Der 150 Mio. Euro Exit von Brands4Friends an Ebay beschäftigt uns weiter. Wer von dem Deal letztlich am meisten profitiert, das wird sich noch weisen. Mehr als erfreut darüber dürfte aber wohl Vente-Privée sein.
Denn das Schlimmste, was Vente-Privée langfristig passieren könnte, wäre, wenn ein großer unabhängiger Anbieter aufkommen würde, der Vente-Privée nicht nur kunden-, sondern auch markenseitig den Rang streitig machen könnte.
Insofern kann Vente-Privée sehr froh sein, dass Amazon und Ebay die Käufer von BuyVIP und Brands4Friends sind, und nicht etwa Privalia (s. Privalia holt sich 70 Mio. Euro für Übernahmen) oder die amerikanische Gilt Groupe (s. Gilt Groupe holt sich weitere 35 Mio. Dollar).
Denn Vente-Privée bezieht seinen Erfolg und seine Glaubwürdigkeit ja vornehmlich dadurch, dass es sich als Dienstleister und als Advokat für die Marken versteht.
Deshalb nimmt es in der jetzigen, sehr wettbewerbsintensiven Marktphase lieber Umsatzeinbußen in Kauf, als sich auf Teufel-komm-raus auf die Macht- und Martanteilsspielchen einzulassen.
Amazon und Ebay fehlt dieses Markenbewusstsein. Sie bieten alles an, was kommt, und haben keine Scheu, auf ihren Seiten Alt- und Neuware von Erst-, Zweit- und Drittanbietern zu mixen. Viele Marken sind online noch zu unerfahren/zu unbedarft, um zu erkennen, wie schädlich es für sie auf Dauer ist, auf Plattformen wie Amazon oder Ebay präsent zu sein. Kein Wunder, momentan spielt der Internethandel für viele Marken noch eine sehr untergeordnete Rolle.
Doch irgendwann werden die Marken zur Vernunft kommen. Darauf kann Vente-Privée zu recht spekulieren – und nun in Ruhe abwarten, bis sich der Sturm wieder etwas gelegt hat.
Brands4Friends hat unter der Fuchtel Obhut von Ebay nun eher beschränkte Marktaussichten. Der Druck, möglichst schnell profitabel zu werden, um das Investment zu rechtfertigen, wird nicht mehr viel Spielraum lassen für kostspielige Marktanteilgewinnungsaktionen.
Nachdem Brands4Friends und BuyVIP nun aus dem Rennen sind, wäre für pfiffige Gründer/Investoren jetzt der optimale Zeitpunkt, um noch einmal einen reinrassigen Vente-Privée-Klon in großem Stil zu starten oder bei bestehenden Clubs wie Pauldirekt einzusteigen und diese zügig groß zu machen.
Werden sie die Gunst der Stunde nutzen? Eher nicht, denn so ticken deutsche Gründer/Investoren natürlich nicht, die den Markt für Clubverkäufe ohnehin immer skeptisch beäugt haben. Für sie ist die große Clubwelle nun erst einmal vorbei. Deshalb wird Vente-Privée jetzt vergleichsweise leichtes Spiel haben.
Spannend bleibt deshalb momentan vor allem, was Privalia und die Gilt Groupe tun ("Gilt Groupe tauscht CEO aus; Kevin Ryan übernimmt"). Das sind die beiden einzigen, die Vente-Privée nun noch so richtig gefährlich werden können.
Mal sehen, wer als nächstes kalte Füße bekommt.
