Live ist im TV: Am neuen Online-Auftritt von HSE24 scheinen so gut wie alle Internet-Entwicklungen der vergangenen fünf Jahre spurlos vorübergegangen zu sein. Am Bemerkenswertesten ist daher das Budget von 3 Mio. Euro. Denn ansonsten hätte der Auftritt genauso gut aus dem Jahre 2004 stammen können:
Einzig die liebevolle Integration der Videoaufzeichnungen scheint eine echte Herzensangelegenheit gewesen zu sein. Aber was solls?! Wer die Innovationsleistungen von Youtube & Co nicht komplett ignoriert, der ahnt dass diese Art der Video-Einbindung auch für ein Shoppingangebot schon bald ziemlich alt aussehen wird.
Sein Warenangebot versteckt HSE24 wie eh und je – und hat folgerichtig nun auch das letzte verbliebene Produkt von der Hauptseite verbannt. Aufs TV-Geschäft übertragen wäre das in etwa so, als ob der Sender seine Zuschauer ständig mit Programmhinweisen begrüßen würde.
Der HSE24-Auftritt leidet – wie auch die Online-Auftritte aller anderen Shoppingsender – daran, dass ein klassisches Online-Shop/Katalog-Konzept einfach nicht zum Verkaufskonzept eines Shoppingsenders passen will.
Shoppingsender nutzen ihren TV-Kanal als Plattform, um einen Mix aus unterschiedlichsten Programmformaten ("Shows") und Programmelementen zu zeigen. Kosmetik wird anders präsentiert als Schmuck, Elektronik anders als Münzen, der "Modeschöpfer" Harald Glöckler hat eine andere Verkaufsmasche als die "Kräutertante" Bärbel Drexel oder die "Puppenfee" Barbara Steinberger. Die Klammer bilden die Moderatoren, die Angebote des Tages und vielleicht noch der Sender als Marke.
Genau diese Plattform-Strategie ließe sich online wunderbar verlängern. HSE bräuchte neben seinem Hauptprogramm für jedes seiner ein, zwei Dutzend zugkräftigen Programmformate jeweils einen eigenen, formatkonformen Online-Auftritt, der online das weiterführt, was im TV aufgrund der schnellen Taktung und der begrenzten Sendezeit nur angerissen werden kann.
Offenbar gibt es aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein E-Commerce-Anbieter nicht mehrere Internetseiten gleichzeitig betreiben darf. Und wenn, dann darf er auf den unterschiedlichen Seiten auf keinen Fall unterschiedliche Konzepte fahren.
HSE24 hat daher wieder alles auf eine Seite gepfropft und sich für eine parallele Navigationsleiste (TV-Welt, Markenwelt, Themenwelt, %-Welt) entschieden, die zwar Orientierung bringen soll, die aber der typischen Nutzerin weiterhin wenig bis nichts sagt.
Alles, was HSE-Fans ansprechen würde, wie spezielle Marken, Persönlichkeiten oder Showformate, ist wie schon bisher bis auf wenige Bannerteaser auf Unterseiten verbannt. Wer suchet, der findet. Das hat QVC mit seinen Top-Shops ein klein wenig besser gelöst.
Kurzum: HSE24 hat wieder einmal das denkbar ungeeignetste Online-Konzept sehr konsequent und diesmal auch sehr videoreich umgesetzt. Ob das zu den erwarteten Umsatzsprüngen führt, darf jedoch eher bezweifelt werden. Denn das Quietschorange trügt: Im Vergleich zu den anderen Shoppingsendern macht HSE24 online weiter den lahmsten Eindruck. Selbst die Quelle-Homepage wirkt im Vergleich dazu jetzt fast schon progressiv.
Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben: Irgendwann wird auch im Teleshoppingbereich jemand kommen und eine richtig tolle und erfolgreiche Online-Strategie (er)finden.
Siehe auch das Interview bei Helloingo ("Teleshopper im Internet nicht produktiv genug")
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