Wie biedere ich mich bei der jungen Online-Nutzerschaft an? Refashion heißt der Otto-Nachfolger von Yalook und Jungstil. Und man fragt sich manchmal, ob sich die Macher solcher Konzepte auch nur ansatzweise darüber im klaren sind, wie peinlich und aufgesetzt derlei Seiten bei den Onlinern wirken. "Der Modeblog" ist in seinem Urteil noch vergleichsweise gnädig:
"Wenn refashion.de der nächste Versuch ist, sich als "wir haben Social Media und das Internet kapiert" zu positionieren, dann, nein, seid ihr noch nich ganz da.
Die Schlagzahl, mit der Unternehmen, die es verstanden haben, wie man im Internet Geschäfte macht, vorgehen ist eine ganz andere. Die haben nicht 3 1/2 Wochen nach Launch 247 Facebook-Fans. Wenn ich das schon wieder lese:
Zum Start des neuen Onlineshops erhalten ausgewählte Otto-Kunden einen 28-seitigen Refashion-Katalog.
Also Offline+Katalog+Social-Media+Facebook+Alles-unter-dem-Otto-Dach+Chatten+Pins-sammeln?!
Klingt für mich schwer nach Aktionismus. Aber ich lasse mich gerne überzeugen. :O"
Für viele scheint E-Commerce immer noch eine Techübung zu sein. Doch die technische Umsetzung eines Konzepts ist das eine. Da hakt es bei Refashion vor allem an der nutzergerechten Präsentation und Erläuterung der vielen Tools und Elemente. Wohl der, die da durchblickt.
Die weitaus größere Schwäche liegt bei Refashion allerdings im Konzept. Das zeugt – man muss es leider so hart sagen – von einer absoluten Ahnungslosigkeit in Sachen Online-Nutzer und -Ansprache, ganz so, als ob bei der Konzeption im Otto-Team keine einzige 25-jährige Onlinerin auch nur irgendein ernstes Wörtchen hätte mitreden dürfen.
Wenn man Otto kennt, weiß man natürlich, wie bestimmte, konzeptionelle Absurditäten zustande kommen. Otto bekommt seine Katalogvergangenheit nicht aus dem Sinn – und so versucht man sich auf der einen Seite facebook-hip zu geben und auf der anderen Seite auf 60 Jahre Katalog-"Erfahrung" zu bauen.
Vielleicht ist es bei Katalogkunden üblich, mit der Tür ins Haus zu fallen, und mit "10 Euro für Deine erste Online-Bestellung" zu winken, online würde man wie Zalando & Co. wohl erst einmal entsprechende Gutscheine für die Newsletter-Anmeldung vergeben.
Und wann wird man bei Ottos Onlineseiten endlich mit der lieblosen Zweitverwertung von Katalogfotos aufhören? Warum stampft man ein Jungstil oder ein Yalook ein, wenn dann ein Refashion nachkommt? Das ist nicht das vielgerühmte "Test & Learn", das zeugt eher davon, dass man aus Fehlern gerade nicht lernt, sondern dieselben Fehler immer und immer wieder macht.
Otto hat im Internet nur dann eine Chance, wenn es sich endlich eingestehen würde, dass es online keine Ahnung hat. Dann bestünde die Hoffnung, dass man sich das fehlende Wissen relativ schnell und unvoreingenommen aneignen könnte – und sich und der Welt absehbare Flops wie Refashion ersparen könnte.
Ein bisschen ernster als Refashion sollte ein Händler die Online-Nutzerschaft schon nehmen. Sie würde es ihm danken.
