Im Berliner Investorendickicht ist das einstmals sehr umtriebige Team Europe (TEV) in letzter Zeit etwas ins Hintertreffen geraten, was in gewisser Weise der Neuausrichtung geschuldet war – man wollte selektivere Investments machen, mehr auf eigene Gründungen setzen und dazu noch weniger Risiken eingehen. Just in dem Moment allerdings, als sich bei anderen Kapitalgebern die Risikobereitschaft erhöht hat (Stichwort: Groupon-Fieber) und sich der Markt dynamischer entwickelt hat denn je.
Es gab eine Zeit, da waren die Team Europe Macher um Lukasz Gadowski an so gut wie jedem spannenden Internet-Startup hierzulande beteiligt – halfen Startups wie StudiVZ und Brands4Friends auf die Beine, unterstützten Amiando, DaWanda, MyMüsli und viele andere mehr. Zwischen 2005 und 2008 ging in der deutschen Gründerszene kaum etwas ohne Team Europe, was natürlich auch einem tragfähigen Netzwerk geschuldet war.
Doch dann wendete sich das Blatt und Team Europe geriet zunehmend ins Abseits. Plötzlich schalteten die Samwers, die sich auch immer wieder an TEV-Startups beteiligten, vom Beteiligungsmodus in den Machermodus – und stampften mit Rocket Internet eigene Startups wie Zalando, Citydeal/Groupon, Möbelprofi/FP Commerce und andere aus dem Boden – und zwar mit einer Umsetzungsgeschwindigkeit, mit der Team Europe erst einmal nicht mithalten konnte.
Bald danach erfolgte der Bruch mit Oliver Jung, der wiederum mit Klaus Hommels zusammen deren internationales Shoppingclub- und Groupon-Klon-Imperium aufzog, das inzwischen als Springstar firmiert – zwar mit dem frühen Brands4Friends-Knowhow und ehemaligen Brands4Friends-Leuten, aber ohne TEV.
Wenn man sich das aktuelle Portfolio von Team Europe ansieht, dann überfällt einen große Ratlosigkeit. Die eine Hälfte der Startups fällt unter die Kategorie "No risk, no fun", und zwar im wortwörtlichen Sinn. Und die Sinnhaftigkeit bzw. das Potenzial der anderen Hälfte erschließt sich einem nur mit sehr viel gutem Willen.
Dort aber, wo zuletzt die Musik spielte, ist Team Europe nicht vertreten. Weder konnte man auf der Gaming-Welle reiten und ist bei Social Games oder Browser Games dabei, noch konnte man auf den Groupon-Zug aufspringen. So ist man im Gegensatz zu anderen ("Glänzer/Brehm steigen bei LivingSocial ein") weder bei DailyDeal noch bei Rebate Networks beteiligt. Und auch Birchbox & Co. scheinen an Team Europe erst einmal vorbeizugehen.
Dass Team Europe zeitweilig den Anschluss verloren hat (oder, um es neutraler zu formulieren: seine eigenen Wege gegangen ist), hat sicherlich unterschiedlichste Gründe. Neben den genannten natürlich auch das ein oder andere Fehlinvestment sowie das ohnehin eher altbackene Internetverständnis der Generation Google, zu der auch die meisten anderen deutschen Online-Veteranen zählen, für die SEO/SEM immer noch das Höchste ist und die im Social Web allenfalls einen billigen Kanal für die Nutzerakquisition sehen können.
Langsam scheint sich Team Europe allerdings wieder zu fangen. Da ist zum einen Point Nine Capital als neuer Beteiligungsarm, der mit dem von Christoph Janz eher technisch geprägten Fokus (SaaS & Co.) nun auch wieder aktiver mitmischen darf. Und da ist zum anderen Hasso Plattner Ventures, die dem Team künftig kapitalseitig unter die Arme greifen (PDF). Auch das Engagement beim Seedcamp dürfte helfen, wieder mehr am Puls der Zeit zu agieren.
Ob das Hitfox-Engagement und das Engagement bei Westwing schon als positives Signal zu werten ist? Zumindest Holtzbrinck und Team Europe finden nun wieder häufiger zusammen.
Zuletzt zählte Team Europe sicherlich nicht mehr zu den Must-Go-Investoren für spannende E-Commerce-Konzepte. Marktseitig fiel der im ersten Moment bedauerliche Ausfall/Rückzug zum Glück kaum ins Gewicht, da gerade im E-Commerce-Segment unzählige andere als sehr aktive Kapital- und Knowhow-Geber einsprungen sind. Momentan sieht es so aus, als ob mit Team Europe langsam wieder zu rechnen ist. Bleibt abzuwarten, ob da noch mehr nachkommt.
Im Rahmen unserer Investorenreihe sind zuletzt Beiträge über E-Tengelmann und über (das neue) Holtzbrinck Ventures erschienen. Die Aktivitäten von Rocket Internet verfolgen wir ohnehin kontinuierlich im Rahmen des Samwer-Report.
Was der deutschen Internetszene weiterhin fehlt, sind innovationsfreudige Kapitalgeber, die offen sind für neue Ideen. Aber in diesem Segment sind inzwischen Accel Partners und andere internationale Kapitalgeber auch hierzulande aktiv.
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