Groupon Reserve: High-end Deals für die besseren Kunden

Von Marcel Weiß

Groupon, das mit seinem Börsengang letzte Woche den zweitgrößten IPO eines Internetunternehmens nach Google verzeichnen durfte, arbeitet weiter an neuen Funktionen für die eigene Plattform.

Groupon Reserve soll hochpreisigere Angebote an ausgewählte Groupon-Nutzer verkaufen. Venturebeat:

"The service will focus exclusively on high-end deals from high-end merchants and may silence critics who complain that most of the deals from the company’s regular daily deals service aren’t good enough. The first deal is a $70 three-course tasting menu for two at New York restaurant Bice.

Select Groupon email list subscribers in New York received the following email message about the new service today:

"As a member of Reserve, you will occasionally receive exclusive offers for premium experiences, like today’s offer to Bice. Hailed by the New York Times as “the handsomest Italian restaurant in town,” Bice serves up urbane Italian cuisine in an elegant dining space.""

Das ist eine clevere Diversifikation. Groupon kann auf eine breite Basis an Emailabonnenten zurückgreifen und mit der Auswertung der Deal-Daten sicherstellen, dass sie mit Reserve den besseren Restaurants und lokalen Händlern auch nur die Kunden schicken, an denen sie ein Interesse haben. Was Groupon Reserve wiederum interessanter für eben diese Händler macht. Das zumindest dürfte die Theorie hinter Groupon Reserve sein. Ob sie aufgeht, wird man sehen.

Felix Salmon von Reuters hat auch anhand dieser und anderer Diversifikationsmöglichkeiten argumentiert, dass die aktuelle Bewertung von Groupon durchaus gerechtfertigt sein kann:

"Think of it like this: up until now, Groupon has been selling daily deals to customers. And it’s now ready to pivot, and start selling customers to merchants on many other fronts.

Right now, customers don’t spend all that much money on Groupon: in the first three quarters of 2011, its 142,865,836 subscribers spent $2,754,633,000 in total. That’s an annualized rate of about $25 per year. People love deals, but it turns out that the model of showing them one deal a day in their inbox is always going to limit how much they’re ever going to buy.

So Groupon is branching out into various other projects, all of which promise to increase customer spend dramatically — travel deals, high-priced goods, spur-of-the-moment impulse buys, you name it. Not all of them will work. But there’s a decent chance that some of them will. And if that happens, Groupon could easily become as valuable as, say, Priceline, which has a market capitalization of $24 billion."

Nicht ganz zu unrecht sprechen die Vertreter des Unternehmens deswegen mittlerweile von Groupon als Betriebssystem.

Groupon Now!, die mobile Offensive, ist zwar die vielversprechendste Initiative von Groupon. Sie könnte aber dem gleichen Schicksal anheim fallen wie die eingeschlafenen Groupon Stores: Der auf Smartphones setzende Ansatz könnte ebenso wie die Self-Serve-Plattform der Stores für den lokalen Handel seiner Zeit zu weit voraus sein.

Grundsätzlich ist Groupon Now! eine geniale Milliarden-Idee: Händler können, je nachdem wie sie gerade ausgelastet sind, kurzfristig und zeitlich stark befristet Angebote günstiger anbieten. Sobald sie wieder stärker ausgelastet sind, nehmen sie die Dealangebote wieder zurück. (Das älteste Offline-Beispiel sind Mittagsangebote von Restaurants.)

Man muss sich das so vorstellen: Das, was Groupon aktuell auf Quartalsebene für die Händler leistet – also Vermeidung von Leerlauf und Neukundenakquise – liese sich mit einem erfolgreichen Groupon Now! auf Stundenebene realisieren. Die dadurch mögliche bessere Steuerung kann einen Großteil der Nachteile des aktuellen Groupons aufheben und den Händlern sehr viel mehr Nutzen verschaffen.

Nicht zuletzt deswegen bezeichnet Andrew Mason Groupon Now! auch als 'Groupon 2.0'. Man sieht die eigene Zukunft in Groupon Now!:

Grouponnowroadshow

Auch hier wieder: So sieht die Theorie aus. In der Praxis stehen Groupon Now! noch zwei Dinge im Weg:

  • Zum einen die Händler, die so ein Tool erst einmal nutzen und erlernen müssten, wenn es als Self-Serve-Lösung funktionieren soll (und nur so skaliert es)
  • und zum anderen die noch geringe Verbreitung von Smartphones.

Der Marktbeobachter Yipit berichtet von schwachen Zahlen bei Groupon Now!:

"Now! generated just $1 million of gross billings in September, despite being available in 25 markets – only $40k per market.  In other words, the product that Groupon is telling investors to view as the future of the company, still represents less than 1% of Groupon’s total gross billings in North America."

"From its launch in May through September 30th, Now! generated only $2.6 million of total gross billings. Given the lower commission rates from Now! deals (15%-20% compared to 40%-50% for regular Groupon deals), this means that Now! has generated less than $1 million of net revenue in the five months since its launch, representing less than 0.5% of North American net revenue for the period."

Groupon Now! hat das Zeug, eine Cash Cow zu werden. Aber dafür muss Groupon einen Weg finden, das vielleicht schwierigste Chicken-Egg-Problem zu lösen, das man in der Internetwirtschaft aktuell finden kann.

Und zwei, drei Jahre warten kann sicher auch nicht schaden.

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Kategorien:Crowdsourcing, Live Shopping, Shopboerse

1 Antwort

  1. Naja, Groupon kommt mir vor wie ein Gebäude, bei dem immer mehr Etagen gebaut werden, auch wenn das Fundament noch nicht gelegt ist. Wir haben – allerdings nur in CH – Groupon verschiedentlich getestet, und ihre Execution ist – und das ist noch vorsichtig ausgedrückt – unterirdisch.
    Der Ton ist vielfach barsch bis arrogant.
    Kleinigkeiten müssen in der Zentrale in D nachgefragt werden, auf der anderen Seite waren sie bis jetzt unfähig, einen Deal mit unseren Produkten in D zu vermitteln. Die Texte haben manchmal gar nichts mit dem Produkt zu tun (ja das ist möglich), oder aber nur am Rande. Links können schon mal auf ein ganz anders Produkt gehen. Und die zugegebenermassen sehr weit ins Technische ausgreifende Fähigkeit, ein Video mit dem entsprechenden Code in ein Angebot einzubauen, geht den Groupon-Leuten gänzlich ab (das Video wurde extra für den Deal gedreht).
    Einzelfälle? Ich weiss nicht…meine Gschäftserfahrung sagt mir, dass das eher Symptome einer grundlegenden Krankheit sind. Und die wird sich nicht bessern, wenn die Angebotsstrukturen raffinierter werden – da sind eher Basics gefragt.
    Wir werden jedenfalls Groupon in Zukunft aussen vor lassen, einige Wettbewerber testen wir weiter. Grundsätzlich macht es für uns aber eher Sinn, das Geld in ein eigenes Dealangebot zu investieren, und unsere wöchentlichen Angebote groupon-mässig (aber mit guten Texten, Videos und meist funktionierenden Links) zu strukturieren.

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