Amazon fordert ein Multi-Channel-Opfer nach dem anderen. Die Buchbranche und die Elektronikbranche sind die ersten beiden Branchen, die den Druck der reinen Onliner heute schon spüren und entsprechend händeringend nach strategischen Perspektiven suchen.
Bei der Buchhandelskette Borders gehen am 31.7. nach Großbritannien auch in den USA endgültig die Lichter aus. "Internetretailer" kommentiert den Niedergang ("E-Retailing and the Demise of Borders"):
"Big box stores are vanishing like dust in the wind, to borrow the title of the hit by the group Kansas. Remember Circuit City, Linens ‘n Things, and all those Blockbuster stores? Gone, gone and gone. Borders last month became the latest to turn to dust."
Während das Schicksal von Borders bereits besiegelt ist, sucht Wettbewerber Barnes & Noble noch dringend einen Käufer.
Was bedeuten diese Marktentwicklungen für die beiden großen deutschen Buchhandelsgruppen? Sowohl Thalia als auch DBH (Hugendubel, Weltbild) faseln reden derzeit zwar viel von Multi-Channel (sehr originell: die "kommunizierenden Röhren" bei Weltbild), bleiben aber die Antworten auf die entscheidenden strategischen Fragen weiter schuldig:
Wenn Amazon für viele die Buchhandlung mit dem umfangreichsten Sortiment ist, was wollen dann Hugendubel, Thalia & Co mit ihren Schmalspursortimenten vor Ort sein? Und vor allem: für wen? Darauf finden sich weder bei Weltbild noch bei Thalia schlüssige Antworten.
Speziell bei Hugendubel ("Die Welt der Bücher") erlebt man derzeit in den Buchhandlungen eine penetrante Kampagne für den Online-"Shop" (sic!), wo Buchfreunden auf Schritt und Tritt das Gefühl vermittelt wird: "Was wollt Ihr eigentlich noch hier? – Haut ab und geht online!"
Ob das auf Dauer der richtige Weg ist?
Bei der K5 Konferenz für die 500 stärksten Online-Händler werden im Oktober in München neben Weltbild, Buecher.de, ex libris und Personalnovel auch die ersten traditionellen Verlagshäuser vertreten sein, die am Buchhandel verzweifeln und mit ihren Umsatzerlösen im Online-Direktvertrieb nun ebenfalls zunehmend in den siebenstelligen Bereich vordringen.
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