Website-Icon Exciting Commerce

Was war, was wird: Netzwerte 2008-09

Welchen Wert haben soziale Netzwerke heute und in Zukunft? Netzwertig hat zwei sehr lesenswert reflektierende Beiträge dazu:

Beide Analysen sind auf ihre Weise sehr gelungen, aber auch bezeichnend für alle, die die (Web-)Welt gerne durch die klassische Markt- und Medienbrille betrachten (s. auch die Anmerkungen von Netzwertig-Autor Markus Spath): 

Da werden dann "Social Networks" flugs in "Social Media" umgetauft, auf die man dann in gewohnter Marketing-Manier schießen kann.

Marketing für Märkte, Networking für Netzwerke

Doch die Begriffe sprechen für sich: Marketing mag im Markt-Umfeld nützlich (gewesen) sein, in einer Netz-Welt ist Networking die weitaus bessere Methode, um Mehrwert für sich und andere zu schaffen.

Nur lassen sich Networking-Leistungen (noch) schlecht bewerten, geschweige denn in übertragbare Einheiten ummünzen. Entsprechend wertlos erscheinen die (netz-)wertschöpfenden Aktivitäten der Nutzer aus Marktsicht.

Es hilft bei der Lage-Beurteilung, wenn man sich immer mal wieder die grundlegenden Unterschiede von Märkten, Netzwerken und Communities vor Augen führt (s. den Einführungsartikel (PDF) von Umair Haque zum Thema).

Der revolutionäre Charakter von Netzwerken

Alle drei Interaktionsformen bauen auf jeweils sehr unterschiedliche Mechanismen zur Interaktion und Bewertung von "Leistungen". Viel entscheidender aber – und das weiß die Musikindustrie schon sehr gut, und die Medienindustrie (und bald auch der Handel) lernen es gerade: Netzwerke und Communities haben das Zeug, das Marktmodell komplett auszuhebeln (s. Why Free Is the Future of Business)

Betrachtet man Social Networks also rein durch die Marktbrille (s. Substanz eines Social Networks), so werden sie sehr schnell wertlos, weil schwer vermarkt- und kommerzialisierbar im klassischen Sinne; betrachtet man Social Networks hingegen durch die Netzwerk-Brille, so haben sie – wie das Internet selbst – einen extrem hohen Netz-Wert, höher als jedes klassische (Massen-)Medium.

Um also wirklich beurteilen zu können, wieviel Netz-Wert ein Angebot schafft, bräuchte man eine Maßgröße, die den Netzwert eines Angebots oder Dienstes ebenso fassbar macht wie den Marktwert – und den Netzwert zugleich in übertragbare (Wert-)Einheiten überführt.

Der Netzwert als soziales Währungs-System

Hierzu gab es Ansätze in den frühen Tagen des Web (2.0), die Aktivitäten sowie die Autorität und die Reputation der Netz-Teilnehmer und ihrer Beiträge meßbar zu machen, doch im einsetzenden Reichweiten- und Vermarktungsrausch ging das Thema unter und man verfiel wieder auf die klassischen Bewertungsgrößen.

Schade eigentlich, denn inzwischen wissen wir, welche Dimensionen das Phänomen erreichen kann. 

Wollen wir aber die sozialen Aktivitäten ernsthaft bewerten, so führt letztlich nichts an geeigneten, sozialen (Währungs- und Bewertungs-)Systemen vorbei, die genau dieses Problem lösen und den Wert einer sozialen Aktivität und damit der Akteure messen. Nicht notgedrungen in monetären Einheiten, aber in geeigneten übertragbaren und verrechenbaren Einheiten.

Wie könnten/müssten/sollten also die (Währungs-)Systeme der nächsten Generation aussehen, die das offensichtliche Wertschöpfungspotenzial von Netzwerk-Diensten erfassen können? Das ist eine Frage, die sich in der ein oder anderen Form aktuell nicht nur Umair Haque stellt.

PS. Wer sich nicht durch die bisweilen kryptischen Texte von Umair Haque quälen will, dem seien stattdessen auch Seth Godins aktuelle Gedanken zum Denken in Ökosystemen empfohlen: Lesson learned from my biggest business mistake

Frühere Beiträge zum Thema:

Die mobile Version verlassen