Die erste Todesliste für den stationären Einzelhandel

Die Wirtschaftswoche tut sich schon seit geraumer Zeit als Insolvenzspezialist und Chronist des Niedergangs des deutschen Einzelhandels hervor.

Nach den Kandidaten für den Untergang hat das Blatt nun erstmals eine Todesliste erstellen lassen ("Die bedrohtesten Händler Deutschlands"), die einen Eindruck vermittelt von der Überlebensfähigkeit bzw. der Pleiteanfälligkeit einzelner Händler.

Pleite gehen immer die anderen

Weil Händler von ihrem Selbstverständnis her immer davon ausgehen, dass es wenn, dann nie sie selber, sondern immer die anderen treffen wird, können sie über derlei Rankings nur schmunzeln.

Interessanter als für den Handel ist die Liste deshalb für die Vielzahl von Agenturen und E-Commerce-Dienstleistern, die sich immer noch sehr einseitig auf die Handelswelt von gestern ausgerichtet haben.

Sie können anhand der Ausfallwahrscheinlichkeiten nun sehr einfach ihr eigenes Geschäftsrisiko ermitteln und sich überlegen, ob und wie sie der Intershop-Falle (siehe Erläuterung im Kommentar) entgehen können.

Hier die Todesliste der Wirtschaftswoche in übersichtlicher Form:

  1. Vedes – 84%
  2. Medimax – 81,2%
  3. expert – 78,6%
  4. Toys 'R' Us – 78,2%
  5. Intersport – 77,7%
  6. Mayersche Buchhandlung – 77,1%
  7. Sport 2000 – 76,9%
  8. Depot – 74,6%
  9. Thalia – 74,3%
  10. idee + spiel – 73,6%
  11. ElectronicPartner – 73%
  12. Kaufhof – 72,9%
  13. Babyone – 72,7%
  14. Charles Vögele – 72,5%
  15. Butlers – 72,4%
  16. Hugendubel – 71,8%
  17. Media Markt – 71,6%
  18. Wöhrl – 71,3%
  19. kik – 70%
  20. Euroncis – 69,9%
  21. Takko – 69,9%
  22. Babywalz  69,4%
  23. Karstadt – 68,5%
  24. NKD – 68,2%
  25. Saturn – 68%
  26. Peek & Cloppenburg – 66,4%
  27. Runners Point – 65,6%
  28. Reno – 65,1%
  29. Quick Schuh – 64,4%
  30. C&A – 64,4%

Auf den Plätzen 31 bis 50 folgen dann noch weitere Schuh- und Modehändler und auch die ersten Möbelhändler, die das Thema Online aktuell mit derselben Selbstgefälligkeit angehen wie die Katalogversender und die Buchhändler zuvor.

Wer wird 2020 noch am Markt sein?

Anhand der Liste lässt sich nun in den kommenden Jahren sehr genau verfolgen, wer dem Online-Druck wie lange standhalten kann.

Man kann und mag es sich bei vielen der aufgeführten Einzelhändler aktuell kaum vorstellen. Doch erst im Rückblick erkennt man, wie schnell sich der Markt dann doch bereinigt. Und – aus Online-Sicht natürlich – welche Chancen sich Online-Anbietern in dieser strukturellen Umbruchphase auch heute noch bieten, wenn sie entsprechend angreifen könn(t)en und sich die freiwerdenden Marktpotenziale erschließen.

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Kategorien:Shopboerse

17 replies

  1. Die Liste spiegelt überspitzt die Bedenken wieder, die wir auch auf den Handelskraft Frühstücken von Händlern hören. Auch von Onlinehändlern, die sind vor der Konsolidierung auch nicht gefeit.
    Mich würde nur interessieren, was genau meinst du mit Intershop-Falle? Die Dotcom-Blase oder eher aktuelle Entwicklungen?

  2. Im Online-Handel hat das in der aktuellen Marktphase mE weniger etwas mit Konsolidierung zu tun als mit gescheiterten Experimenten.
    Wenn überhaupt, dann gibt es eine Konsolidierung bei den Shop-Betreibern, das zwar aktuell populärste, aber ein aus meiner Sicht eher nachrangiges Geschäftsmodell.
    Daneben bietet der Markt aber noch viel Platz für weitere Geschäftsmodelle (u.a. im Direktvertrieb von Marken/Herstellern, bei Shoppingclubs, ReCommerce, etc. im mobilen Bereich, wo der Boom erst noch bevorsteht).
    Intershop hat jahrelang gut von Katalogversendern wie Quelle, Otto & Co. gelebt und zu spät begonnen, sich zukunftsträchtigere Handelssegmente zu erschließen. Deshalb ist jetzt die (Vertriebs-)Not groß http://www.intershop.de/ad-hoc-meldung/intershop-passt-ergebniserwartung-fuer-2014-an

  3. Also das die Shopbetreiber eher ein nachrangiges Geschäftsmodell betreiben sehe ich nicht so. Wer macht denn den oben aufgelisteten Unternehmen die Schwierigkeiten? Doch nicht die Shoppingclubs oder ähnliches.

