Die Redcoon-Übernahme durch die Metro-Gruppe ist ein nicht zu unterschätzender Meilenstein in der deutschen E-Commerce-Geschichte.
Erstmals geht nämlich ein deutsches E-Commerce-Unternehmen dieser Größenordnung nicht ins Ausland, und erstmals setzt ein großer Offliner im E-Commerce auf eine Komplementär- statt auf eine Multi-Channel-Strategie.
Bis zu 250 Mio. Euro soll Media Saturn für Redcoon locker gemacht haben. Wenn es nach dem Gründer und Geschäftsführer Reiner Heckel geht, soll Redcoon seinen Umsatz in fünf Jahren von den für 2010/11 angepeilten 400 Mio. Euro auf eine Milliarde Euro mehr als verdoppeln.
Matthias Hell hat für die Computer Reseller News Branchenstimmen gesammelt:
"Die Reaktionen zur Übernahme des Etailers Redcoon durch MSH gehen auseinander. Während Redcoon für Notebooksbilliger.de-Chef Wedemeyer im deutschen Online ITK-Markt »kein Top-Player« ist, warnt 004-Vorstand Michael Gerke vor einem bevorstehenden Preiskampf.
Für Notebooksbilliger.de-Chef Arnd von Wedemeyer war der Zukauf von MSH im Etail-Bereich »überfällig«: »Eine sinnvolle und kluge Idee nach den vielen teuren Fehlversuchen.«
Dennoch bemüht sich der selbstbewusste Firmenchef den Ball flach zu halten: »Ich sehe keine Auswirkungen der Übernahme auf die Wettbewerbssituation im deutschen Online ITK-Markt, da Redcoon hier kein Top-Player ist.«
Auch im Bereich Unterhaltungselektronik erwartet der Notebooksbilliger.de-Chef keine großen Skaleneffekte. Während die MSH-Gruppe überwiegend mit den Herstellern direkt zusammenarbeite, gehöre es zur Geschäftsstrategie von Redcoon, relevante Umsatzanteile über Graumarktware aus dem europäischen Ausland zu erzielen.
»Hier wird das Management versuchen müssen, beide Philosophien unter einen Hut zu bringen und zusätzlich noch für die Shareholder der Metro eine bessere Umsatzrendite zu erzielen«, so Wedemeyer."
Weitere Einblicke in die Gepflogenheiten speziell der Elektronikbranche gab am Wochenende auch die FAZ:
"Kein Online-Händler kann es sich leisten, ein großes Lager zu führen. "Wir haben im Durchschnitt Waren für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag auf Lager, und jedes Gerät sollte in spätestens zwei Wochen verkauft sein. Ein effektiver Händler hat eine hohe Durchschlagsrate", sagt der Sprecher von Notebooksbilliger.de, Frank Hufnagl.
Gekauft wird nicht nur von den Herstellern, sondern von großen Distributoren in ganz Europa. Sie sorgen dafür, dass ein breites Produktangebot zur Verfügung steht und die Waren auch schnell geliefert werden."
Etwas dumm aus der Wäsche dürfte nach dem Redcoon-Coup nun Promarkt gucken, das im E-Commerce erst kürzlich von einer Online- auf eine Offline-Strategie geschwenkt ist und Myby zugunsten des Promarkt Online-Shops aufgegeben hat.
Gespannt kann man sein, ob und wie die anderen Offliner (nicht nur der Elektronikbranche) nun reagieren.
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