Dividende statt Wachstum: Burda will Zooplus loswerden

Für Stirnrunzeln in der Branche sorgt einmal mehr Burda, das Zooplus nun komplett abstoßen möchte, weil schnell wachsende Unternehmen wie Zooplus nicht zur Burda-Digitalstrategie passen:

zooplus2017e

„Gerade weil das Geschäft so stark wächst, steckt das Unternehmen seine Gewinne lieber in die Expansion, als seine Aktionäre mit Dividenden zu verwöhnen.

„Das ist für Zooplus sinnvoll, passt aber nicht in unsere Strategie“, erläuterte Winners. „Wir wollen in Digitalgeschäfte investieren, die auch Dividenden ermöglichen.“

Damit positioniert sich Burda als Investor für das digitale Mittelmaß. Und bei dieser Einstellung muss man sich dann auch weder wundern, warum das Verlagshaus 10 Jahre DLD kaum vorangebracht haben, noch, warum es Xing gegenüber LinkedIn mehr und mehr zurückfallen lässt.

Aktuell hält Burda noch „gut 30%“ an Zooplus, das zuletzt mit einem Umsatzsprung auf 571 Mio. € (+34%) und explodierenden Börsenkursen überrascht hat („Das K5 Depot erwischt Traumstart – mit Zooplus, Amazon und Asos“).

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Kategorien:Shopboerse

  1. „Wir wollen in Digitalgeschäfte investieren, die auch Dividenden ermöglichen.“
    Das dürfte ja dann einen baldigen Exit bei Cyberport bedeuten, da dort scheinbar seit Jahren höchst magere Gewinnzahlen auf den Tisch kommen.

    Als ich über „Liest man den Geschäftsbericht des Unternehmens, lässt eine Formulierung aufhorchen: Die Liquidität von Cyberport sei wegen der „Einbindung der Gesellschaft in das Cash-Pooling des Burda-Konzerns“ zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen, heißt es dort.“ (Quelle: http://www.channelpartner.de/a/cyberport-ist-wieder-auf-wachstumskurs,3043683# ) gestolpert bin, hat sich mir die Frage gestellt, ob der Umkehrschluss bedeutet, das Cyberport ohne das Burda-Cash-Pooling nicht jederzeit liquide war? Das würde ja schlicht und einfach bedeuten, das Cyberport mindestens temporär praktisch nicht mehr zahlungsfähig war. Oder interpretiere ich da etwas falsch?

  2. DLD hat doch gerade die Funktion, als innovativ zu gelten (damit man in Davos mitsprechen darf) ohne viel eigenes Geld und Kredite in die Hand nehmen zu müssen. Als gehobener Mittelstand tut Burda recht damit, auf Dividenden zu achten, schließlich müssen Kredite bedient werden und im alten Kerngeschäft gehen die Renditen trotz Sparmaßnahmen eher zurück. Ob die Erben dann ihr Unternehmen einmal selbst fortführen oder starke Partner / Käufer ins Boot nehmen ist ja noch viele Jahre unklar…. dank Huberts robuster Gesundheit. Neu ist eher, dass unter CEO Kallen solche Entscheidungen durchgezogen und offen kommuniziert werden, das verdient doch Respekt.

    • Nicht die Entscheidung ist es ja, die für Stirnrunzeln sorgt, sondern die Begründung. „Wir wollen Zooplus verkaufen, weil wir Geld brauchen“ und/oder „weil sich unsere Prioritäten verschoben haben“, wären ja legitime Begründungen. So aber ruiniert man sich seinen Ruf als Digitalinvestor.

      • Burda und diverse Töchter müssen geschätzt ca 30-50 Mio. Zinsen und Tilgung bestehender Kredite jährlich aufbringen. Zusätzlich herrscht in allen Märkten der Unternehmensgruppe zunehmende Konkurrenz und damit Margendruck. Da macht es doch Sinn, rechtzeitig Kasse zu machen, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

        Vielleicht braucht man ja auch etwas Geld, um einem anderen Investor ein nicht sehr geliebtes aber sehr schlankes Medienhandelsunternehmen abzukaufen ?

        Oder passt so etwas nicht in Ihr Weltbild ?

      • das passt alles, nur hat es nichts mit dem Thema dieses Beitrags zu tun, in dem es nicht um Burdas Sorgen und Nöte, sondern um Burdas Digitalverständnis geht.

  3. Verstehe deine Enttäuschung über einen Ausstieg von Burda bei Zooplus nicht. Der Grund für den geplanten Ausstieg wird ja klar benannt nämlich: „Zooplus bietet einfach keine Schnittmenge mit unserem Medien- und Digitalgeschäft“. Xing erfüllt diese Funktion offensichtlich, da über Xing generierte Inhalte wie z.B.ein Arbeitgeberbanking auch auf Focus weiterverwertet werden. Insofern kann Burda mit der Performance seines Zooplus Investments zufrieden sein und die freiwerdenden Mittel aus dem Verkauf reinvestieren (wie es ein Investor eben so macht). Also alles richtig gemacht.

    • Das mit der Schnittmenge ist seit 15 Jahren so. Insofern zieht das als Begründung nicht.

