DHL-Alert #2: Wie Notebooksbilliger seine Kunden warnt

DHL & Co. haben den E-Commerce-Markt unterschätzt und müssen jetzt improvisieren. Sie sind jedoch nicht bereit, sich auch strukturell auf die neuen Verhältnisse einzustellen („Im Fokus: DHL und der Logistik-GAU 2025“), sondern wollen stattdessen lieber zusätzlich abkassieren.

Der Online-Handel und seine Kunden baden das strategische Versagen jetzt zunehmend aus. So warnt Notebooksbilliger jetzt seine Kunden vor dem Zustellchaos:

„Wir würden dir gerne deine Bestellung rechtzeitig zustellen.

Durch die vielen Aktionen zum Black Sale kann es derzeit allerdings zu Verzögerungen von bis zu vier Tagen bei der Zustellung über alle Versanddienstleister und in Einzelfällen auch im Bestellablauf kommen.

Bei den Versanddienstleistern haben wir leider keinen Einfluss auf diese Situation. Wir bitten dich um etwas Geduld und von weiteren Anfragen abzusehen. Vielen Dank für dein Verständnis.“

Westwing hatte die Lage unlängst so beschrieben („Wie sich Westwing in der Logistik auf die DHL-Krise einstellt“):

Aus gutem Grund beginnen jetzt zunehmend mehr Händler, an eigenen Lösungen für die letzte Meile zu arbeiten. Siehe dazu auch Amazon Logistics und die DHL-Alternativen für 2025.

Wie immer geht es bei derlei Beiträgen nicht darum, den Einsatz und die Leistung der Paketboten zu schmälern, die unter erschwerten Umständen ihr Bestes geben, sondern auf das strategische Versagen hinzuweisen, das zu den Überlastungen des Systems und seiner Beteiligten führt.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Logistik

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  1. Hey @Jochen, Dein DHL-Bashing wird ja langsam pathologisch. Notebooksbilliger versendet mit HERMES!!!
    https://www.notebooksbilliger.de/infocenter/section/shipping

    ;-)

    • zu Sinn und Zweck des Beitrags hatte ich ja unten schon kommentiert.

      In jedem Fall ein interessanter Hinweis, da man ja munkelt, dass Hermes momentan vollauf mit Amazon-Bestellungen beschäftigt ist.

      Weiterführende Infos/Hintergründe zur Amazon-Hermes-Koop sind natürlich sehr willkommen.

  2. Ganz so unrecht hat er nicht, weiter unten steht im Kleingedruckten:

    *In der Regel versenden wir mit Hermes. Bei einigen Artikeln wird das Paket aus logistischen Gründen nicht durch Hermes, sondern durch DHL, GLS, UPS oder DPD geliefert. Der gewählte Anbieter wird gemeinsam mit der Sendungsnummer nach Bestelleingang per E-Mail mitgeteilt.

  3. Wir haben in Deutschland eine seltsame Mentalität. Ganz als wäre die Privatisierung nie durchgeführt worden sehen wir Deutsche Telekom AG und Deutsche Post AG in einer Art Verantwortung und Bringschuld unsere Infrastruktur auf die neue Wirtschaft vorzubereiten und entsprechende Infrastruktur zu bieten. Niemand klagt Hermes oder UPS an, obwohl DHL noch Einäugiger im Tal der Blinden der Branche ist.

    Die DPAG hat primär eine Verantwortung für shareholder und dann noch für die Belegschaft. Aber es fällt der DPAG nicht natürlicherweise zu gefälligst für eine stets funktionierende Paketlogistik zu sorgen und alleine für das Stehen oder Fallen der KEP Branche verantwortlich zu sein.
    Die Privatisierung ist fast 30 Jahre her und außer bei der Briefpostzustellung hat die DPAG keine gesellschaftliche Aufgabe mehr. Ausgerechnet da werft ihr der Post sogar vor, sich davon sozusagen nicht trennen zu wollen. Ausgerechnet da gilt also der Maßstab des Wildwest Kapitalismus? Ausgerechnet da ist die DPAG aber staatlich verpflichtet, mit genauen Vorgaben zur Zustellung. Das ist nicht „legacy“ sondern „mandatory“.
    Daraus einen Vorteil durch Verbundzustellung und Warensendungen zu ziehen wird von der Konkurrenz aufmerksam beobachtet. Ein rechtlicher Tanz auf dem Vulkan.

    Ich beneide den Postchef nicht um seine Aufgabe und im internationalen Vergleich machen Paket- und Briefpost einen guten Job für niedrige Preise, die Regelzustellung von Paketen in diesem Tempo gibt’s in den meisten Ländern nur per Express Aufschlag, egal wie nah ein Distributionszentrum am Empfänger sein mag.

