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Wie Rakuten mit Tradoria an Amazon.de vorbeiziehen will

von Matthias Hell und Jochen Krisch

Seit bald zwei Jahren berichten wir intensiv über die internationalen Ambitionen des japanischen Rakuten-Konzerns: erst den Kauf von Buy.com in den USA, dann die Expansionspläne mit Priceminister in Frankreich und schließlich die Übernahmen von Tradoria, Play.com und Kobo binnen kürzester Zeit.

Rakuten (gesprochen: Ragdenn) hat weiter gut gefüllte Kassen – und ist für viele jetzt erst auf dem E-Commerce-Radar aufgetaucht – im Rahmen der aktuellen PR-Offensive, bei der Rakuten-Chef Hiroshi Mikitani die Devise ausgegeben haben. Wir wollen in Deutschland mit Tradoria (inzwischen: Rakuten Deutschland) binnen fünf Jahren Amazon überholen:

„Our goal is to become the No. 1 e-commerce marketplace in Germany. We know that Tradoria is still small, but we are very longterm-oriented. We believe that if we can improve the organization, help Rakuten Germany create new functions and put lots of new products in, we will be bigger than Amazon.de in five years.”

Als wichtigsten strategischen Vorteil im Wettbewerb mit Amazon betrachtet der Rakuten-Chef den händlerfreundlichen Ansatz seines Unternehmens, der auch den Kunden ein ansprechenderes Einkaufserlebnis ermöglichen soll:

„Amazon is product-centric and when they see a successful product they want to sell it themselves. Rakuten does not sell products directly to consumers.

Rakuten Ichiba is very shop-centric, we have more than 40.000 shops, each with its unique character.

Our goal is to empower our merchants. We give sellers creative control because we believe that internet shopping is the ultimate face-to-face business and that shopping is entertainment.”

Zwar glaubt der Rakuten-Chef nicht, dass sich das japanische E-Commerce Modell 1:1 auf andere Märkte übertragen lässt, doch gibt es eine Reihe lokaler Besonderheiten, die Mikitani, wo sinnvoll, auch auf seine Auslandgesellschaften übertragen will.

So hat Rakuten in Japan neben dem Marktplatzgeschäft ein breites Ökosystem an Dienstleistungen für seine Kunden aufgebaut, das von Suchangeboten über Reisen bis zu Bank-Dienstleistungen reicht und vielfältige Synergien schafft.

Ein eigenes Zahlsystem und ein spartenübergreifendes Bonus-System hilft zudem bei der Bindung der Kunden:

In Japan ist der Rakuten-Marktplatz etwa viermal so groß wie Amazon.co.jp. Der Konzern beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter und zählt mit einem Börsenwert von rund 15 Mrd. US-Dollar zu den zehn größten Internet-Companies weltweit.

Wir sind gespannt, wie sich Rakuten auf dem deutschen Markt macht und wie und wo es sich ggf. verstärkt.

Rakuten wird auch auf der Exceed 2012 vertreten sein.

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