mit Ware auf Ziel beliefert zu werden und insgesamt den für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung erforderlichen finanziellen Handlungsspielraum des Unternehmens aufrechtzuerhalten. Wachstum kostet nunmal Geld bzw. erfordert Liquidität und die muss irgendwoher kommen.
    @Michael: ich denke schon, dass es noch genügend bestehende Produkte gibt, bei denen es sich lohnen kann, diese erfolgreich online zu vermarkten. Und es gibt genügend Händler, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, wie man mit Liebe zum Detail und zum Produkt, mit pfiffigen Ideen und vor allem mit Blick auf den Kunden eine Menge bewegen kann. Auf der letzten K5 hat mich z.B. gartenvideo.com fasziniert.

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