Die 20 spannendsten Erkenntnisse aus den neuen Amazon-Zahlen

Mit der Offenlegung der Marktplatzumsätze hat Amazon diese Woche neue Transparenz in den Markt gebracht. Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen für Amazon und für den Markt?

Was bedeuten diese Zahlen für Amazon?

  1. Mit 160 Mrd. Dollar liegen die Marktplatzumsätze heute bereits um mehr als ein Drittel (37%) über den Handelsumsätzen von 117 Mrd. Dollar.
  2. Das unterstreicht nicht nur die hohe Signifikanz des Marktplatzgeschäfts für Amazon, sondern auch die rückläufige Bedeutung des Handelsgeschäfts.
  3. Bereits seit 2015 trägt der Marktplatz mehr zum Umsatz bei als das Handelsgeschäft, während die verkauften Stückzahlen die 50%-Marke erst 2017 übersprungen haben.
  4. Demzufolge ist der Preispunkt auf dem Marktplatz leicht höher als bei Amazon selber, was angesichts der Versandkosten nachvollziehbar ist, aber nicht unbedingt erwartbar war.
  5. In der Zeitreihe außerdem sehr schön zu erkennen, wie die Marktplatzdynamik nach den Boomjahren zwischen 2009 und 2014 zuletzt spürbar nachgelassen hat.
  6. Dies dürfte wohl ein Hauptgrund dafür sein, warum Amazon jetzt mit dem Thema so offensiv an die Öffentlichkeit geht und dabei zunehmend Front gegen Ebay macht.
  7. Oder, und das würden Kritiker angesichts der Kurve einwenden, gelingt es Amazon inzwischen einfach besser, die Marktplatz-Topseller ins eigene Sortiment zu bringen und/oder tendenziell das eigene Sortiment zu bevorzugen?
  8. In jedem Fall zeigt Amazon mit der Ausweisung der 277 Mrd. Dollar für das kombinierte Handels- und Marktplatzgeschäft erstmals, wie groß es wirklich ist.
  9. Über kurz oder lang wird sich Amazon aber entscheiden müssen, ob es in erster Linie Händler oder Plattformbetreiber sein will. Beides hat erhebliche Vor- und Nachteile.
  10. Wie lukrativ das Marktplatzgeschäft für Amazon ist, ist ja bereits bekannt: Die Erlöse lagen zuletzt bei 43 Mrd. Dollar, die Werbeerlöse dabei noch nicht eingerechnet.

Was bedeuten die Zahlen für den Markt und den Wettbewerb?

Spannend auch, was die Amazon-Zahlen für den globalen Handel bedeuten und für Amazons Position im globalen Wettbewerb:

  1. Wichtigste Erkenntnis wohl: Amazon ist (noch) nicht so groß, wie es immer scheint, wenn man es nur an der medialen Aufmerksamkeit festmacht.
  2. Denn auch in der Online-Welt ist es in den letzten 10 Jahren zu erheblichen Umbrüchen und Marktverschiebungen gekommen.
  3. Amazon liegt inzwischen klar vor Ebay – und zwar nicht nur bei den Marktplatz-Umsätzen (von 160 Mrd. Dollar), sondern sogar bei den Handelsumsätzen (von 117 Mrd. Dollar).
  4. Die Zahlen unterstreichen also vor allem nochmal, wie sehr Ebay, vor 10 Jahren noch die klare Nr. 1, den Anschluss verloren hat – an Amazon ebenso wie an Alibaba und JD.
  5. Im Vergleich zu Handelskonzernen wie Walmart, aber auch zu Plattformen wie Alibaba und den Aufsteigern aus China ist Amazon aber weiter von überschaubarer Größe.
  6. Die Rufer nach einer Zerschlagung sollten sich also überlegen, ob es bei all der vermeintlichen Übermacht nicht auch Gegengewichte braucht zu Alibaba & Co.
  7. Wenn überhaupt, dann wäre aus Handelssicht eine Regulierung für Plattformbetreiber angesagt – mit klaren Regeln, die für alle gelten.
  8. Bekannt ist, dass Walmart eine größere Beteiligung an JD aufgebaut hat. Was wäre, wenn diese beiden zusammengingen? Schließlich dürfte auch JD 2019 an Amazon vorbeiziehen.
  9. Zuletzt hatte Walmart Flipkart übernommen („Walmart, Flipkart und das nächste Alibaba“), den Online-Aufsteiger aus Indien. Was wäre, wenn Walmart Flipkart in JD einbringt?
  10. Offen bleibt, wer Ebay übernimmt bzw. ob sich angesichts der Marktposition überhaupt noch jemand findet. Siehe auch Warum Ebay Alibaba weit mehr nützen würde als Zalando

Wo steht Amazon? Und wie geht es weiter?

Mit diesen Fragen haben wir uns auch in den Exchanges beschäftigt, zum einen in den Exchanges #216 zur Amazon Bilanz 2018:

Zum anderen auch in den Exchanges #213 über Amazon und die Kartellwächter:

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Amazon, MORE

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Trackbacks

  1. Presseschau KW 15: Amazon Marketplace-Händler erzielen 58 Prozent des Amazon-Umsatzes, Störung bei Paypal, Idealo verklagt Google, 15.000 China-Händler beim deutschen Finanzamt registriert - Blog für den Onlinehandel

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