Amazon Flex und die Zukunft der Paketzustellung

Die Paketannahme ist und bleibt einer der größten Schwachpunkte des Online-Handels. Hier braucht es entweder bessere Annahmemöglichkeiten („Paketkasten: DHL-Alternative verzögert sich um weiteres Jahr„) oder aber eine zeitnahe Zustellung – dann, wenn die Bestellenden tatsächlich anzutreffen sind.

Amazon hat dafür im Windschatten von Prime Now („How Amazon Delivers Packages in Less Than an Hour“) im letzten Sommer Amazon Flex („Deliver Smiles“) an den Start gebracht:

amazonflex

„The drivers will be paid between $18-$25 an hour to work for the company, but they have to provide their own car and Android phone.

Amazon advertises the role to potential workers “be your own boss: deliver when you want, as much as you want”.“

Mehr dazu auch bei Geekwire („Amazon has big plans for Uber-like ‘Flex’ package delivery service, job postings reveal“).

Einen Vorläufer seines Prime Now Services testet Amazon inzwischen auch hierzulande („Amazon startet Gratislieferung am selben Tag in 14 Städten„) – und geht bei der Einführung des Services in deutschen Metropolen ähnlich vor wie in New York („Amazon rückt näher an City-Kunden“):

„In der Hauptstadt hat sich Amazon nach LZ-Informationen in einem Büro- und Einkaufskomplex unweit des Bahnhof Zoo eine rund 2500 qm große Fläche gesichert, die zu Logistikzwecken genutzt werden soll.“

Managementseitig soll sich Amazon beim weiteren Auf- und Ausbau seiner Versand- und City-Logistik bei DHL bedienen („Schnappt sich Amazon das Team von DHL Paket?„).

Mit dem Wandel von Amazon vom Distanzhändler zum Nahversorger hatten wir uns bereits vor einem Jahr befasst („Exchanges #80: Amazon als Nahversorger„).

Siehe auch das jüngste Amazon-Update in den Exchanges #116 und den Jahresausblick 2015/16 („Exchanges #120: Was war, was wird?„).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Amazon

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10 replies

  1. Richtig ist, dass die Paket-Annahme ein nach wie vor großer Schwachpunkt im Online-Handel ist. Ich bezweifle allerdings, dass es eine (Postkasten) oder zwei (Postkasten + Amazon-Flex) Lösungen für dieses Problem gibt. Es haben sich ja im Bereich Zustellung etliche Startups in den letzten Jahren herausgebildet, die alle irgendwie mit den etablierten Carriern nach Patentlösung für die Zustellung suchen und imho bisher nicht gefunden haben.

    Amazon-Flex jedenfalls wird in D (falls es kommt) genau das gleiche Problem bekommen, wie Uber & Co. Da sind einfach zu viele rechtliche Fragen ungeklärt.

    • Ich stimme Claus zu, eine unser neuestes Baby MiloG und Scheinselbstständigkeit wird d schnell zu einem rießen Problem werden. Es kann auch gesellschaftlich eigentlich nicht gewollt sein Logistik an tausende kleiner Selbstausbeuter auszulagern.

  2. Ach, ich glaube nicht, dass es keine guten Lösungen gibt. Es gibt nur keine Lösungen, die auf die schnelle auch flächendeckend implementierbar sind, ohne, dass ein dreistelliger Millionenbetrag in die Hand genommen werden muss. Und auf diesem Bereich gibt es quasi keine Markterfahrung abseits der bekannten Metriken – da wundert es mich gar nicht, dass es bisher kein Startup geschafft hat, die großen Carrier für sich zu gewinnen.
    Sowas muss fast zwangsweise über Amazon o.ä. geschehen; also jemanden, der sowohl Logistik als auch E-Commerce versteht und flexibel & unabhängig genug ist, so etwas auch durchzusetzen.
    Am Ende des Tages ist das Problem nicht so furchtbar komplex. Es geht ja nur um eine einzige Variable, nämlich die Erreichbarkeit an einem vorher definierten Ort. Da kann ich mir Amazon-Flex schon super vorstellen. Und das ist – anders als bei Uber – schon viel besser über eine Checkbox im Checkout zu lösen.

