DHL-Alert #1: Warum wird über Störungen nicht berichtet?

DHL möchte sich auf Kosten des Handels sanieren, ohne seine strukturellen Defizite anzugehen (Exchanges #237). Das sollte in der Handelsbranche sämtliche Alarmglocken schrillen lassen.

Denn dass DHL am Limit ist und es an allen Ecken und Enden hakt, ist ein offenes Geheimnis. Und so hat DHL unlängst auf dem Kapitalmarkttag auch frei heraus beschrieben, wie und wo es mehr oder weniger kunstvoll improvisiert, um der Paketflut noch einigermaßen Herr zu werden.

Angesichts der Umstände, unter denen DHL operiert und der vielen Vorfälle – von Störungen in den Distributionszentren über Paketumleitungen bis zu Backlogs bei der Zustellung – verwundert es, wie wenig darüber berichtet und wie wenig die Branche für die Folgen sensibilisiert wird.

Erst diese Woche kam es wieder zu erheblichen Störungen, die vor allem kleinere Händler betroffen haben. Medial wurde das Thema kaum aufgegriffen, wie auch sonst über Ausfälle und Verzögerungen in der Paketzustellung erstaunlich wenig berichtet wird.

Und wenn doch, dann machen es sich DHL & Co. relativ einfach und verweisen zumeist auf personelle Engpässe. Das geht aber am Problem vorbei, denn wie seit Jahren absehbar („Wie sehr hat DHL die E-Commerce-Entwicklung unterschätzt?“), steht „das System DHL“ vor dem Kollaps. Die Mitarbeiter baden nur aus, was das System einfach nicht mehr hergibt.

DHL und das Systemversagen

So leidet DHL letztlich nicht an zu wenig Personal, sondern an einem veralteten Zustellsystem und ineffizienten Strukturen. Da sich DHL aber dem überfälligen Strukturwandel konsequent verweigert und nicht auf zeitgemäßere Strukturen umstellen will, müssen jetzt wohl oder übel andere einspringen („Amazon Logistics und die DHL-Alternativen für 2025“).

Mit den DHL-Alerts wollen wir künftig regelmäßig auf Störungen im System hinweisen und so ein besseres Risikobewusstsein schaffen. Zugleich weisen wir in unserer Logistikrubrik aber auch weiter auf alternative Ansätze hin. Siehe dazu auch Ein paar Augenöffner für die Logistik von morgen und die entsprechende Exchanges-Reihe:

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Logistik

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  1. Ich hoffe doch, ihr habt dafür unsere Statusseite (https://status.shipcloud.io/) abonniert? Da könnt ihr Euch natürlich auch die Historie ansehen ;)

  2. naja… wenn man halt einem amazon oberste priorität einräumt, müssen zwangsläufig die kleineren dran glauben… vor 3 jahren kam DHL zu mir mit einem mega angebot für den paketversand.. da bin ich direkt gewechselt.. und jetzt jedes jahr heftige preiserhöhungen.. zustellprobleme.. laufzeitprobleme.. das werde ich mir nicht mehr länger mit ansehen… früher oder später kommt einer, der es besser macht…

  3. Ich weise auch auf die vielen Diebstähle hin! Ein Leichtes für die Diebe, die wertvollen Pakete/Päckchen zu finden; mittels Wertangabe auf der CN22/CN23 Zollerklärung. Und wenn man der Empfehlung folgt, nur die Überschrift der Zollerklärung aussen aufzubringen und den Rest des Papiers innen, wissen die Diebe erst Recht bescheid.
    Aus Kulanz und nach Gesetz gibt’s 20 Euro zurück. Maximal. Selbst schuld als Gewerbetreibender, Warensendung International gewählt zu haben.

  4. Dhl ist der letzte wo mit ich Pakete verschicken würde letzten 3 Monate warte man 2 bis 3 Wochen bis ein Paket aus Wuppertal nach 42477 geliefert wird(Paket befindet sich im zustellwagen) das wahrs .mehr info gibts nicht .Geld bekommt man auch nicht wieder weil dasPaket ja unterwegs ist.
    Frechheit so was nehnt sich Paketdienst.

  5. Ich habe einige Monate in einem Paketzentrum malocht um mein Bafög aufzubessern. Das ist nun schon etwas her, aber wenn ich dort vorbeifahre sieht von außen alles noch genauso aus.

    Aus dieser Zeit weiss ich zwei Dinge:
    -der quenglige Endverbraucher hat gar keine Ahnung davon wie sich die Mitarbeiter dort krumm legen um selbst das Standardpaket ohne Express Aufschlag oft über Nacht zuzustellen,
    -es wird meinem Augenschein nach halt wirklich kein Cent investiert der nicht unausweichlich ist, die Sortierhalle und die Sozialräume der Belegschaft wurden noch von der späten Bundespost errichtet und sind seitdem weitgehend unverändert geblieben und es ist der überragenden Qualität der Anlage zu verdanken, dass die solch eine Volllast verträgt. Kurzum, nach meinem Eindruck wird die Infrastruktur, die ich sehen konnte, auf Verschleiss gefahren. Das funktionierte lange weil die auf sogenannten Starkverkehr dimensioniert war, das Weihnachtsgeschäft gab’s schließlich schon Anfang der 90er. Jetzt ist halt das ganze Jahr über Starkverkehr.

