Website-Icon Exciting Commerce

Amazon Unpacked: Was geht in der Amazon-Logistik ab?

Diese Woche hat die TV-Reportage "Ausgeliefert!" zum Umgang mit der Flut an Aushilfskräften bei Amazon für medialen Aufruhr gesorgt. Lesenswert sind hier u.a. die Anmerkungen von Sascha Pallenberg ("Ein Skandal, der keiner ist") und der Gewerkschaften ("Amazon will nicht verhandeln").

In England hat die Financial Times unter dem Titel "Unpacked" ("The online giant is creating thousands of UK jobs, so why are some employees less than happy?") am letzten Wochenende ebenfalls ausführlich über die Zustände in der Amazon-Logistik in der Vorweihnachtszeit berichtet und ist das Thema dabei nicht minder kritisch, aber weitaus informativer angegangen. Spannend auch, weil sie die wirtschaftspolitische Dimension nicht ausblendet.

Denn interessanterweise kommen die Berichte zu einem Zeitpunkt, da die Amazon-Zahlen ebenso wie die Zalando-Zahlen oder die bvh-Zahlen ("Wie Online den Handel überrollt") zeigen, vor welch immensen Wachstumsherausforderungen die Online-Versender gerade stehen. 

Die Frage wäre also: Handelt es sich hier um Ausnahmezustände, die der aktuellen Marktdynamik geschuldet sind oder sehen wir hier den zukünftigen Regelfall? Und wenn ja, was wäre zu tun, um diesen menschenwürdiger zu gestalten?

Ein Boykott von Kundenseite hilft wenig, denn eines kann man nicht ausblenden: Der Handel lebt von Billigjobs und Aushilfskräften – von Amazon bis Kik, von Aldi bis Lidl, von DHL bis Hermes. Und selbst in Nobelboutiquen wird nicht so nobel gezahlt, dass man als Kunde ein ruhiges Gewissen haben könnte.

Die Gewerkschaft Verdi hat ein Blognetzwerk eingerichtet, das von Amazon-Verdi über Hugendubel-Verdi bis Verdi bei Baur den gesamten Handel durchzieht und auf diese Weise zur Aufklärung beiträgt.

Und der Handel? Mit die unrühmlichste Figur macht zur Zeit die Amazon-Presse, die sich über die Jahre darauf spezialisiert hat "keinen Kommentar" abzugeben und die Öffentlichkeit bisher nur (be)nutzt, wenn sie ihr etwas verkaufen will. Soll der Kindle gepusht werden, hält hierzulande selbst ein Jeff Bezos Audienz.

Was wäre dabei, die Öffentlichkeit aufzuklären und zu verdeutlichen, in welchem Umbruch sich die Handelsbranche gerade befindet, was ein derartig explodierendes Versandgeschäft bedeutet, was es heißt, die Päckchenmengen in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit auf den Tag und auf die Schicht genau vorherzusagen und entsprechend zeitnah Mitarbeiter disponieren zu müssen? Die Folgen sind in der ARD-Reportage zu sehen.

Was wäre dabei, die Wachstumsschmerzen der Branche auch aus Händlersicht darzustellen? Zalando versucht das nun zunehmend, doch Amazon als demnächst größter Handelskonzern hierzulande ist in dieser Beziehung immer noch ein Totalausfall.

Dabei dürfte sich öffentliche Aufklärung in diesem Fall mindestens so sehr lohnen wie die Lobbyarbeit hinter den Kulissen.

Frühere Beiträge zum Thema:

Die mobile Version verlassen