von Matthias Hell und Jochen Krisch
Selbstbewusst und kämpferisch zeigte sich der neue Redcoon-Geschäftsführer Andreas Oerter kürzlich beim Trusted Shops Mitgliedertag: "Wir wollen das deutsche Amazon werden", gab er als Devise aus.
Den Markenherstellern gegenüber sei Redcoon generell kooperativ eingestellt. Die Marke sei schließlich das wichtigste, was ein Hersteller habe. Es gehe nicht darum, sie zu beschädigen. Hersteller aber, die Redcoon ihre Produkte vorenthalten oder bewusst knapp halten, werde Redcoon bekämpfen.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Redcoon-Gründer Rainer Heckel im aktuellen Interview. Auch ihm ist die selektive Vertriebspolitik der Elektronik-Hersteller ein Dorn im Auge. Er betrachtet diese als massives Hindernis für das Online-Wachstum. Denn durch Beschränkungen für den E-Commerce würde der Markt zugunsten des stationären Retails verzerrt:
„Wir haben im Prinzip noch immer zu wenig Ware, da die Industrie die Ware selektiv knapp macht. Es ist nicht so, dass nicht genügend produziert wird, doch beschränkt die Industrie die Waren, die in den Onlinehandel gehen. Die Konsumenten würden dagegen gerne noch mehr online kaufen.“
Mit zunehmender Sorge betrachtet der Redcoon-Gründer die Marktmacht von Amazon. Er sieht sie als Bedrohung für die deutsche Onlinehandels-Szene:
„Ich fürchte keine Konkurrenz auf gleicher Augenhöhe. Aber ich fürchte es, wenn jemand nicht auf Augenhöhe ist und mit Waffen arbeitet, die unter Wirtschaftsleuten nicht als ordentlich gelten. Das ist nicht in Ordnung. Denn auch wenn Amazon heute auf seine Margen verzichtet, werden am Ende doch die Kunden ausgenommen. Aber vorher wird noch der heimische Wettbewerb um die Ecke gebracht.“
Mit seiner Rolle als Pure-Player in der Konzernaufstellung von Media-Saturn zeigt sich der Redcoon-Chef weiter zufrieden: „Das Thema Multichannel hat mich nie gereizt“.
Hier in kompakter Form die Highlights aus dem Klartext-Interview mit Rainer Heckel:
Spannend auch der Appell von Redcoon beim Trusted-Shops-Mitgliedertag:
"Auch mahnte [Andreas Oerter] die Online-Händler, die Vorteile des Online Handels gegenüber dem stationären Handel mehr zu betonen, womit er nicht niedrigere Preise meinte.
Als Beispiel nannte er den Kauf einer Waschmaschine bei einem Online-Händler. Vorteil für den Kunden, ganz klar: Du musst keine schwere Waschmaschine ins Auto laden, Du bekommst die Maschine geliefert und angeschlossen, weißt also, dass deine Maschine funktioniert, Du hast mehr Freizeit.
Solche Argumente sollen die Online-Händler in Zukunft verstärkt einsetzten, damit Kunden die Vorzüge des Internethandels nicht über den Preis definieren."
Den Aussagen der Geschäftsführer zufolge handle Redcoon innerhalb der Media Saturn Gruppe auch nach der Übernahme weiter als unabhängige Einheit.
Auf der kommenden K5 Konferenz werden die Rolle der Markenhersteller und die Positionierung des Online-Handels im Wettstreit mit dem stationären Einzelhandel zentrale Themen sein.
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