Auf der Bilanzpressekonferenz hat Otto-Konzernchef Hans-Otto-Schrader diese Woche erste Details zum Reanimationsprogramm ("Projekt Fokus") für Otto, Baur und Schwab vorgestellt, mit dem die drei Katalogversender enger zusammengeführt und endgültig auf online getrimmt werden sollen.
Hier die Maßnahmen-Pakete aus dem Videomitschnitt:
Die fünf "Top-Maßnahmen" sind (laut Chart):
- Optimierung Onlineformate
- Reichhaltige Produktdaten
- Wettbewerbsfähigere Preise
- Personalisierung/Individualisierung
- Relevantere Zahlungsoptionen
Die Aufarbeitung der Vergangenheit steht also ganz oben auf dem Programm. Für das größte Medienecho sorgten der angekündigte Stellenabbau und die neue Preispolitik ("Otto zettelt Internet-Preiskampf an")
Wachstum durch Onlinehandel: Versandhändler Otto zettelt Internet-Preiskampf an – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/wachstum-durch-onlinehandel-versandhaendler-otto-zettelt-internet-preiskampf-an_aid_770375.html").
Das beste Bild bekommt man, wenn man sich jenseits der Pressemeldung auch den Video-Mitschnitt ansieht, wo es weniger darum geht, wo der Otto-Konzern aktuell steht, sondern vor allem darum, was er gerne sein möchte ("Ein bisschen Amazon, ein bisschen Zalando"), wunderbar illustriert auch im "Image-Teil" (PDF) des Geschäftsberichts.
Alles in allem gibt Otto momentan ein schizophrenes Bild ab, weil es den Spagat proben will und gleichzeitig Althergebrachtes bewahren und Neues schaffen will, entsprechend ein sehr traditionelles Bild von der Zukunft vermittelt und – im großen Unterschied zu Amazon & Co. – keine wirkliche Vorstellung von der Handelszukunft und seiner Rolle darin zu haben scheint.
Am besten symbolisiert wird die innere Zerissenheit durch ein Interview mit Michael Otto, in dem er Zalando, Groupon & Co. anfeindet, obwohl er selber als Kapitalgeber von Groupon profitiert hat und der Konzern mit Project A ja gerade die Leute ins Unternehmen gelockt hat, die geholfen haben Zalando & Co. groß zu machen.
Gefühlt steht der Otto-Konzern also vor einer Zerreissprobe. Es ist nur noch nicht klar, ob sich diesmal ("Wer gewinnt? Wer verliert?") die progressiven oder wie gewöhnlich die reaktionären, bewahrenden Kräfte durchsetzen.
Frühere Beiträge zum Thema:
- Neuordnung im Otto-Konzern: Wer gewinnt? Wer verliert?
- Otto will Ende Juli erste Details zu Fusionsplänen nennen
- Neckermann bringt Otto-Versender weiter in Zugzwang
- Der Otto-Konzern will am liebsten erstmal weiterkuscheln
- Der Otto-Konzern zwischen Aufbruchs- und Untergangsstimmung
- Online-Boom: Hört nur, wie sie zetern und jammern!
- Otto-Bilanz 2011: Otto und der Frust mit dem Online-Wettbewerb
- Otto Bilanz 2010: Schafft Otto den Evolutions-Sprung?
