Und wie schlägt sich Deutschland auf der #ShoptalkEurope?

Als Leistungsschau für den internationalen Handel war die Shoptalk Europe so hochkarätig besetzt wie wenige Veranstaltungen dieser Art. Und so konnte man sich ein ganz gutes Bild machen, wie sich der deutsche Online-Handel im internationalen Vergleich schlägt.

Nach dem IPO-bedingten Ausfall von Dominik Richter („Hellofresh will sich beim Börsengang bis zu 300 Mio. € holen“) war es an Outfittery, die deutsche E-Commece-Flagge auf der Hauptbühne hochzuhalten, und Julia Bösch tat dies in gewohnt souveräner Weise.

Neben Hellofresh wären momentan Zalando und Zooplus Deutschlands große Aushängeschilder auf internationaler Ebene. Doch Zalando tut sich weiter schwer damit, zwischen wichtigen und unwichtigen Events zu unterscheiden, und präsentiert sich zwar überall, aber am liebsten überall mit Leuten aus der zweiten und dritten Reihe.

Ohne CEO- und Gründer-Präsenz konnte Zalando allerdings die auch presse- und analystenseitig hochkarätig besetzte Shoptalk Europe ebenso wenig für sich nutzen wie Asos, Vente-Privée, Yoox Net-a-Porter und weitere Modeversender (Boozt, Boohoo, etc.), die allerdings im Unterschied zu Zalando programmseitig überhaupt nicht vertreten waren.

Auch Zooplus schlug sich als angehender Milliardenplayer weit unter Wert. Allerdings meidet die Zooplus-Führung Konferenzauftritte prinzipiell (Ausnahmen bestätigen die Regel), war aber immerhin im Programm vertreten und konnte dort zumindest fachlich punkten.

In den Spezialtracks war der deutsche Online-Handel dann auch um einiges stärker vertreten als auf der Hauptbühne. Auf Home24-Chef Philipp Kreibohm ist hier ebenso Verlass wie auf Roman Kirsch von Lesara, die sich mit ihren Ambitionen auch auf internationalem Parkett gut verkauften. Zahlreich vertreten war der deutsche Online-Handel zudem mit den CEOs von Mister Spex, Mymüsli, Spreadshirt, Brillen.de, Windeln.de und anderen.

Kläglich dagegen das Bild im VC-Bereich. Hier überließen die Deutschen den Skandinaviern und Franzosen quasi komplett des Feld. Allein auf Florian Heinemann von Project A Ventures ist hier Verlass. Und er hinterließ mit seinen sehr stichhaltigen Einschätzungen und Analysen zu Markt und Möglichkeiten wie stets einen Top-Eindruck.

Zugleich unterstrich aber der Totalausfall der hiesigen VC-Szene das generelle Desinteresse an E-Commerce-Themen. Andere Nationen sind da weit weniger rigide.

Alles in allem behauptete sich der deutsche Online-Handel gut, wenn auch nicht sehr gut. Dort, wo sie antraten, machten die hiesigen Vertreter jedenfalls einen guten und sehr professionellen Eindruck.

Allerdings hatten die Shoptalk-Macher generell Probleme, die europäische A-Liga zu aktivieren und mussten deshalb auch dort auf US-Speaker zurückgreifen, wo es auch gute, europäische Alternativen gegeben hätte.

Schön allerdings zu sehen, wie sich ein europäischer Player wie Picnic auf der Hauptbühne gegenüber Caspar, Dollar Shave Club & Co. behaupten kann. Und auch generell schlugen sich die Holländer – von Bloomon über Picnic bis VidaXL – mit am stärksten.

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Kategorien:Shopboerse

4 replies

  1. Wie ist denn die aktuelle Einschätzung zu Outfittery, die ja auch hier wieder gelobt werden? Der Omnipräsenz im Veranstaltungskalender steht ja m.W. noch eine eher schlechte Profitabilität* in einem sehr wettbewerbsintensivem Umfeld gegenüber.

    * https://www.shopanbieter.de/news/archives/11832-curated-shopping-als-geschaeftsmodell-funktioniert-das-geschaeft-mit-der-beratung.html

    • Positiv war ja vor allem die Präsentation. Outfittery ist auf Wachstumskurs, mit entsprechenden Anlaufverlusten. Laut Vortrag liegt das durchschnittliche Wachstum bei 120% (CAGR). Noch gibts im Handelsregister keine offiziellen Zahlen zur Umsatzentwicklung, etc., so dass man sich ein direktes Bild von Kennzahlen und Geschäftsmodell machen könnte. Die folgen aber demnächst. Und lassen sich dann auch gut mit Stich Fix vergleichen, die ja demnächst an die Börse wollen …

  2. Die Organisatoren haben scheinbar versucht, die Konferenz in ein europäisches Land zu transplantieren, ohne Inhalte und Programm an den Kontext anzupassen. Wie die ewig lange und komplett unemotionale Keynote der Shoptalk-Gründer zeigte, ging es offensichtlich darum, Kundschaft für die Mutter-Konferenz in Las Vegas zu akquirieren, die „bereits in 22 Wochen“ stattfinde. Und wenn der erste (US-amerkanische) Speaker das Hohelied der Shopping-Malls und Kaufhäuser singt, ist diese Future-Retail-Veranstaltung auch thematisch mit dem falschen Bein aufgestanden.

    • das war in der Tat alles sehr strange. Aber ihre roboterhaften Keynotes/Einführungen waren auch in den USA nicht anders. Die „22 Wochen“ sind bei mir ähnlich angekommen, und ich war sehr verwundert, als sie am Ende eine Shoptalk Europe für 2019 in Aussicht gestellt haben und jetzt im Fragebogen sogar abfragen, ob es 2018 eine Shoptalk Europe geben soll. Vielen Europäern ist einfach der Flug nach Las Vegas zu weit.

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