Website-Icon Exciting Commerce

Wenn die Lobby versagt: Das Problem mit der Button-„Lösung“

"Ab August müssen Onlinehändler einen "Kaufen"-Button einbinden, damit nicht noch mehr Menschen in Abofallen tappen."

Dieser eine Satz verdeutlicht den ganzen Wahnwitz der sogenannten "Button-Lösung", die sicherlich vielen nützt, aber garantiert nicht dem eigentlich Zweck dient, nämlich Verbraucher vor Abofallen zu schützen.

Der Online-Handel hat sich mit der Dumpf-Button-Lösung nicht nur eine zusätzliche Conversion-Bremse eingefangen, sondern sich einmal mehr über den Tisch ziehen lassen, diesmal vom Gesetzgeber, der – "Zensursula" lässt grüßen – wieder nicht das Übel an der Wurzel gepackt, sondern Betriebsamkeit vorgeschützt und unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes den kompletten Online-Handel ins Zwielicht gerückt und für das Treiben halbseidener Abofallensteller in Sippenhaft(ung) genommen hat.

Wann wacht der Online-Handel endlich auf?

Was würde eigentlich der Online-Handel noch so alles mit sich machen lassen? Würde heute jemand ein Verbraucher-Schutzgeld für den E-Commerce einführen, so könnte man davon ausgehen, dass die Onliner ohne großes Murren dabei wären, natürlich nicht, ohne vorher – "professionell" angeleitet von Fachpresse und Schutzgeld-"Experten" – intensiv darüber zu räsonieren, ob es nun besser ist, in kleinen oder in großen Scheinen zu zahlen.

Wenn man verfolgt, wie heute andernorts von Online-Seite frühzeitig Stimmung gemacht wird, um die schlimmsten Fehlentwicklungen zu verhindern ("Wie diese Woche Politikgeschichte geschrieben wurde"), ist es schockierend zu sehen, wie unbedarft es der Online-Handel angehen lässt und wie er sich als williges Opfer von einer Schlachtbank zur nächsten führen lässt.

Sind sich Online-Händler eigentlich bewusst, dass sie aktuell komplett ohne Lobby dastehen und deshalb der ideale Spielball sind – für Politik, für Medien, für Dienstleister oder für wen auch immer, der sich an ihnen schadlos halten will? Man fragt sich manchmal, ob sich der Handel überhaupt eine Vorstellung davon macht, wo er aktuell überall über den Tisch gezogen wird.

Wann setzt sich der Online-Handel endlich zur Wehr?

Es hilft eben nichts, sich in seinem Online-Idyll einzurichten, blind den als Anwälte und Experten/Berater getarnten Verkäufern zu vertrauen und unterdessen tatenlos zuzusehen, wenn Gesetzgeber geschäftsschädigende Gesetze erlassen, wenn Gewerkschaften Online-Händlern allzu fahrlässig den Garaus machen. Oder sich insgeheim ins Fäustchen zu lachen, wenn Zalando oder Amazon medial am Pranger stehen.

Hier begänne professionelle Lobby-Arbeit. Hier gälte es, sich für den Online-Handel stark zu machen und den betroffenen Unternehmen zur Seite zu springen, nolens volens, denn letztlich sitzt der gesamte Online-Handel in einem Boot. Mal trifft es den einen, mal den anderen Händler.

Je erfolgreicher ("Online-Dynamik gewinnt 2012 weiter an Fahrt") und je präsenter der Online-Handel im öffentlichen Bewusstsein wird, desto attraktiver wird er für Anfeindungen jedweder Art, für mediale (Schmutz-)Kampagnen, gesetzliche Stolperfallen und alles, was den Alteingesessenen nicht wehtut, aber einer aufstrebenden Branche den Aufstieg erheblich erschweren kann.

Wie lange lässt der Online-Handel das noch mit sich machen und sich einen Button nach dem anderen aufdrücken? Wann setzt er auf eine professionelle Lobby und verschafft sich endlich auch öffentlich Gehör?

Wir verfolgen diese Entwicklung nun seit über 7 Jahren mit zunehmender Verwunderung, hat man doch das Gefühl, dass es mit allem vorangeht, nur die Emanzipation des Online-Handels nimmt eher ab als zu. Da vertraut man weiter lieber seinen falschen Freunden und vermeintlichen Verbündeten als sein Schicksal endlich selber in die Hand zu nehmen. Die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel.

Frühere Beiträge zum Thema:

Die mobile Version verlassen