In der Exchanges-Ausgabe zum Möbelmarkt ging es u.a. auch um das Thema Mobile/Couch Commerce, das für den Online-Handel jede Menge toller Perspektiven bietet, aber frühestens in fünf bis zehn Jahren, wenn die dann relevanten Geräte ("Auch Tesco Hudl kommt ohne gesonderte Shoppingfunktionalitäten") eine einigermaßen große Verbreitung gefunden haben (siehe auch Mobile-Nutzung liegt 2012 unter dem Online-Niveau von 2000).
Beim Thema Mobile befindet sich noch so vieles im Ungefähren, dass es einen verwundert, mit welcher Inbrunst hier schon über ultimative Mobile-Strategien, Dos und Don'ts, etc. diskutiert wird, obwohl die strategische Halbwertszeit ohnehin nur bei wenigen Monate liegen kann, weil dann schon die nächste Gerätegeneration kommt.
Das Spannendste bei den Mobilgeräten ist aus unserer Sicht ohnehin weniger der kleinste gemeinsame Nenner, sondern die mehr oder weniger feinen Unterschiede. Marcel hat das im Zuge der Diskussionen zum Podcast noch einmal ausführlich ausgeführt (via):
"Jede
Geräteart braucht meiner Meinung nach eine eigene Ansprache, ein eigenes
Konzept und eine eigene Herangehensweise, um ihr ihre Potenziale zu
entlocken.Wenn man
alle Geräte nur als 'unterschiedliche Eingabegeräte' wahrnimmt, die
demzufolge gleich behandelt werden können/müssen, verstellt man sich den
Blick auf das Wichtige; nämlich die Unterschiede, egal wie groß oder
klein sie erscheinen mögen.Ich glaube
nicht, dass man die Möglichkeiten, die sich aus den Nutzungsszenarien
von Tablets ergeben, abschöpft, wenn man das Desktop-Angebot auf das
Tablet-Angebot 1:1 übersetzt.Die Diskussion erinnert mich an
"Facebook-Commerce". Mit dem Aufstieg von Facebook haben viele
irrtümlicherweise geglaubt, dass Social Commerce ein normaler Shop in
einer Facebook-Page wäre und waren dann enttäuscht, wenn sich nicht der
Erfolg einstellt.Aus den Flops der Facebook-Shops auf Social Commerce
allgemein zu schließen, ist dann so naheliegend wie falsch.Die
Besonderheiten von Social Commerce ergeben sich aus den Vernetzungen
(der Nutzbarmachung des Zwischenmenschlichen wenn man so will) und den
entstehenden Daten.Genau das also, was nicht genutzt wird, wenn man nur
einen Shop 1:1 in eine Facebook-Page hievt."
Wir haben heute 2013. Man sollte sich immer mal wieder vor Augen führen, wie die Online-Welt noch 2010 aussah: Das iPad ist erst seit April 2010 auf dem Markt. Wer sagt uns, dass Tabletgeräte in fünf Jahren noch so aussehen wie heute? Oder um den Gedanken aus dem Podcast aufzugreifen: Vielleicht haben die mobilen Geräte bis dahin aus irgendeinem guten Grund runde oder ovale Bildschirme. Wer will das so genau vorhersagen?
Wenn die Welt alle 5 Jahre komplett anders aussieht
Im Online-Geschäft sollte man in seinen strategischen Erwägungen nie vom Bestehenden geschweige denn vom Bewährten ausgehen, sondern sich immer ausreichend Vorstellungskraft bewahren, dass es in Zukunft auch ganz anders kommen könnte. Speziell für den Möbelhandel, aber auch für den Lebensmittelhandel braucht es noch den ein oder anderen Durchbruch.
Doch je technologiegetriebener die Welt wird, desto stärker schlägt das Innovator's Dilemma, das bisher vor allem die Hightechbranche mit ihren extrem kurzen Innovationszyklen geplagt hat, auf alle anderen Branchen durch. Und es kann ja auch beruhigend sein zu wissen, dass selbst ein Branchenschreck wie Amazon nicht davor gefeit ist, in fünf bis zehn Jahren im strategischen Abseits zu stehen.
Mehr zu diesen Themen auch in den Exchanges #06 ("Disruption an allen Fronten").
Frühere Beiträge zum Thema:
