von Matthias Hell
Der Debatte über die Entwicklung neuer, zukunftsgerichteter Publishing-Modelle ("Das Publishing-Geschäft jenseits der Buchbranche") kann es nicht schaden, wenn sich auch einmal ein populärer Autor öffentlichkeitswirksam mit den Umbrüchen in seiner Branche beschäftigt.
Spiegel-Kolumnist und Beststeller-Autor Tom Hillenbrand hat dies nun in Form eines Blogeintrags über „Zehn steile Thesen zum eBook“ getan. Dabei sieht der Autor die Buch-Branche von einem rapiden Trend zur Digitalisierung gekennzeichnet: Ähnlich wie die Plattenläden würden auch Buchhandlungen in den nächsten 20 Jahren aussterben, da letztlich alle Bereiche des Buchmarkts digital würden und auch z.B. die Beratung der Kunden genauso gut von Online-Plattformen wie Goodreads geleistet werde.
Jenseits aller Besitzstandswahrung skizziert Hillenbrand eine Reihe von Chancen, die sich aus dem Umbruch für die Buchbranche ergeben. So würden immer mehr Schriftsteller dazu übergehen, unveröffentlichtes Material über Selfpublishing-Dienste anzubieten. Der Eigenvertrieb über das Netz ist laut Hillenbrand dabei auch für bereits etablierte Autoren lockend:
„Die Stars der Branche, die mit ihren Titeln mehrere Millionen Umsatz im Jahr generieren, werden sich irgendwann überlegen, ob es für sie nicht gewinnträchtiger wäre, ihren Lieblingslektor direkt bei sich anzustellen, dazu ihren Agenten und ihren PR-Berater und dann alles im Eigenverlag zu machen. Angesichts der Tatsache, dass der Autor vom Verkaufspreis eines Buches selten mehr als 10 oder 12 % bekommt, ist das Incentive, dies zu tun, riesig.“
Die in einer digitalisierten Publishing-Welt rapide gesunkenen Einstiegsbarrieren dürften nach Ansicht von Hillenbrand auch die Verlagsbranche verändern. Zum einen, da sie die Gründung neuer innovativer Kleinverlage ermöglichten. Zudem prognostiziert Hillenbrand auch einen markanten Anstieg an (e-)Auslandausgaben:
„Selbst bei einem Titel, dem man keine allzu großen Chancen auf dem englischsprachigen Markt einräumt, wird es in Zukunft sinnvoll sein, auf gut Glück eine Übersetzung auf den Markt zu werfen. Denn der angelsächsische Markt ist gigantisch und in Wahrheit weiß ja sowieso niemand, warum Bücher Erfolg haben. Eine Übersetzung kostet lediglich ein paar Tausend Euro, das Einstellen des digitalen Buches bei Amazon ist umsonst und der Titel ist nun für eine halbe Milliarde Leser abrufbar. Es ist billig, es ist chancenreich und darum werden es alle machen.“
Angesichts seiner klarsichtigen Thesen verwundert es allerdings, dass Tom Hillenbrand zu den Unterzeichnern des status-quo-wahrenden Aufrufs „Wir sind die Urheber!“ zählt. Ganz scheint der Autor noch nicht von der Tragfähigkeit neuer Denkmodelle für die Publishing-Branche überzeugt zu sein.
Hier seine zehn steilen Thesen in aller Kürze:
1. Die Buchläden werden (fast alle) sterben.
2. Alle Bereiche des Buchmarkts werden digital.
3. Beratung wandert komplett ins Internet.
4. Die Unterscheidung zwischen Hard- und Softcover ist tot.
5. Die Ausstattung von Printbüchern wird edler.
6. Kleine geile Verlage entstehen.
7. Die Taktung wird höher werden.
8. Autoren werden mehr publizieren.
9. Es wird viele Trent Reznors geben.
10. Auslandsausgaben werden im Inland produziert.
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