Website-Icon Exciting Commerce

Der Online-Handel und die Zahlenpolitik des b(e)vh

Der Online-Boom macht mittlerweile so manchem argumentativ zu schaffen („Exchanges #135: Der Ruf des IFH/ECC Köln“), der sich schwer tut mit der an sich wenig überraschenden Erkenntnis, dass im Online-Handel nun mal die Online-Spezialisten klar im Vorteil sind und deshalb von den aktuellen Marktentwicklungen am meisten profitieren.

Der b(e)vh packt derlei Infos dann gerne so weit nach hinten wie möglich:

„Größtes Wachstum verzeichneten im 1. Quartal 2016 Internet Pure Player – mit einem Plus von 31,2 Prozent.“

Würde der Versandhandelsverband seine Zahlen ganz regulär ausweisen, ergäbe sich für 2015 folgendes Bild für den Online-Handel:

Internet Pure Player dominieren den Online-Markt. Sie machen inzwischen, Amazon inklusive, mehr Umsatz als alle anderen zusammen. Und die stationären Händler (STV) laufen den Katalogversendern (MCV) zunehmend den Rang ab. Würde man die Umsätze der Marktplatzhändler (OMP) dann noch korrekt auf die entsprechenden Händlerkategorien aufteilen, würden sich diese Effekte noch verstärken.

Stattdessen zeichnet der b(e)vh jedoch folgendes Bild für den Online-Handel 2015:

Die Katalogversender (MCV) werden einzeln gar nicht mehr ausgewiesen, die Internet-Pure-Player nur noch ohne Amazon. STV, APV und TVS tauchen in der Darstellung gleich doppelt auf. Und alle für den b(e)vh nicht zuordenbaren Händlerumsätze (also über die Hälfte des gesamten Marktvolumens!) werden als OMP in einer ominösen Marktplatzkategorie geführt.

Statt die realen Marktentwicklungen abzubilden, suggeriert das Chart einen Erfolg der Multi-Channel-Versender und eine übermächtige Rolle der Marktplatzbetreiber, allen voran Amazon („Amazon wird schon bald 100% Marktanteil in Deutschland haben!“). Siehe dazu auch die Exchanges #124 („Mythos Amazon“).

Der b(e)vh unterstreicht hier vor allem, wie sich mit Zahlen Politik machen lässt.

Frühere Beiträge zum Thema:

Die mobile Version verlassen