Görtz-Chef von Guionneau über (Online-)Handel mit Weitblick

Progressives Denken ist im traditionsbehafteten (Versand-)Handel nicht allzu weit verbreitet. Wie wohltuend sind da die Aussagen von Christoph von Guionneau, dem Chef des Schuhhauses Görtz, in der Zeitschrift "Der Handel", die es an Weitsicht nicht missen lassen:

"Unseren Onlineshop betreiben wir nicht in erster Linie, um einen
zusätzlichen Vertriebsweg zu haben.
Der Hauptgrund für den Shop ist,
dass wir die Kunden schnellstmöglich, vor allen anderen, verstehen
wollen.

Goertz

Heute
stehen wir als Händler nicht mehr vor der Frage: Was biete ich meinen
Kunden an? Der Kunde ist viel schneller, er entscheidet und gibt vor. Der Handel hat nicht mehr diese Führungsrolle, Sortimente zu sammeln und
dann anzubieten.

Unternehmen, die heute noch so denken, haben keine
Chance zu überleben. Denn in dem Moment, in dem Sie das Sortiment
zusammengestellt haben, will der Kunde schon wieder etwas anderes.

Der Händler muss heute zum Hersteller und der Produzent muss Händler
werden.
Der Kunde wird künftig nicht mehr bereit sein, die Ineffizienz
in der Wertschöpfungskette zu bezahlen, die dadurch entsteht, dass es
einen Einkäufer auf der einen und einen Verkäufer auf der anderen Seite
gibt.

Wer heute erfolgreich sein will, vermeidet diese
Übersetzungsfunktion und investiert die Effizienzgewinne in das
"Frontend" – in die Verkaufsfront."

Zum vollständigen Interview, das nahtlos an die Forderungen von Peter Kruse anknüpft

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Die neuen Händler

  1. Mit 100% Franchising oder Eigenbesitz an Stationär-Einheiten hat man da leicht reden (gut…solange man nicht Media Markt heißt).
    Und wenn das „Kunden verstehen“ sich ausschließlich in der Auswertung von Verkaufszahlen bestimmter Modelle wiederspiegelt wars wohl auch nicht so ernst gemeint…
    Viel open innovation seh ich da ja nicht wirklich ;-)

  2. Es geht ja hier auch nicht um Open Innovation, sondern um die strategische Ausrichtung und die Reaktionsfähigkeit eines Händlers. Daran haperts doch bei vielen.

  3. Die Konstellation „Produzent = Händler mit direktem Kontakt zu den Endkunden“ halte ich auch für unschlagbar, doch ich glaube umgekehrt werden sich nicht sehr viele Händler wieder eine wirklich eigene Produktion zulegen.
    Wenn es nur um eigene Marken geht sieht das natürlich ganz anders aus (siehe Media-Markt & Saturn), doch es gibt ja auch genügend flexible Hersteller, die es ziemlich einfach machen Produkte mit eigenem Label zu versehen…

  4. Ich hoffe, die Mitarbeiter von Görtz fragen sich beim Lesen nicht, warum der Mann so schlau redet aber intern völlig anders handelt.
    Das kenn ich von anderen großen Handelshäusern nämlich so :-)

  5. Der Mann macht es schon richtig wenn das alles so läuft wie er sagt.
    Im Frontend sehe ich nämlich nicht mehr als das was die anderen auch machen wie Leiser, Deichmann & Co.

  6. Tja…Zwischen REDEN und MACHEN ist da immer ein großer Unterschied :)

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