Tirendo trennt sich von 113 Mitarbeitern, 75% der Belegschaft

Das „Deltirendo“-Debakel hat diese Woche die Gemüter bewegt. Nur ein Viertel der Tirendo-Belegschaft, 38 von 151 Mitarbeitern will Delticom behalten, 113 Stellen sollen bis Jahresende wegfallen („Personalabbau, um Verluste zu senken“) – und das, nachdem Tirendo im 2. Quartal noch fleissig eingestellt hatte – und von 107 Mitarbeitern (Ende März) auf 151 Mitarbeiter (Ende Juni) gewachsen ist.

Wie konnte es zu solch einer Fehleinschätzung kommen? Den jüngsten Unterlagen zufolge („Wie sich Tirendo zum Debakel für Delticom entwickelt“) ging Delticom offenbar tatsächlich davon aus, dass Tirendo 2014 mit denselben Werbespendings ein Vielfaches des Umsatzes erzielen kann.

tirendo14h1

Dabei müsste es Delticom besser wissen, das selbst nach 15 Jahren im Geschäft noch kein tragfähiges Stammkundengeschäft aufbauen konnte und umsatzseitig weiter auf einen hohen Strom an Neukunden angewiesen ist. So kamen selbst 2013 noch mehr als 2 Neukunden auf 1 Stammkunden. Zur Kundenentwicklung siehe u.a. die Präsentation der Halbjahreszahlen (PDF):

delticomcustomers

Hier zum Vergleich dasselbe Chart ein Quartal früher (PDF):

delticomcustomersq1

Die „Deltirendo“-Hoffnungen sind dann für Delticom doch sehr viel schneller geplatzt als erwartet. Hier zur Erinnerung die Charts vom 20. März 2014 (PDF):

deltirendovision

deltirendoOb Delticom bei Tirendo über den Tisch gezogen worden ist, mögen andere beurteilen. Hier spielte sicherlich auch das Bedrohungsszenario eine Rolle, dass es sich bei Tirendo um das nächste Zalando handeln könnte, das Delticom sehr schnell den Rang ablaufen könnte.

Doch verdeutlicht Tirendo geradezu prototypisch, wann TV-Werbung (wenig) Sinn macht. Denn schließlich kämpft Home24 („Home24 wächst in den ersten 6 Monaten auf 65 Mio. € (+42%)“) gerade mit ähnlichen Problemen („Das mühsame Geschäft mit Möbeln“).

Wer mit jeder Bestellung profitabel sein muss und – aufgrund der Produktkategorie und/oder des Geschäftsmodells – nicht auf ein zeitnahes Stammkundengeschäft hoffen kann, wird sich mit TV-Werbung auch weiterhin schwer tun, ein tragfähiges (Online-)Geschäft aufzubauen.

Diese Erfahrungen müssen gerade so einige machen.

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  1. Ich denke dein Schlussfolgerung mit der TV-Werbung hinkt einwenig, denn das Primärziel der Werbung ist ja der Aufbau der Marke. TV-Werbung ist in 99,99% der Fälle im ersten Schritt immer ein Verlustgeschäft und NUR wenn es dir gelingt, langfristig durch die Werbung eine Marke aufzubauen (siehe Zalando: Schrei vor Glück), hat die TV-Werbung überhaupt einen Mehrwert für das Unternehmen. Wenn man kleckert statt klotzt (siehe z.b. home24.de), wird es nie was mit dem Branding werden und das Geld für die TV-Werbung könnte genauso gut im Ofen verfeuert werden.
    Meiner Meinung nach gibt es sehr gute Beispiele für erfolgreiche TV-Kampagnen (neben Zalando.de z.B. auch tennis-point.de, die bei allen Grand Slam Turnieren fast penetrant im TV vertreten sind), doch der Großteil der TV-Werbegelder ist verschwendet, weil a) damit kein Geld verdient wird und b) das Branding aufgrund der Einfallslosigkeit der Spots und deren Frequenz, nicht stattfindet.

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