      Und wie an anderer Stelle gesagt, es geht nicht um den Ausstieg, der ist eigentlich lange überfällig und ohnehin das Beste, was Zooplus passieren kann.

      Es geht um das Signal, das Burda mit derlei Aussagen an Gründer/Digitalunternehmer sendet.

      • Welches Signal meinst Du denn? Etwa das ein Burda Digitalgeschäft im Sinne der Aktionäre Dividenden erwirtschaften soll? Wenn ja, so finde ich das ein legitimes Ziel von Burda (welches Xing ja auch erfüllt).

      • Es ist legitim. Nur war bisher der Anspruch bei Burda ja durchaus, beim nächsten Facebook, Google, Twitter, Instagram, etc. dabei zu sein. Das kann man sich nach solchen Aussagen abschminken.

      • Na ja, Tierbedarf ist ja auch nicht das nächste Facebook, Google, Twitter, Instagram. Man sollte Zooplus als das sehen was es eben für Burda ist/war –> Ein gutes (Digital)-Investment mit einem guten Exit.

      • das kann jeder sehen, wie er will. Nur sollten sich Online-Unternehmer künftig dreimal überlegen, ob sie Burda als Investor an Bord holen.

      • Wofür Burda das Geld aus dem Zooverkauf einsetzt, ist ja jetzt raus: Tomorrow Focus Publishing und Sales werden übernommen. Die passen offensichtlich zu 100 % zum Kerngeschäft. Erinnert mich stark an die Zeit, als die Anzeigenabteilung von Focus Magazin durchaus erfolgreich die Banner auf focus.de verkauft hat (ca 1995) – inklusive Redaktion, Marketing und Technik mit c.a. 20 Mitarbeitern.

        Auf der CeBIT war dieses Jahr klar zu spūren, dass sich viele Startups ganz andere Wege suchen als sich an Verlage oder Banken zu wenden. Die müssen zur Zeit eher ihr eigenes Kerngeschäft umbauen und können kaum Startups helfen bei ihrem Aufbau.

  4. Also entweder eine hochprofitable Ca$hcow oder eine Ergänzung zum bestehenden Medienangebot.

  5. Ich finde das eine spannende Entwicklung im Hinblick auf Burda`s-Portfolio. Die Entwicklung des E-Commerce Marktes und insbesondere bei ZOOPLUS lässt mich die Entscheidung nicht nachvollziehen. Persönlich halte ich es für mehr als wahrscheinlich, dass die Entwicklung bei ZOOPLUS weiterhin steil nach oben gehen wird. ;-)

  6. Reichlich viel Spekulation in den Kommentaren. Da werfe ich auch noch schnell eine rein: Burda hat sehr guten Einblick in die Zahlen von Zooplus und stößt deswegen schnell ab.

    Achtung: Diese Info ist absolut an den Haaren herbeigezogen, ist aber auch nicht schlechter als manch andere Aussage hier wie toll Zooplus doch ist ohne deren Zahlen im Detail zu kennen und wie dumm dagegen Burda.

  7. Naja, und der Verleger sollte sich überlegen, warum sein Digitalvorstand die 20%-Tranche zu einem Preis von ca. 50 EUR verkauft hat …. Gerade wenn der Primat des Handelns zu sein scheint (s.o.), Kredite zu bedienen

  8. Ich kann Jochen nur zustimmen: de facto ist das eine Bankrotterklärung von Burda.

    Jeder, wirklich jeder Gründer, der irgendwann mal erwägt, Burda als Kapitalgeber an Bord zu holen, sollte sich dreimal überlegen, ob das vor dem Hintergrund dieser Aussagen sinnvoll ist. Aus meiner Sicht wäre Burda als Gesellschafter ein Entwicklungsrisiko, das die Wachstumsaussichten limitiert. Ein Facebook, AirBnB, Amazon etc. wären nie so weit gekommen, wenn sie nicht Investoren gehabt hätten, die einen langen Atem und wirkliche Weitsicht hatten.

    • Burda investiert durchaus nachhaltig in Startups über Acton Capital Partners und fördert dort u.a. mit Unterstützung der Europäischen Union stark wachsende und riskante Unternehmen. Dass auf der anderen Seite im eher traditionellen Teil des Konzerns das Risiko minimiert wird und Exitchancen genutzt werden ist doch plausibel. Da hängen im Zweifel gleich tausende Arbeitsplätze in der Luft wenn ein großes riskantes Investment schief geht. Schaut man sich die anderen Digital/Technik-Töchter an, scheint es ja durchaus Baustellen zu geben, an denen man langfristig arbeiten muss (Holidaycheck geht mit französischer Tochter insolvent, Cyperport schafft gerade so eine schwarze Null, Chip kommt durch Amazon Media unter die Räder, Xing Events wird abgeschrieben, Elitepartner bekommt noch mehr Konkurrenz, Burda Direct stösst an Wachstumsgrenzen, Burda Druck hat Überkapazitäten….).

      Also ich habe Respekt vor dieser Entscheidung und sie wird sich zumindest für Burda und seine langjährigen Mitarbeiter durch Renditen und Arbeitsplatzsicherheit auszahlen.

  9. Und nun kratzt die Marktkapitalisierung von Zooplus an der 1 Mrd.-Marke !

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