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Warum die Open Source Debatte so absurde Züge annimmt

Als Marktbeobachter gehe ich davon aus, dass es spätestens in vier bis fünf Jahren Open Source Varianten von Intershop und Hybris geben wird – oder aber Intershop/Hybris ihre Systeme bis dahin soweit geöffnet/standardisiert haben, dass sie problemlos für Magento konzipierte Module und Erweiterungen einbinden und andocken können. Doch das sind Gedanken, die vielen derzeit noch zu weit gehen.

Die Open Source Debatte, wie sie aktuell geführt wird, blendet größtenteils aus, wie sehr sich die Open Source Szene in den letzten Jahren professionalisiert hat und wie sie Wege und Modelle gefunden hat, die wesentlichen Kritikpunkte (mangelnde Zukunftssicherheit, mangelnder Support etc.) schon alleine dadurch zu entkräften, dass hinter vielen modernen Open Source Lösungen (im Gegensatz zu osCommerce & Co.) mittlerweile professionelle Softwarehäuser stehen, die sich in die Pflicht nehmen lassen. Roland Fesenmayr von Oxid hat dies im Anschluss an die Debatte auf der Insight E-Commerce in Jena formuliert:

Interessanterweise vermarktet sich Magento beispielsweise überhaupt nicht als Open Source Software, sondern – wie Roy Rubin nicht müde wird zu betonen, als "Premium-Software" für professionellste Ansprüche. "Man muss den Leuten Magento nur vorführen", ergänzte Technikleiter Yoav Kuttner gestern nach der Debatte in kleiner Runde. "Und Magento verkauft sich von selbst."

Und genau das übersehen viele immer noch: Der Erfolg von Magento ist nicht der Faktor Open Source, sondern die Anwenderorientierung. Denn Magento hat als eines der ganz wenigen Shopsysteme verstanden, dass die Entscheidung pro oder contra Shopsystem heute nicht mehr bei den Technikern in den IT-Abteilungen, sondern bei den Anwendern in den E-Commerce-Abteilungen fällt.

Und die Anwender ziehen ein cooles, bedienungsfreundliches und flexibel erweiterbares Shopsystem jedem technisch noch so ausgefeilten System vor, das sich userseitig kaum bändigen lässt. Deshalb mag Magento als junges System vielleicht technisch noch nicht perfekt sein, aber wohl doch so gut, dass auch die Techniker in der Regel keine größeren Einwände haben.

Da es müßig ist, die Kombattanten zum Thema Open vs. Closed Source bzw. Intershop vs. Magento zu befragen, habe ich Christian Grötsch von dotsource um eine kurze Einschätzung gebeten. Denn Dotsource hat sich als Agentur sowohl auf Intershop als auch auf Magento spezialisiert:

Es gibt noch einen dritten Punkt, der die Open Source Debatte so absurd macht: das eigenartige Verständnis von Community. Hier wird oft so getan, als handle es sich bei der Community um einen unzuverlässigen Haufen von Freizeitentwicklern, der sich nach Lust und Laune Open Source Projekten widmet.

Aber wer ist denn die Entwicklergemeinschaft im Open Source Bereich? Auf der Meet Magento am Montag konnte man es ganz gut erleben. Letztlich sind es die Entwicklerteams der kleinen und großen Agenturen und Softwarehäuser, die in der Regel mit Magento-Projekten ihr Geld verdienen und so ein extrem hohes Interesse daran haben, dass Magento auch langfristig blüht und gedeiht.

Wenn man den aktuellen Zulauf (andere würden von Hype sprechen) zu Magento & Co betrachtet, kann man wirklich gespannt sein, wie sich die Software-Landschaft im E-Commerce in den kommenden fünf Jahren entwickelt.

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