  4. Danke für die Klärung.
    Ich sehe da keine Not, der Liste zufolge gibt es ja noch viele rückwärts gewandte Unternehmen, die vielleicht Hilfe dabei brauchen, ihre Kataloge ins Internet zu drucken ;)

  5. Irgendwie hätte der Blogbetreiber hier Comedian werden sollen.

  6. @Jochen
    Die Gewinnwarnungen bzw. die schlechte Finanzperformance von ISH haben imho mitnichten was damit zu tun, wer auf der Kundenliste steht, oder welche Kunden man angeht. Das ist in dem Fall leider einfach mal schlechte Unternehmensführung.
    Demandware z.B. hat(te) i.W. exakt dieselben Kunden (siehe Neckermann), andere Demandware-Kunden finden sich auf der Liste, und DW ist irgendwie „hipp“, wächst (zumindest im Umsatz) und ist an der Börse etwa 20x so hoch bewertet wie ISH.
    Von daher muss ich Cornelia recht geben. Wenn man sich als Anbieter die Todesliste rauf und runter arbeitet, kann man sehr wohl gute Geschäfte machen.

  7. Ich konnte bisher keine Erläuterung finden, wie diese Zahlen berechnet wurden, und auch nicht, was die Zahl zu bedeuten hat.
    Warum hier im Blog mit Prozenten gearbeitet wird, und hier das Wort „Ausfallswahrscheinlichkeit“ verwendet wird – das in der ursprünglichen Studie nicht verwendet wird – würde mich dann tatsächlich interessieren.Bitte um Aufklärung!

  8. Jeder auf 100 indizierte Wert lässt sich genauso gut als Prozentwert wiedergeben.
    Den Index/die Prozentwerte als „Ausfallwahrscheinlichkeiten“ zu interpretieren war nur eine Anregung (an die Dienstleister).
    Da es sich bei den Werten um ein Maß der Bedrohung handelt, bietet sich das an. Andere Interpretationen stehen natürlich jedem frei.

  9. Ok – dann würde ich die Frage „Wie ist denn der Titel – Die erste Todesliste für den stationären Einzelhandel – entstanden?“ gerne anschliessen wollen.

  10. Natürlich lässt sich jeder Wert Prozentuel wiederspiegeln. Allerdings ist in dieser Studie 100 nur „Extrem Riskioreich“. das ist ein mathematisch nicht absoluter Wert. Und umso missverständlicher, wenn hier plötzlich die Worte „Pleite“ „Todesliste“ „Ausfall“ dazukommen – die in der zitierten Studie nicht gefallen sind.

  11. Auf der Todesliste stehen diejenigen, die sterben werden. Genau darum gehts doch bei den „50 Bedrohtesten“ mit hohem „Kill Thrill“ Index (to kill; engl. für töten). Das sind im Klartext Unternehmen in Todesgefahr.

  12. Die Verwendung des Begriffs „Ausfallwahrscheinlichkeit“ im Zusammenhang mit den später genannten Prozentzahlen ist absolut unseriös, insbesondere wenn man die Bewertungsskalen von Ratingagenturen danebenhält.
    Das Bashing des stationären Handels hier im Blog hat bedenkliche Ausmaße angenommen.

  13. Zitat aus der ‚Studie‘: „Kill Thrill gibt erste Hinweise auf eine latente Bedrohung durch einen Category Killer. Zur Berechnung des Kill Thrill, also des Grads der Bedrohung durch Category Killer, werden die Online-Relevanz der jeweiligen Warenkategorie und die Online-Performance der Handelsunternehmen herangezogen.“
    Ziemlich schwammige und unsichere Formulierungen: „erste Hinweise“, „latente Bedrohnung“
    Man sollte immer auch bedenken, welche Interessen die Studienverfasser oder E-Commerce Berater haben. Für die eigenen Consultingfirmen Beratungsmandate akquirieren, indem man solche Horrorszenarien an die Wand malt.

  14. Exciting Commerce sieht sich nicht als PR-Blog für Wieselhuber & Partner. Und niemand mit Ahnung wird solche (Pseudo-Category-)Killer-Studien ernst nehmen, selbst wenn sich eine Wirtschaftswoche dafür hergibt, ihnen unnötig Gewicht zu verleihen.
    Aber natürlich sind Studien und Berichte dieser Art die perfekte Vorlage für Exciting Commerce. Es kommt schließlich selten vor, dass Offline-Berater Negativlisten erstellen. Genau deshalb ist „die erste Todesliste“ dieser Art ja so eine Sensation.
    Der Online-Handel kann und wird nur auf Kosten des stationären Handels wachsen. Je schneller die Umsätze der Offliner einbrechen, desto besser für den Online-Handel. Je klarer man das verdeutlichen kann, umso schneller wird sich der Markt drehen.
    Denn genau darum gehts ja bei Exciting Commerce: Wie schnell und mit welchen Konzepten kann der Online-Handel den Offlinern Marktanteile abjagen.

  15. Eine „Todesfalliste“ unterschiedlicher Unternehmen als Sensation für Dienstleister zum „Abarbeiten“ anzupreisen ist perfide.

  16. Wie stellen sich die Kunden die Zukunft vor ,die online bestellen und alles so leicht haben.
    eine Patrone für den drucker online bestellen ist super .
    aber bei Kleidung und schuhen hört der spass auf Deutschland wird eines tages aussehen wie eine Lagerhalle wo soll man sich noch insperieren .Ideen holen Kreativität fördern
    sorry aber das holt man sich von menschen und wenn es die nicht mehr gibt und alle von zuhause bestellen
    wird viel leben zerstört.
    ich finde die Politik schläft und fördert unternehmen von denen sie am ende nichts haben
    den preiss werden am ende alle zahlen

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