Heute hat der Versandhandelsverband (bvh) seine Markteinschätzung für 2009 veröffentlicht und kommentiert.
Die Zahlen entstammen einer Repräsentativbefragung, die der bvh seit 2006 von TNS Infratest durchführen lässt und die sich seitdem als verlässlichste Quelle zur Einschätzung der Marktentwicklung für den elektronischen Handel erwiesen haben.
Alles in allem bleiben die Aussichten sonnig:
- Der bvh rechnet für 2009 mit einem Marktwachstum von 1,7% auf 29,1 Mrd. Euro.
- Der Versandanteil am deutschen Einzelhandel steigt damit von 7,2% auf 7,4%.
- Vor allem der Online-Handel boomt und legt um 15% auf 15,4 Mrd. Euro zu.
Hier die bvh-Zahlen in der bewährten Exciting Commerce Darstellung (untergliedert in Zukunftsmärkte, incl. der Langfristprognose für 2017):
Bis der Versandhandel sein volles Marktpotenzial ausspielen kann, werden allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Denn noch bleiben die traditionellen Katalogversender mit einem (wenn auch schon stark gesunkenen) Marktanteil von 57% die größten Wachstumsbremsen:
- Den bvh-Zahlen zufolge wird das Kataloggeschäft 2009 um weitere 8% einbrechen.
- Seit 2006 sind die Katalogumsätze um insgesamt 28% geschrumpft.
- Seit 1997 hat sich das Kataloggeschäft auf 10,5 Mrd. Euro halbiert.
- Der Katalog kommt im Versandhandel heute nur noch auf einen Marktanteil von 36%.
Nach der Quelle-Pleite und den anhaltenden Schwierigkeiten bei Neckermann
und bei den Versendern der Otto-Gruppe scheint der Markt dieses Problem jedoch von
alleine zu lösen.
Wir erwarten also:
- dass spätestens 2012/13 der Strukturwandel in seinen Grundzügen abgeschlossen sein wird.
- dass wohl schon 2011 der rein elektronische Handel (Online/TV/Mobile) mit Amazon, Ebay, QVC und Vente-Privée als führenden Versendern das Kataloggeschäft als größtes Versandhandelssegment ablöst und die Marktführerschaft übernimmt.
Spätestens dann dürften auch aus Deutschland wieder neue und zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu erwarten sein. Bis dahin werden wir uns allerdings weiter mit der Adaption internationaler Erfolgsmodelle begnügen müssen. Denn noch hat der rein elektronische Handel hierzulande keine Lobby. Der bvh hält den Katalog weiterhin für "bedeutsam" und "zeitgemäß".
Einige grundsätzliche Anmerkungen zu Daten und Darstellung:
- Elektronischer Handel ("E-Commerce") im Exciting
Commerce Sinn sind alle Handelsumsätze (=Produktumsätze), die über elektronische
Vertriebswege generiert werden, also Online, TV und Mobile.
- Das Segment "Versandgeschäft der Hersteller und des stationären
Handels" enthält auch alle sonstigen bvh-Kategorien
(Apothekenversender, etc.)
- Die zugrundeliegenden Daten finden sich auf den bvh-Seiten; die Umsätze für Teleshopping und sonstige Versender (Apotheken, Markenhersteller, etc.), die der bvh diesmal nicht ausweist, sind abgeleitet bzw. beruhen auf eigenen Schätzungen.
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