"Das ist kein Online-Boom, das ist ein Tsunami, der derzeit über die
Handelswelt hinwegfegt." (Alexander Margaritoff, Hawesko)
Nach dem Amazon-Schock letzte Woche gab es gestern das nächste, große Überraschungsmoment für den deutschen Einzelhandel. Und man muss sich einmal in aller Ruhe vor Augen führen, was die aktuellen bvh-Zahlen für den Markt bedeuten:
Der Online-Handel hat dem (stationären) Handel in nur zwei Jahren 9 Mrd. Euro (in Worten: neun Milliarden Euro) abgenommen, also in etwa soviel wie in allen rund 15 E-Commerce-Jahren zuvor:
Amazon alleine macht im Online-Handel umgerechnet 6,4 Mrd. Euro, also heute schon mehr als doppelt soviel wie der komplette stationäre Einzelhandel zusammen (der dem bvh zufolge online heute bei 3 Mrd. Euro liegt):
Die Online-Pure-Player haben 2012 erstmals die Marke von 10 Mrd. Euro genommen und sind mit 10,7 Mrd. Euro nun das mit Abstand erfolgreichste E-Commerce-Segment:
Verwunderlich ist die zunehmende Marktdynamik nur im ersten Moment, weil man derlei Wachstumssprünge bisher nicht gewohnt war.
Wenn man sich dann aber vor Augen führt, wie sehr sich speziell im Wachstumssegment – auf der K5 konnte man es wieder eindrucksvoll erleben – die Onliner in den letzten Jahren extrem professionalisiert haben, und wenn man zugleich verfolgt, wie schwer sich alle großen Handelskonzerne (Metro, Otto, Douglas, etc.) tun, wie alteingesessene Unternehmen wie Thalia, Hugendubel, Görtz, etc. abbauen, wie andere darben und mit der Pleite ringen, dann bekommt man eine Ahnung davon, was gerade am Markt in Bewegung ist.
Für alle Onliner können die aktuellen Zahlen nur heißen, nun erst so richtig Volldampf zu geben. Die Märkte werden komplett neu verteilt. Und aus Online-Sicht ist der stationäre Handel in seiner heutigen Verfassung mehr als schlagbar.
Noch nicht lange her, da hatten wir gefragt: Wann explodiert der deutsche E-Commerce-Markt? – Wenn die Zahlen nicht komplett trügen, ist das gerade der Knall.
