Auch die anglo-amerikanische Agenturszene entdeckt nun plötzlich das Thema Social Commerce.
Interessant zu sehen, wie Paul Marsden, einer der umtriebigsten Vertreter dort, den Social Commerce Begriff für die Geschäftszwecke seiner Agentur umdeutet und vereinnahmt – und zwar nicht nur in seinem Blog, sondern ganz selbstverständlich auch bei Wikipedia.
Erst vor gut neun Monaten, am 6. Oktober 2009, brachte er Social Commerce Today an den Start, das er als Marketing und PR-Blog für die Socia Media Aktivitäten einer große Agentur betreibt. Weder er noch die Agentur sind zuvor im Social Commerce Bereich sonderlich in Erscheinung getreten.
Bereits ein halbes Jahr später, im Februar trimmte er die englischsprachige Wikipedia-Seite in die eigene Richtung, indem er die damalige, e-commerce-bezogene Definition ("Social commerce: Subset of e-commerce in which the active participation
of customers and their personal relationships are at the forefront") erweiterte und durch eine eigene, nun weitaus marketinglastigere ersetzte ("Social commerce is the use of social media in the context of e-commerce"). Natürlich ist Social Commerce Today inzwischen auch die meistverlinkte Quelle auf der Wikipedia-Seite.
Es steht jedem frei, ein SEO-optimiertes Marketing- und PR-Blog zu betreiben, um ein Thema zu pushen und sich als Experte in diesem Feld zu profilieren. Und auch wenn es sicher nicht die feine englische Art ist, steht es natürlich auch jedem frei, sich seinen Begriff von Social Commerce so zurechtzulegen, wie er ihn braucht. Kritisch wird es allerdings dann, wenn man sich dabei eigenmächtig an öffentlichen Seiten vergreift, um die dortigen Inhalte dem eigenen Weltbild anzupassen.
Noch ist Social Commerce Today in keinster Weise bemüht, das Thema Social Commerce und hier speziell die E-Commerce-Aspekte auf der Höhe der Zeit zu behandeln geschweige denn in einen offenen Diskurs einzutreten (Kommentare zu Blogbeiträgen werden weiterhin streng moderiert).
Das Blog behandelt überdies fast ausschließlich Social Media und Marketing Themen, die nur am Rande etwas mit Social Commerce zu tun haben (s. Offener Brief an Paul Marsden von Social Commerce Today) – und interessanterweise gar nichts mit Social Commerce, wenn man sich an die ursprüngliche Definition halten würde.
Man vergleiche die heutige Definition von Social Commerce auf der deutschen Wikipedia-Seite mit der auf der englischsprachigen.
- Poppycock?!
– Ein offener Brief an Paul Marsden von Social Commerce Today - TC
Disrupt: Was macht den neuen E-Commerce so
spannend? - Etsy 2010:
Wie Social kann Commerce werden?
