Zooplus und der neidvolle Blick auf Chewy.com

Zooplus bekommt inzwischen täglich vor Augen geführt, was an der Börse drin wäre, wenn man nicht gar so öffentlichkeitsscheu agieren würde.

Während Chewy nach einem fulminanten Börsengang („Chewy holt $1 Mrd. an der Börse bei $8,7 Mrd. Bewertung“) Bewertungen von 13 Mrd. Dollar und mehr erreicht, kommt Zooplus mit Milliardenumsätzen weiter nur auf überschaubare 800 Mio. Euro.

Dementsprechend wird Chewy aktuell mehr als fünfmal so hoch bewertet wie Zooplus:

Verständlicherweise fühlt sich Zooplus da extrem unter Wert geschlagen (PDF):

Das Problem liegt allerdings weniger in der unternehmerischen Leistung als in der öffentlichen Wahrnehmung: Während sich Zooplus der Öffentlichkeit seit 20 Jahren als eher dröger und dazu noch sehr kennzahlengetriebener Tierfutterversender präsentiert, schafft es Chewy die Liebe zum Tier in den Vordergrund zu rücken und so medial eine ganz andere Aufmerksamkeit zu erzielen.

Öffentlichkeitsarbeit als strategischer Hebel

Was Zooplus und viele andere immer noch unterschätzen, ist die Macht geschickter PR-Arbeit:

  • So konnte man die letzten Jahre verfolgen, wie sich die öffentliche Wahrnehmung von Zalando komplett gedreht hat. Zalando bietet den Medien inzwischen soviel Stoff und setzt die Akzente so, dass bestimmte Themen in den Hintergrund rücken.
  • In der Otto-Gruppe ist es nicht zuletzt erstklassiger PR-Arbeit zu verdanken, dass sich der Konzern immer noch Kapital – in dem Fall Unternehmensanleihen – zu Traumkonditionen beschaffen kann. So hilft die PR-Abteilung dem Konzern jedes Jahr Zinsausgaben von 50 Mio. Euro und mehr zu sparen.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein strategischer Hebel, der noch viel zu wenig genutzt wird. Während die einen PR als reinen Kostenfaktor sehen, ist sie für andere ein strategisches Investment, das sich über die Zeit extrem bezahlt macht – von der Mitarbeitergewinnung bis zur Börsenbewertung.

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Kategorien:Food, MORE, Shopboerse

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  1. zooplus ist einfach schlecht gemanagt, die Firma macht nach 20 Jahren immer noch keinen Gewinn, weil eine sinnlose Strategie des unprofitables Wachstums gefahren wird. In den USA hätte der CEO mit dieser Strategie keine 2 Quartale überlebt. Hier muß endlich Mal was passieren, dann geht die Aktienkurs auch wieder hoch.

  2. Diese Einschätzung ist leider unsubstantiiert: Chewy liegt bei 3,5 Mrd Umsatz und einer EBIT Marge von -10% bei einem Bewertungsfaktor 3 auf den Umsatz! Es besteht also überhaupt keine Korrelation zwischen Gewinn und Bewertung. Was fehlt ist Fantasie für die Investoren. Hier könnte das Management in der Tat mehr machen und trommeln.

  3. Schon traurig, dass man heutzutage nur dann noch hohe Firmenbewertungen bekommt, wenn man Fantasie verkaufen anstatt harte Fakten präsentieren kann. Ich warte auf den Moment, in dem die Zinsen wieder ein normales Niveau erreichen und dieses ganze Kartenhaus mit Mondbewertungen in sich zusammenfällt.

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