Ein Aspekt, der in den spannenden Debatten um Design 3000 ("Design 3000 steigert sich 2012 auf 8 Mio. Euro Umsatz") völlig untergegangen ist, ist die Frauenquote. Eindrucksvolle "drei Viertel der Bestellungen kommen von Frauen", heißt es von den Machern. Beim Lesen blieb mir ob dieser Zahl erstmal die Spucke weg, weil ich Design 3000 (in der oberflächlichen Betrachtung und in all seinen Optimierungsbemühungen) immer vor allem als Angebot für Männer wahrgenommen habe.
Wie kommt es, dass bei einer Seite, die in ihrer Machart so offenbar auf die männlichen Shoppingbedürfnisse eingeht, trotzdem soviele Frauen bestellen? Oder anders gefragt: Was bitte steckt in so einem Online-Angebot an Umsatzpotenzial, wenn es nicht nur sortimentsseitig, sondern auch konzeptionell konsequent auf die Bedürfnisse der tatsächlichen Zielgruppe ausgelegt wäre?
Es soll nicht despektierlich klingen, aber Design 3000 zählt in der Machart zu den typischen Frauenbremsen (andere sprechen von "Nerd Commerce"), wie wir sie heute im E-Commerce webauf, webab – von Amazon bis Zalando – erleben.
Und dabei ist nicht die Frage, dass man mit dem richtigen Thema (Schuhe! Kosmetik! Mode!) und mit der entsprechenden Marketingpower auch mit suboptimalen Seiten bei Frauen punkten kann. Davon lebt das Online-Geschäft heute, wenn auch weit unter seinen Möglichkeiten, weil speziell die Frauen im Zweifel dann doch lieber in die Fußgängerzone rennen.
Die Frage ist vielmehr, was man aus einem Online-Angebot wie Design 3000 herausholen könnte, wenn man es in das richtige Kleid packen würde? Wie würde so ein Angebot z.B. als Design 3001 im Etsy/DaWanda-Stil oder als Design 3002 im Pinterest-Look laufen? Wie würden sich die Wiederkehrraten, die Verweildauern und die Wiederbestellquoten entwickeln?
Wir versuchen bewusst immer wieder auf alternative Formen der Darstellung und der Nutzeransprache hinzuweisen – zuletzt auf die Mood-Boards von Stylight oder auf Tools wie PinPress ("Wie Händler den Pinterest-Look nachahmen können"), um Anregungen für alternative Ansätze und spannende Experimente zu liefern.
Viele Shopbetreiber merken, dass sie im Rahmen der gängigen (Shop-)Optimierungsmöglichkeiten an eine Grenze stoßen. Wir vertreten die Auffassung, dass es sich hierbei um die schrittweise Annäherung an ein lokales Maximum handelt – und die Marktzahlen bestärken uns in dieser Annahme.
Wo aber liegt das globale Maximum für den Handel der Zukunft? Das ist eine der Fragen, die uns bei Exciting Commerce bewegt, und deshalb kann das Thema "Potenzialausschöpfung" für uns gar nicht hoch genug auf der E-Commerce-Agenda stehen. Wir erwarten hier in den nächten fünf bis zehn Jahren gleich mehrere Quantensprünge.
Schon im letzten Jahr hatten wir uns deshalb mit dem Thema "Wie wollen Frauen online shoppen?" auf der Exceed befasst, und auch in diesem Jahr wird das Thema eine prägende Rolle spielen – mit SheCommerce, Stylight, Pippa & Jean und anderen mehr.
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