"Die Neujustierung des Marketingmix konnte die sinkende Effektivität der bisherigen Marketingmaßnahmen nicht vollständig kompensieren." (Erklärung der Thalia Online-Tochter Buch.de zu den Umsatzeinbrüchen im E-Commerce)
Bei Thalia haben sich die Probleme im (Online-)Marketing verschärft: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 sind Thalia 9 % des Online-Geschäfts weggebrochen, in den ersten sechs Monaten (PDF) lag der Wert noch bei 7,4%:
Zur Begründung heißt es von Unternehmensseite:
"Im Online-Geschäft wurde der hohe Vorjahreswert, der von der Ausgabe von Gutscheinen zur Kundengewinnung profitierte, hingegen um rund 9 Prozent verfehlt."
Der "hohe Vorjahreswert" ist natürlich relativ, wenn man sich vor Augen führt, dass der Buchmarkt online auch 2011 weiter zugelegt hat, laut Börsenverein um 5%:
Thalia bekommt sein Online-Vermarktungsproblem nicht in den Griff. – Wie sollte es auch? Denn was will man online vermarkten, wenn weiter nicht klar ist, wofür Thaila/Buch.de eigentlich steht?
Ohnehin fragt man sich: Wo könnte Thalia heute online stehen, wenn die kreativen Energien, die in die Umgehung der Buchpreisbindung geflossen sind, in die Entwicklung einer ernsthaften (Online-)Strategie und die Herausarbeitung klarer USPs geflossen wären?
Im aktuellen Zwischenbericht präsentiert sich Thalia als Sanierungsfall, der "das Geschäftsmodell an die geänderten Marktbedingungen anpassen" will. Zur strategischen Ausrichtung (klare USPs, inhaltliche Abgrenzung zu Amazon, etc.) macht Thalia darin aber weiter keinerlei substanzielle Aussagen.
Spätestens jetzt wäre es an Gewerkschaften und Betriebsräten, auf die Barrikaden zu gehen, dem blinden Aktionismus Einhalt zu gebieten und von der Unternehmensführung eine klare Strategie einzufordern, aus der hervorgeht, wofür Thalia künftig stehen will.
Aktuell befindet sich der Buchhändler im üblichen Abwärtsstrudel – und die Angestellten können sich schon mal auf eine Schließungs- und Entlassungswelle nach der anderen einstellen.
Investoren haben inzwischen abgewunken, Thalia bleibt also erst einmal auf sich gestellt.
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