Dass die Otto Gruppe das About You Team („Wie About You zum Milliardenunternehmen werden will“), die ehemalige Rocket-Führung oder andere Topleute für sich gewinnen kann, ist bemerkenswert. Gerade am Beispiel von Project A lässt sich allerdings verdeutlichen, wie wenig die Otto-Gruppe daraus macht.
In den Exchanges #169 hatten wir bereits diskutiert, was Rocket Internet ohne Project A ist, und uns auch davor schon gefragt, was wohl wäre, wenn das Project A Team Zugriff auf die Rocket-Milliarden hätte („Exchanges #143: Wenn Project A den Turbo zündet“).
Angesichts der Erfolge zu Rocket-Zeiten mit dem Aufbau von Zalando & Co. bleibt es unverständlich, warum Project A in der Otto-Gruppe so klein gehalten wird. Während selbst ein About You für den Aufbau mehrere Hundert Millionen Euro zur Verfügung hat, mussten sich Florian Heinemann & Co. im ersten Fonds zunächst mit 50 Mio. Euro, später mit 80 Mio. Euro begnügen.
Inzwischen hat Project A 180 Mio. Euro zur Verfügung in Zeiten, in denen ambitionierte Startups wie Auto1 360 Mio. Euro auf einen Schlag einsammeln können. Siehe auch die Exchanges #173 über die internationalen Entwicklungen.
Welche Themen und Projekte würde und könnte ein erfahrenes Team wie Project A für und außerhalb der Otto-Gruppe angehen, wenn es Zugriff auf mehr Kapital hätte? Sicherlich nur wenig von dem, was es heute macht.
Project A hat in den letzten 5 Jahren aus der Not eine Tugend gemacht, sich international als „Operational VC“ positioniert und fährt nicht schlecht damit. Es schlägt sich damit allerdings weit unter Wert. Und die Otto-Gruppe muss sich auch hier fragen lassen, ob es die richtigen Prioritäten setzt.
Das war der vierte und letzte Teil zur Otto-Bilanz 2016/17 („Otto Group auf starkem Wachstumspfad“). Zuvor hatten wir uns bereits mit den Fünf-Jahres-Zielen („Wie realistisch sind 17 Mrd. Euro (+36%) bis 2022?“), mit About You und den Plattform Ambitionen beschäftigt.
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