  3. Ich kenne das Problem der Warenannahme an der Haustür ebenfalls. Wir sind am Tag nicht zu Hause, um die online bestellten Waren anzunehmen. Ich wollte das Problem gelöst haben. Im Juli 2014 habe ich mir das neue Produkt, den Paketkasten der Deutschen Post, angeschafft. Leider hat sich schnell herausgestellt, dass weder die fremden Lieferanten, wie Hermes, DPD, UPS, noch alle „Deutsche Post“-Dienste den Kasten öffnen können. Somit konnte ich meine Pakete trotz Paketkasten wieder ab 10 Uhr des Folgetages in der Filiale abholen. Daraufhin habe ich mir eine Lösung http://www.paketin.de überlegt, die einfach ist und sich jetzt im Weihnachtsgeschäft erstmalig bewährt hat. Die Schlüssel zum Öffnen des Kastens sind die Handy-Telefonnummern der Lieferanten. Per Anruf durch den Lieferanten öffnet sich der PAKET_IN Zugang. Der Lieferant stellt die Waren ein. Jeder Lieferant, der seine Waren mit der ersten Anfahrt beim Empfänger abliefern wollte, hat einen Zugang zum Paketkasten erhalten. Und es waren alle möglichen Lieferanten, wie Hermes, DPD, UPS, GLS, etc.

    Sicher macht es für einen Versandhändler wie Amazon Sinn, sich dem Thema der Warenannahme an der Haustür im Interesse seiner Kunden anzunehmen. Im besten Fall kann der Versandhändler, unabhängig ob der Empfänger anwesend ist oder nicht, Waren rund um die Uhr ausliefern. Das heißt, dass ein Kunde Waren abends bis 24Uhr bestellt, die ihm bis morgens 6Uhr zugestellt werden. Des Weiteren kann der Versandhändler Retouren für den Kunden bequem auch an der Haustür wieder zurücknehmen. Der Kunde hat mit der Warenannahme und Rückgabe keinen Aufwand mehr. Somit ergibt sich ein dritter Aspekt, der Abverkauf von Waren direkt an der Haustür. Der Kunde erhält Waren zum Ausprobieren. Bei Gefallen, behält er die Ware und bei nicht gefallen stellt er die Ware einfach in den „Kasten“ zurück.

    • Geht da immer nur ein diskrete Nummer oder ein Nummernkreis? Was ist, wenn der Stammfahrer eine Vertretung mit anderer Handy-Nr hat? Was ist mit Sub-Contractors bei den Paketdiensten? Ich stelle mir die Telefonnummern-Verwaltung aufwendig vor. Auch ne gute Idee, aber auch die wird sich nicht flächendeckend durchsetzen aus den gleichen Gründen wie die Postboxen der bisherigen Anbieter.

      • Gute Nachfrage! Die Verwaltung der Schlüssel erfolgt online und zentral. Zentral werden innerhalb von Sekunden neue Schlüssel (Telefonnummern) für die Kästen vergeben. Aktuell gibt es von den verschiedensten Lieferanten um die hundert Telefonnummern, die zum Öffnen berechtigt sind. Zurzeit könnten bis zu tausend Schlüssel pro Kasten vergeben werden. Sollte ein Fahrer aus dem Lieferunternehmen ausscheiden, kann die Nummer innerhalb einer Sekunde auch wieder gelöscht werden. Und das ist dann mit allen PAKET_IN-Zugängen der Fall. Jeder Öffnenvorgang wird protokolliert und der Empfänger wird informiert.

        Der Aufwand ist relativ gering und überschaubar. Sicher müssen sukzessive die Telefonnummern den entsprechenden Paketkästen mitgeteilt werden. Zukünftig kann sich jeder Interessent ein solches Zugangsmodul für einen beliebigen elektronischen Türöffner/Paketkasten kaufen und durch Online-Selbstanmeldung werden die entsprechenden Schlüssel (Telefonnummern) der Lieferanten für den Standort freigeschaltet.

  4. Schließe Abo ab, um einen Kasten vor deiner Haustür zu installieren … erst dann Kasten hinstellen. Prime zeigt doch, das Abomodelle funktionieren können für Vielbesteller …

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