Das komplette Social Commerce Segment hat in den vergangenen beiden Jahren 2008 und 2009 mehr Rückschritte als Fortschritte gemacht. Ganz im Gegensatz zum Social Web: Dort ging es dank Facebook, Twitter & Co. weiter forsch voran. Ein Innovationssprung jagte den nächsten.
Der Social Commerce hat also erheblichen Nachholbedarf. Und vor allem Etsy will 2010 wieder angreifen und zeigen, was Social Commerce auch sein kann: eben nicht nur E-Commerce mit ein bisschen Social Gedöns drumherum, sondern vor allem ein sozialer (Lebens-)Raum, in dem auch verkauft, gefeilscht und gehandelt werden darf (s. MyShoppingSpace: Erdrutschgefahr im E-Commerce).
Noch nicht lange her, da hatte sich Fred Wilson, einer der frühen Etsy-Investoren, noch damit gebrüstet, wie er den Etsy-Gründer Rob Kalin als unqualifiziert ausgebootet hat (s. auch Das verlorene Jahr im E-Commerce).
Inzwischen scheint er sich aber, wohl auch durch seine Investments in Twitter & Co., eines besseren besonnen zu haben – und bläst nun mit dem zurückgekehrten Rob Kalin gemeinsam ins Social Commerce Horn ("Thinking About Etsy"):
"This decade we are now ending will be remembered as the time when the web became social.
It took us almost a decade once the web became commercial, but we figured out how to make people the atomic element of the web.
And now we get to build social gathering places on the web."
Unter rein kommerziellen Gesichtspunkten mag sich Etsy in den letzten beiden Jahren mit Wachstumsraten von 100% nicht schlecht entwickelt haben, unter netzwirtschaftlichen Gesichtspunkten war die Entwicklung allerdings mäßig bis enttäuschend. Die zu erwartenden Netzwerkeffekte blieben komplett aus. Fred Wilson schreibt:
"Etsy has done a good job of bringing people (real people) together to buy and sell. There are over 500,000 people who have opened a shop on Etsy and millions who have registered and bought something from a seller on Etsy. (…)
There is also a very lively community on Etsy. (…) But Etsy is not yet as vibrant and diverse an experience as San Telmo. Most people don't go to Etsy to 'stroll" or 'hang out'. Some do and (…) the people that do use Etsy in this way are starting to have a San Telmo like experience.
What Etsy needs to do next is make this kind of 'strolling' experience work for everyone. We need to bump into our friends on Etsy and we need to make new ones there."
Wie lassen sich die sozialen Bindungen auch im Social Commerce so stärken, dass im Nutzungsverhalten ähnliche Effekte eintreten wie bei Facebook & Co. Das ist die nächste große Herausforderung im Social Commerce:
Rob Kalin, founder and now CEO of Etsy, prefers the words 'social commerce' over e-commerce for a reason. The emphasis is on social. Commerce is the result. An afternoon in San Telmo makes that point crystal clear."
Manche Erkenntnis braucht eben etwas länger, um zu reifen: "E-Commerce is about products, Social Commerce about people", lautet das Exciting Commerce Mantra seit 2005.
Wir freuen uns auf viele Innovationssprünge und ein spannendes Social Commerce Jahr 2010!
Immerhin: Ein Gutes hat es, dass die Zeit im Social Commerce in den letzten beiden Jahren quasi stehen geblieben ist. Unser Social Commerce Trenddossier, das Anfang 2008 erschienen ist, hat kaum etwas von seiner Aktualität eingebüßt.
- Social Commerce: Etsy will zurück zu seinen Wurzeln
- Das Berliner Etsy-Team kommt von BurdaStyle/Etsy
- Die Etsy Story 2005-2007: In drei Kapitalrunden zum Erfolg
