Stubenhocker: Wie der Modehandel den Online-Druck spürt

"Die Frequenzen im
Weihnachtsgeschäft waren vielerorts schlecht – insbesondere im
Modehandel" (Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands
Baden-Württemberg)

"Für den gemütlichen Stadtbummel innerhalb der Woche hat heute kaum noch jemand Zeit" (Uwe Stephan, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen)

Verkehrte Welt: Während die Online-Trendmedien die aktuellen Marktentwicklungen weiter als halb so wild ("Warum die Pure Player den deutschen Handel doch nicht gleich töten") und "stark übertrieben" abtun, spürt der Handel den Online-Druck von Amazon & Co. mehr als ihm lieb ist.

Das Internet als Brandbeschleuniger des Strukturwandels

Der Verband der Mode- und Textilhändler BTE, der mit einem Handelsvolumen von 58 Mrd. Euro eines der stärksten Marktsegmente im Handel vertritt, schlägt nun schon das zweite Jahr in Folge Alarm für die Innenstädte ("Stubenhocker statt Stadtbummler") und schreibt zu den aktuellen Markteinschätzungen ("Schwieriges Jahr für den Modehandel"):

Bte_kundenfrequenz
Quelle: Ergebnisse BTE-Händlerumfrage 2012/13 (PDF)

"Problematisch für den Modehandel
ist
auch
die insgesamt rückläufige
Kundenfrequenz
in den
Geschäften
und Städten.

Da
die Menschen
ihr
Leben
zunehmend
vom heimischen Computer aus
organisieren, verringern sich die
Chancen für
Impuls
-
oder Lustkäufe.

Zudem steigen in vielen Bereichen die
Kosten.
„Allein die Energiepreise sind 2012 in größeren Geschäften um vier
-
bis fünfstellige
Euro
-
Beträge gestiegen“.

Hanno Bender hat die laufende Debatte für einen ausführlichen Artikel zur Lage des stationären Handels zusammengetragen ("Das Internet als Brandbeschleuniger des Strukturwandels"):

"Bis zum Jahr 2011 verlief das Wachstum im Onlinehandel zu Lasten der
Katalogversender, seit 2012 knapsen die kontinuierlich zweistelligen
Wachstumsraten des E-Commerce auch an der Umsatzsäule des stationären
Handels – dieser Trend wird anhalten"

Toller Text, den man jedem empfehlen kann, der verstehen will, was sich gerade im stationären Handel abspielt.

Unterschätzt wird gemeinhin, dass die Entwicklung eben nicht kontinuierlich verlaufen wird, sondern sprungfix. In bestimmten Handelssegmenten (Buchhandel, Elektronikhandel, etc.) ist die Marktkonzentration im Handel schon so groß, dass, wenn nur einer der großen Offline-Player wegknickt, die komplette Branche ins Wanken gerät.

Mehr dazu auch in Wo steht der sterbende Handel – heute und in 5 Jahren?

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Uncategorized

2 replies

  1. Innenstädte werden perspektivisch zu reinen Event-Shopping-Flächen werden.
    D.h. der Grundbedarf an Konsum wird über das Internet gedeckt (da in der Regel größere Auswahl, Preis-Transparenz und der nicht zu verachtende (räumliche) Vorteil (24/7 von zuhause oder unterwegs aus)).
    Innenstädte werden nur noch die Konsumspitzen ausmachen und zu Events richtig brummen: Mitternachtsshopping, Weihnachten, Shopping-Sonntage, das erste Frühlingswochenende, wenn plötzlich alle rauswollen etc.
    Je kleiner das räumliche Einzugsgebiet desto dramatischer die Situation (schon heute).

  2. Stimme ich zu, aber aktuell wird auch dort noch eher versucht, das Alte zu bewahren bzw. zu “retten”, als sich genau Gedanken dieser Art zu machen.

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