Windeln.de erläutert seine Strategien für das Kerngeschäft

Nur ganz wenige Wachstumsunternehmen im E-Commerce („Exchanges #54: Westwing, Windeln.de und das nächste Zalando“) sind so zielstrebig unterwegs wie Windeln.de – und verstehen es dabei dennoch, sich bietende Chancen konsequent zu nutzen („Windeln.de wächst in China auf 56 Mio. €, in DACH auf 44 Mio. €“).

Im Anhang zu den Börsenunterlagen gibt Windeln.de erstmals auch tiefergehende Einblicke in die Strategie für das Kerngeschäft. So dienen die margenschwachen Drogerieprodukte Windeln.de in erster Linie zur Kundenakquise:

windelnde2015

„Typischerweise akquiriert windeln.de seine Neukunden in erster Linie über an Mütter verkaufte Produkte des täglichen Bedarfs, die unmittelbar nach der Geburt eines Kindes benötigt werden (wie Windeln oder Baby- Milchnahrung).

Das Unternehmen versucht im Anschluss, an diese Kundengruppe zudem margenstarke, an das (zunehmende) Alter der Kinder angepasste Nichtverbrauchsprodukte wie Kinderwagen, Kleidung, Spielzeug, Autokindersitze, Babymöbel und Sicherheitsprodukte zu verkaufen.“

Die Windelbar zur weiteren Kundenbindung

In der weiteren Kundenbindung baut Windeln.de dann auf Windelbar, das also strategisch ebenfalls mehr ist als „noch ein Shoppingclub“:

windelbar

„Im zum 31. Dezember 2014 endenden Geschäftsjahr von windeln.de hatten 37% der „windelbar.de“-Kunden vorher bereits bei „windeln.de“ eingekauft. Seit Einführung von „windelbar.de“ im Jahr 2012 hat das Unternehmen 246.150 verschiedene Produkte über diese Plattform verkauft.

Die Umsatzerlöse aus diesem Geschäftsbereich sind von 4.090 Tausend Euro im zum 31. Dezember 2013 endenden Geschäftsjahr (dem ersten vollständigen Geschäftsjahr nach Gründung von „windelbar.de“) auf 8.780 Tausend Euro im zum 31. Dezember 2014 endenden Geschäftsjahr gestiegen.“

Mit Windelbar weicht Windeln.de in der Kundenbindung auch vom Weg von Diapers/Quidsi ab, das mittlerweile eine Amazon-Tochter ist („Bestätigt: Amazon übernimmt Diapers.com für $545 Mio.“).

Neue Sortimente sollen die Margen verbessern helfen

Im DACH-Raum, der rund 44 Mio. Euro macht, ist der Umsatzanteil mit Gütern des täglichen Bedarfs im letzten Jahr auf unter 50% gesunken:

toysch

„windeln.de konnte sein Produktangebot in der Vergangenheit erfolgreich ausweiten, etwa auf Spielzeug, Autokindersitze und Kinderwagen. Kürzlich hat das Unternehmen auch Kindermöbel in das Produktsortiment aufgenommen.

Infolgedessen ist der Anteil des Nettowarenwertes (außer China) aus dem Verkauf solcher Nichtverbrauchsprodukte am gesamten Nettowarenwert von ca. 31% im zum 31. Dezember 2012 endenden Geschäftsjahr auf ca. 46% im zum 31. Dezember 2013 endenden Geschäftsjahr und ca. 55% im zum 31. Dezember 2014 endenden Geschäftsjahr gestiegen.“

In der Schweiz sieht man schon, wie Windeln.de einmal aussehen könnte – im Prinzip wie Diapers.com, das mittlerweile 10 Ableger hat („Look.com wird der 10. Ableger von Amazons Diapers.com“).

Als Diapers 2010 an Amazon ging, hat sich bald danach die Drogeriekette Walgreens Drugstore.com geschnappt („Drugstore.com geht für 429 Mio. Dollar an Walgreens“) und von der Börse genommen.

Wer dennoch vergleichen will: Die Drugstore-Unterlagen von 1999 bis 2010 sind noch online. Den letzten, öffentlichen Geschäftsbericht gibts hier.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Food, Shopboerse

  1. Also die Strategie habe ich verstanden, allerdings habe ich noch nicht durchschaut, wie mit diesem Modell Geld zu verdienen ist (außer mit Aktienverkäufen ;-). Bei 100 Mio Umsatz und 77 Mio Warenkosten erzielt man eine Marge von 23%. Wenn man das wohl eher margenstarke Trockenmilchgeschäft an die Chinesen (55 Mio) weglässt, dann geht die Marge für das DACH Geschäft wohl eher in Richtung 10%. Was auch nachvollziehbar ist, da ja die Hälfte des Umsatzes angeblich mit Windeln & Co. gemacht wird an denen gar kein Geld verdient wird (was ja Teil der Geschäftsstrategie ist). Das heißt es bleiben noch gut 20 Mio mit Kinderwagen & Co. bei denen man in starkem Wettbwerb mit Amazon, Baby-Walz, Baby-Markt und einigen anderen steht. Und dass ein großer Sortimentsaufbau nicht das Allheilmittel ist zeigt in der Branche schon myToys. Mit bald 300 Mio Jahresumsatz legt Otto nach 15 Jahren Geschäftstätigkeit immer noch drauf. Ich wäre echt neugierig zu verstehen, auf welcher Hoffnung man hier baut. Hat jmd. einen Tipp?

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