    Und meiner persönlichen Ansicht nach haben die letzten Vorstandsvorsitzenden in einer Linie von der Substanz früherer Zeiten gelebt und Rendite aus der Post gequetscht. Kleines Alltagsbeispiel: die sogenannten Wechselkoffer werden in die Anlage entleert und aus der Anlage befüllt indem fahrbare und höhenverstellbare Laufbänder hineingefahren werden, diese spucken die Pakete direkt aus bzw nehmen sie auf. Die Anlage ist jetzt fast 30 Jahre alt, war damals high tech und ist übrigens heute noch nicht Standard in der Branche, vgl zB UPS (Außenauftritt gegenüber dem Kunde hui, die Verarbeitung hinter den Kulissen ist noch reichlich Handarbeit). Da hat Siemens ein tolles Stück Technik abgeliefert, das läuft unter Volllast und läuft und läuft.

    Eines dieser Sortierbänder war dann aber so verschlissen das nichts mehr zu flicken war. Ein nagelneues könnte man bestellen, ist aber teuer. Stattdessen wurde ein ganz simples, nicht zum System gehörendes oder darauf abgestimmtes, Laufband hingestellt, das langsamer läuft, unzuverlässig läuft und viel mehr Handarbeit erfordert. Offenbar war mein Stundenlohn aber trotzdem billiger als hier zu investieren. Angetrieben wurde ich natürlich trotzdem wie an jedem anderen Band, als wäre nichts. Und überhaupt, man war nie schnell genug, immer dumme Sprüche von Vorarbeitern, die gemütlich vorbei geschlendert sind, statt selbst anzupacken. Im Sommer war es unerträglich heiss, im Winter eiskalt. Die Luft war von winzigem Abrieb zigtausender Pappschachteln geschwängert und im Winter, als ich eine Erkältung bekam die nicht mehr abheilte und ständig Auswurf während der Schicht und hinterher, nicht aber an freien Tagen, ist mir aufgefallen, was ich da eigentlich die ganze Zeit tief einatme, bei Schwerstarbeit. Schließlich darf das Standardpaket 37,5 kg wiegen und bei Paketen im Halbsekundentakt ist das pure Maloche. Ich habe dann hingeschmissen und habe erst hinterher realisiert was ich mir da habe bieten lassen. Ich habe mich verheizt gefühlt.

    Anlagen, Personal, alles auf Verschleiss. Und wenn ich nur das Gesicht des CEO in den Nachrichten sehe kocht mir heute noch das Blut.

    In euren, da seid ihr aber auch nicht anders als alle anderen Analysten, Ausführungen kommen die Leute, auf deren Rücken all die bunten Prozesse realisiert werden, nie vor. Aber das ist alles auf tönernen Füßen gebaut. Die Demografie ist eindeutig. Es wird immer weniger Leute geben die verzweifelt oder naiv genug sind sowas auch nur eine Zeit lang zu ertragen. Und damit verlieren viele Geschäftsmodelle, die auf billigen KEP Dienstleistungen beruhen, ihre Grundlage. Da ist DHL m. E. sogar noch Einäugiger unter den Blinden.

  6. Gute Analyse 😉

    Das ist ja meiner Meinung nach, einer der Hauptgründe, warum die ganzen Hippster-Gründer sich so sehr auf skalierbare, oft reine Vermittlungs- oder Plattform Geschäftsmodelle konzentrieren. Mit der eigentlichen Arbeit wollen die nichts zu tun haben. Funktioniert nur sehr bald nicht mehr, weil am Ende irgendjemand eben die Arbeit tun muss. Und von diesen Leute gibt es zukünftig immer weniger.

    Sieht man ja sehr gut bei den ganzen Handwerker-Vermittlungsplattformen: der Engpass ist nicht der Vergleich der Angebote , sondern die Verfügbarkeit der Handwerker.

    • Kann ich nur zustimmen. Software skaliert extrem gut, die physische Arbeit dahinter leider nicht so richtig. Und die muss aber in großem Umfang noch gemacht werden bei den Paketdiensten.
      Allerdings hat Jochen schon recht, dann müssen die Paketdienste eben verstärkt in Innovationen investieren, die den Pakettransport effizienter und weniger abhängig von zu knappen Resourcen (Menschen) machen. Und dafür braucht es eben sehr viel Geld. Und da muss dann aus dem operativen Geschäft mehr rauskommen. So lange die Paketraten noch die niedrigsten in Europa sind, habe ich absolut nichts gegen Preiserhöhungen im Paketversand.

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