Umbrüche im Buchmarkt: „Stop whining about Amazon“

von Matthias Hell

„Stop whining about Amazon. It’s not going away, so get past your fear and loathing of Amazon and learn from it. (…) There’s nothing wrong with copying the best practices of your competition, but this requires overcoming the not-invented-here syndrome, knowing what to copy, and implementing your adaptation well.”

So Guy Kawasaki in seinen bei Publishing Perspectives veröffentlichten „10 Strategies for Publishers to Succeed and Survive”. Mehr gibt es in Kawasakis neuem Buch „APE: Author, Publisher, Entrepreneur – How to Publish a Book”. (via APE the Book)

Neue Vertriebsmodelle

Kickstarter: Mehr als 15 Mio. Dollar haben Publishing-Projekte im vergangenen Jahr bei Kickstarter an Crowd-Investitionen auf sich ziehen können. Ein Großteil davon entfiel auf Comics und Graphic Novels. (via Mediabistro)

Yudu: In einem Update berichtet Publishers Weekly über die auf den Bildungsbereich spezialisierte Publishing-Plattform Yudu und stellt dabei heraus, welche Unterschiede es beim Vertrieb über das Netz zwischen Literatur und Fachbüchern gibt:

„Education is different. Unlike the trade, there are relationships between publishers and educational institutions. (…) The big aggregators like Amazon and iBookstore are popular with consumers. They offer a variety of benefits but they also own the customer.”

Tumblr: Titel wie Allie Hagans „Suri’s Burn Book“ haben vorgemacht, wie aus einem Tumblr-Blog eine Buch-Veröffentlichung entstehen kann. Inzwischen beschäftigt Tumblr selbst Mitarbeiter, die sich um die Buchverwertung von Blog-Inhalten kümmern. (via Leander Wattig)

Audiobooks.com: Man hätte es eher andersherum erwartet: Der Hörbuch Streaming-Dienst Audiobooks.com ändert sein Geschäftsmodell und orientiert sich künftig am Einzeltitel-basierten Modell der Amazon-Tochter Audible. (via Techcrunch)

Neue Erzählformen

Marketing first, publishing later: Ähnlich wie Guy Kawasaki betont auch Kristen McLean im O’Reilly-Blog die Marketing-Fähigkeiten, die im Self-Publishing-Zeitalter von Autoren verlangt werden. Insgesamt 10 Schritte umfasst ihre Strategie für werdende Autoren. (Teil 1 und Teil 2)

Format-Frage: Apples iBook-Plattform wird gerne als Killer-Applikation für angereicherte E-Inhalte betrachtet. Dass hier aber auch native iOS-Apps ihre Berechtigung haben, zeigt Futurebook anhand von zwei konkreten Beispielen.

Struktureller Wandel

Amazon: Mit dem Programm „AutoRip“ liefert Amazon ab sofort Käufern einer physischen CD das entsprechende MP3-Album kostenlos mit. Während bereits vielerorts über ein entsprechendes Buch/eBook Gratis-Bundle spekuliert wird, winkt Mashable ab: Aufgrund seiner komfortablen Position im Buchmarkt habe Amazon keine Veranlassung, über einen entsprechenden, kostenintensiven Service nachzudenken.

50 Shades of Grey: Random House hat für den Valentinstag eine Hardcover-Ausgabe der „50 Shades of Grey“-Trilogie angekündigt. Der Bestseller mit Fan-Fiction-Wurzeln stellt damit die übliche Verwertungskette komplett auf den Kopf. (via Paidcontent)

Buchhandel im Umbruch

Buch.de: Im vergangenen Jahr musste die Thalia-Tochter Buch.de einen Umsatzrückgang von 3,8 Prozent hinnehmen und sinniert im Geschäftsbericht (PDF) nun über die schlechten Chancen kleinerer Online-Marken, sich gegenüber „dem Wettbewerbsdruck der Global Player“ zu behaupten.

Stationäre Verluste: Nach Berechnungen von Buchreport hat der stationäre Buchhandel im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft rund 5 Prozent weniger umgesetzt als 2011 und kommt damit im Jahresschnitt auf ein Minus von 1,4 Prozent. In den letzten drei Jahren habe der Offline-Buchhandel damit rund 7 Prozent Umsatz verloren.

Unter der Rubrik Buchlos in die Zukunft bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

3 replies

  1. schöne zusammenstellung!
    die buchbranche hier ist schon sehr verschnarcht!
    und gut, dass guy auch mal erwähnt wird in einem deutschen blog!

  2. Buch.de hat vielleicht 4% Umsatzrückgang, dafür EBITDA um 450% gesteigert. Da braucht man eigentlich nicht groß sinnieren.

  3. @Fabian: Wenn aber 80% ao Erträge sind, dann schon.

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