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Ist X.Commerce der Anfang oder das Ende von Magento?

Ebay und Paypal stellen gerade auf der Innovationskonferenz für Entwickler eine Reihe von Neuheiten vor, mit denen sie den Online-Handel revolutionieren wollen – von "PayPal Access" als shopübergreifender "Commerce Identity" über X.Commerce als Bindeglied/Bus, um unterschiedliche Systeme/Plattformen ohne großen Intergrationsaufwand miteinander zu koppeln, bis hin zur Integration der neuen Facebook-Elemente.

"Von ATG über Demandware, Hybris, Intershop bis Magento unterstützen 10 der wichtigsten Shopsysteme das neue X.Commerce" – so oder so ähnlich hätte die Ankündigung von X.Commerce auf der laufenden Entwicklerkonferenz lauten müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. So zumindest wären es Facebook & Co. angegangen, um maximale Aufmerksamkeit für eine Systemlösung zu erlangen, die im großen Stil gelauncht durchaus Sprengkraft gehabt hätte und das Zeug dazu, eine Art neuer Standard für den E-Commerce zu werden.

Doch genau das ist nicht passiert. Ebay glaubt mit einer (im konzeptionellen Sinne ja durchaus spannenden) E-Commerce-Lösung die Welt erobern zu können, die zwar als offen für andere Marktteilnehmer propagiert wird, aber letztlich nur die eigenen Zukäufe/Tochterunternehmen einbindet. Und wenn Ebay andere maßgebliche E-Commerce-Player schon zum Start nicht überzeugen konnte, bei X.Commerce mitzuziehen, wann soll das dann geschehen?

Man muss nicht soweit gehen und X.Commerce schon gleich vom Start weg zum Scheitern verurteilen. Denn im Ebay/Paypal/Magento-Umfeld mag X.Commerce durchaus Chancen haben. Aber eben eher als Insel- denn als Universallösung für den breiten Markt.

Ebay/Paypal hat damit eine Riesenchance vertan. Denn die Ebay-Ambitionen sind ja durchaus legitim. Aber es zeigt nicht nur die strategischen Defizite von Ebay, das seine Marktbedeutung und seine aktuelle Marktposition hoffnungslos überschätzt, sondern vor allem auch wie schwach Ebay/Paypal im klassischen E-Commerce-Markt aufgestellt ist. Obwohl PayPal hier ja seit Jahren sehr präsent ist, bestehen offenbar keine engeren Beziehungen zu den wichigsten Herstellern von Shopsystemen und anderen wichtigen Marktplayern. Aber auf Dauer kann die Strategie ja nicht heißen: Wer nicht freiwillig am Ökosystem teilnehmen will, der wird einfach aufgekauft.

Profitiert X.Commerce von Magento oder Magento von X.Commerce?

Womit wir beim Punkt wären: Hätte sich Magento freiwillig auf ein von Ebay/Paypal getriebenes X.Commerce eingelassen? Es ist offensichtlich, dass X.Commerce extrem von Magento profitiert. Was wäre schließlich die nun angekündigte Lösung ohne zumindest Magento an Bord? Aber gilt das auch umgekehrt: Profitiert Magento in ähnlicher Weise von X.Commerce? Oder hätte ein unabhängiges Magento nicht weiterhin die sehr viel besseren Optionen im Markt?

Für uns ist die Frage rein rhetorischer Natur: Denn Magento hat seine Unabhängigkeit aus unserer Sicht viel zu früh aufgegeben. Es ist im letzten Jahr den sprichwörtlichen Pakt mit dem Teufel eingegangen und muss sich nun fügen. Deshalb sind von Magento selber erst einmal auch wenig neue Impulse zu erwarten. Das neue Magento Connect ist mit über einem Jahr Verspätung nun endlich online, aber Magento 2.0 kommt frühestens in einem Jahr. Bis dahin kann viel passieren.

Magento heute ist eben nicht mehr die unabhängige Open Source Alternative von 2009, als die es frischen Wind in die E-Commerce-Szene gebracht hat, sondern das trojanische Pferd für Paypal & Co. Das sollte man sich immer wieder bewusst machen, wenn man sich voll auf Magento einlässt – und sich als (Online-)Händler zumindest genau überlegen, ob die Ziele von Ebay/Paypal mit den eigenen übereinstimmen.

X.Commerce startet mit dem beschriebenen Handicap als Ebay/Paypal-Lösung. Es enthält aber einige der Vernetzungselemente, die den E-Commerce in den kommenden Jahren radikal verändern werden. Ob ein Bus-Ansatz, wie ihn X.Commerce fährt, eine zeitgemäße Vernetzungsvariante ist, darüber kann man streiten, es ist zumindest ein bewährtes Modell, um Daten plattformneutral auszutauschen.

Die beste Zusammenfassung und die besten Einschätzungen hat EComBytes. Eine deutsche Zusammenfassung gibt es bei Webshopnews.

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