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Web-Währungen: Von der Marktwirtschaft zur Schenkwirtschaft

Auf dem G20 Gipfel in London ist etwas Erstaunliches passiert. Denn realistisch betrachtet hat sich die Weltpolitik auf einen radikalen Systemwechsel verständigt – weg von der (sozialen) Marktwirtschaft, in der Geld knapp sein muss und (überwiegend) leistungsorientiert vergeben wird, hin zu einer Schenkwirtschaft, in der Geld reichlich ist und es ausdrücklich erwünscht und erlaubt ist, freizügig und nach Gutdünken Geschenke zu verteilen.

Man kann die (implizite) Abschaffung des bisherigen Systems kritisieren (wenn man vermögend ist) oder begrüßen (wenn man nichts hat, oder hohe Schulden). Denn mit der radikalen Geldausweitung nimmt die Politik eine weltweite Inflationswelle bewusst in Kauf: Wer Geld hortet oder spart, verliert. Wer sich stark verschuldet, profitiert von der erwarteten Geldentwertung.

Die Schenkwirtschaft ist da

Mit der Schenkwirtschaft ändern sich die Spielregeln. Doch agieren Politik (und Wirtschaft) nicht längst nach den neuen Regeln?

Es wird eine Weile dauern, bis sich alle in dem neuen System wiederfinden und – gerade die Vermögenden – an die neuen Regeln gewöhnt haben. Aber wer weiß, vielleicht ist die Schenkwirtschaft, wie sie seit langem im Internet ("Gratiskultur") und weitaus bewusster noch im Social Web praktiziert wird, nicht nur online, sondern auch darüberhinaus die Zukunft.

Der Staat gibt die Währungshoheit ab

Der Systemwechsel hat ein paar interessante Nebeneffekte. So gibt der Staat beispielsweise sein Währungsmonopol ab. Mussten bisherige Komplementärwährungen (Regiowährungen, etc.) stark an die führende Währung gekoppelt sein, so steht es in nichtkompetitiven Systemen wie der Schenkwirtschaft, in der alle Leistungen auf Freiwilligkeit beruhen, jedem frei, seine eigene Dankeschön-Währung zu starten. Wer mit den Staatsgeschenken nicht zufrieden ist, kann seine eigenen Geschenke verteilen. Möge die vertrauenswürdigere Währung gewinnen!

Ob Twollars, Facebook-Credits oder die vielen anderen (nicht monetären Web-)Währungen, die gerade entstehen oder zunehmend als solche wahrgenommen werden, sie basieren alle weitestgehend auf den Prinzipien der Schenkwirtschaft, wie sie Joytopia sehr anschaulich, wenn auch esoterisch etwas überhöht, beschreibt. Entsprechend werden die Joytopia Dankpunkte auch gerne als Vorbild für Twollars & Co genannt.

Es ist nicht unspannend, sich mit Themen wie diesen zu befassen und den Systemwechsel sowie die zunehmenden Währungsdiskussionen auf Fachblogs wie New Currency Frontiers mitzuverfolgen (s. auch What is a currency?)

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