    Wenn ich der Post zu einer Strategie raten könnte, dann eine komplette Aufspaltung. KEP und Brief trennen. Dann könnten sich beide auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Briefpost wird es schon aus rechtlichen Gründen noch auf unabsehbare Zeit massenhaft geben. Aber natürlich eher schrumpfend. Das halte ich im Kern für unvereinbar mit dem für den KEP Boom nötigen mindset. Aber das ist ein anderes Thema.

  4. Naja, aber mit diesem Case als erstes auf DHL zu zielen („DHL-Alert“) ist nicht ganz korrekt. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, würde ich mal schätzen, dass die DHL mit „einigen Paketen“ weniger Schwierigkeiten haben dürfte als HERMES mit der großen Masse.
    Ich bleibe dabei, es gibt immer gute Gründe, auf den Paketdiensten rumzuhauen und das Weihnachtsgeschäft bietet da wieder ausreichend Gelegenheit. Aber nur weil jemand Marktführer ist, muss er nicht gleich IMMER den Punching-Ball für allen Frust herhalten. Alles, was nicht gerade Picnic ist, hat allerdings eh schlechte Karten. ;-)

  5. Ich bleibe dabei: Es geht bei dem Thema nicht um DHL oder Hermes.

    Es geht um die strukturellen Defizite, und die sind bei allen Paketdiensten gleich. Deshalb spreche ich ja von DHL & Co. Wer will, kann auch immer gerne DHL durch Hermes ersetzen.

    In dem Beitrag ist der Punkt im übrigen, dass Händler von sich aus an die Öffentlichkeit gehen und ihre Kunden warnen. Aus meiner Sicht eine neue Eskalationsstufe.

    • Das stimmt, aber in diesem Artikel heisst es eben „DHL-Alert“. ;-)

      Wie auch immer, natürlich haben alle hierzulande agierenden KEP-Dienstleister Defizite und sind vielleicht auch nicht konsequent genug bei den Investitionen gewesen, aber ich muss mich der Meinung von Eric weiter oben anschliessen. Im internationalen Vergleich haben wir in D noch traumhaften Service zu unverschämt niedrigen Preisen. Der Anspruch der deutschen Online-Shopper (und Versender) ist nur ziemlich „avantgardistisch“, allerdings leider ohne nur die geringste Bereitschaft, dafür entsprechend zu zahlen. Ich erlebe das jeden Tag. Da sitzt der Online-Händler mit 50 Paketen im Monat 30km vom nächsten Hub weg, erwartet aber, dass der Paketdienst für 3,30€ / Paket da jeden Tag hinfährt und 2 Pakete abholt, aber wehe der kommt mal nicht pünktlich.
      Ich finde das, was Picnic und Co machen, absolut bewundernswert und wichtig, um die Branche ins 21. Jahrhundert zu holen, aber vom Bashing der KEP-Dienste kann sich niemand was kaufen, lass uns lieber weiter die positiven Sachen promoten.

  6. Zu Notebooksbilliger muss man sagen, dass derzeit offenbar eine massive Anzahl an Kunden auf Geld oder Ware wartet, und die Firma vor dem Kollaps steht. Wenn die Pakete nicht ankommen liegt das wohl nicht an DHL, sondern daran, dass der Notebooksbilliger sich gerade seiner Kundenbasis entledigt. Siehe Bewertungen auf trustpilot und anderen Portalen. Bestellungen anderer Versandhäuser per DHL werden problemlos zugestellt. Und ja, meiner Erfahrung nach versendet NBB überwiegend mit Hermes, wie oben schon erwähnt.

  7. Die Angabe auf NBB stimmt m.E. nicht. NBB hat selbst logistische bzw. interne Probleme und liefert nicht pünktlich aus. Kunden berichten auch über ausbleibende Rückerstattungen. Jetzt schieben sie es auf die Versanddienstleister … warum hat NBB derzeit wohl keinen Chat, keine aktive Service-Hotline etc. Das hat nix mit Hermes oder DHL zu tun. Das ist eine Ausrede. LG

  8. Nach meinen informationen leidet NBB unter den Nachwirkungen einer ERP-Umstellung im Oktober/November. Das relativiert einige der Ausagen oben. Wer jemals so eine Umstellung mitgemacht hat, wird verständnisvoller auf die Sache blicken. Das von Kundenseite dann entsprechende Spekulationen richtig Insolvenz aufkommen ist ebenso verständlich wie wahrscheinlich falsch.

    https://www.onlinehaendler-news.de/online-handel/haendler/131963-systemumstellung-sorgt-bei-notebooksbilliger-fuer-probleme

    • Unprofessionell ist, das Ganze dann auf DHL zu schieben. Noch unprofessioneller ist, weiterhin mit Black Friday Angeboten und mit satten Rabatten an allen Ecken zu werben, wenn man genau weiß, dass tausende Bestellungen noch nicht bearbeitet wurden und hunderte Kunden seit Wochen auf ihre Retourenrückzahlung warten.

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