Der Otto-Konzern mag große Ankündigungen. Und auch wenn man die letzten Wachstumsziele weit verfehlt hat („E-Commerce-Bilanz: Otto und der Traum von den 8 Mrd. €“), gibt man schon die nächsten aus: Bis zum Geschäftsjahr 2022/23 hofft die Konzernführung auf eine Umsatzexplosion auf 17 Mrd. Euro („Otto-Group auf starkem Wachstumspfad“):
Wie realistisch so eine Wachstumskurve ist, kann sich jeder selbst ausmalen: Denn im vergangenen Geschäftsjahr hat die Otto-Gruppe zwar in den verbliebenen Geschäftsbereichen 600 Mio. Euro zugelegt. Zugleich gingen aber 600 Mio. Euro Umsatz durch aufgegebene Bereiche verloren. Statt 52.200 arbeiten heute 49.750 Menschen für den Konzern. Vor zwei Jahren waren es noch 54.037.
Immerhin: About You soll zum Milliardenplayer ausgebaut werden. Ansonsten sind allerdings wenige Wachstumstreiber in Sicht („Die Mytoys-Gruppe steigert sich 2016 auf 556 Mio. € (+10%)“).
Ganz im Gegenteil: Noch gibt es im Konzern mehrere Milliarden unbewältigter Altlasten (Baur, Heine, Schwab, Witt, etc.), die kaum größeres Wachstums-/Zukunftspotenzial bieten, d.h. für Kerngesellschaften wie Otto, Bon Prix oder Hermes, selber keine Überflieger, wären Wachstumsraten von 10% und mehr Pflicht, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Die neue Konzern-Strategie gabs heute in gewohnt otto-suggestiver Form auf der Bilanzpressekonferenz. Doch so gut sie in der Theorie klingt, soviele Haken hat sie in der Praxis. Interessierte können sie hier nachsehen.
Mehr zur Geschäftsentwicklung auch im Geschäftsbericht (PDF). Spannend zum Beispiel die auf 1,564 Mrd. Euro gestiegenen Katalog- und Werbekosten und eine Marketingquote, die damit erheblich über den 10% von Zalando liegt.
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