Ob wir als Staat, die Banken oder der Insolvenzverwalter: Wer auch immer bei Quelle ab dem Sommer das Sagen hat, sollte sich ernsthaft überlegen, ob er die Quelle-Shops tatsächlich wie vorgesehen abstoßen will. Denn aus strategischer Sicht sind bei Quelle derzeit drei einschneidende Veränderungen vonnöten, damit das Versandgeschäft doch noch eine Perspektive hat:
- Repositionierung/Umfirmierung der alten Quelle: Will die alte Quelle als Online-Versender eine Chance haben, muss sie sich als "Junge Quelle" oder vielleicht besser sogar noch als "Schnelle Quelle" neu erfinden. Eine Umfirmierung wurde bisher aus Rücksicht auf das Stammklientel immer vermieden, wird auf Dauer aber unvermeidbar sein, um online wirklich unvorbelastet wachsen zu können.
- Zügige Abwicklung des Kataloggeschäfts: Kataloge wird es immer geben, erfolgreiche Kataloge immer weniger. Je schneller und selbstbestimmter es Quelle gelingt, das Kataloggeschäft aufzugeben und sich rein auf das Online-Geschäft zu konzentrieren, desto besser die Zukunftsaussichten. Der letzte Quelle-Katalog sollte im Sommer 2010 erscheinen – als Notausgabe.
- Die Quelle-Filialen als Differenzierungsfaktor: Neben dem dem reinen Online-Markt bietet die Kombination aus On-/Offline-Verkauf das stärkste Wachstumspotenzial für den Versandhandel. Quelle sollte das Gros seiner Filialen wahlweise in Abholstationen, Showrooms oder Kommunikationsräume umwandeln und mit neuen Standorten in Einkaufszentren und den frei werdenden Innenstädten der Klein- und Mittelstädte ausbauen.
Die geforderten zusätzlichen 900 Mio. Euro für die nächsten fünf Jahre sollten für dieses Maßnahmenpaket ausreichen, wenn parallel dazu Karstadt den Weg von Hertie geht.
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