Wenn bei ProSiebenSat.1 Epic Companies implodieren und der Chief Digital Officer defektiert, dann erfährt man davon garantiert nichts auf dem Capital Markets Day – und wenn, dann nur sehr widerwillig auf Nachfrage ganz am Ende einer bald 6-stündigen Selbstbeweihräucherungsorgie sondersgleichen.
Von Epic Companies, das 2013 mit großem Brimborium angetreten war, das nächste Rocket Internet zu werden, sind nur mehr ein paar Scherben übrig, die sich nur mit sehr viel Mühe und gutem Willen in sinnvolle E-Commerce-Cluster fügen wollen:
Dabei dürften die Pleiten von Petobel & Co. noch nicht das Ende sein. Denn speziell hinter Valmano, das angetreten war, das nächste Zalando zu werden („Gelingt ProSiebenSat.1 ein Schmuck-Zalando?“), steht noch ein großes Fragezeichen. Da steht jetzt erst einmal ein „Rebranding“ an. Vielleicht klappts ja dann im Weihnachtsgeschäft:
Wer den Capital Markets Day heute aufmerksam verfolgt hat, der mag sich wundern, dass das mit Valmano nicht auf Anhieb geklappt hat. Schließlich wurde aus der vielfach bewährten Erfolgsformel kein Geheimnis gemacht, ganz im Gegenteil. So gehts:
Speziell im E-Commerce hat ProSiebenSat.1 gerade zudem damit zu kämpfen, dass tendenziell die Spreu im Portfolio bleibt, während der Weizen sehr viel schneller geerntet wird, als man für Nachschub sorgen kann.
Die letzten 6 Exits haben um die 25 Mio. Euro in die Kasse gebracht. Aber speziell bei Shopkick, das gerade für kolportierte 200 Mio. Dollar nach Südkorea ging, hat ProSiebenSat.1 den Worten noch gar keine Taten folgen lassen können.
Doch auch wenn der Dealmaker schon weitergezogen ist, sei die Pipeline mit „US lighthouse deals“ gefüllt. Und nach Justfab will ProSiebenSat.1 demnächst den „Market leader in wearables“ auf seinen Kanälen promoten:
Hier die umfangreichen Unterlagen (PDF) zu den Online-Aktivitäten vom Capital Markets Day 2014, aus denen auch diese Charts stammen.
Und was hat ProSiebenSat.1 aus seinen Epic-Fails gelernt? – Da Company Building dann doch etwas schwerer und vor allem kapitalintensiver ist als gedacht, will man künftig lieber mit allen möglichen Inkubatoren kooperieren, um am Puls zu bleiben und sich einen Strom an Startups sichern.
Und statt Ex-Rocket-Leuten sind nun Ex-Amazon- und Ex-Zooplus-Leute gefragter denn je.
Stolz präsentierte man den Anlegern heute zudem Möbel.de als Beispiel für ein Unternehmen, wo man die Mehrheit übernehmen konnte, ohne einen einzigen Cent auf den Tisch zu legen:
Inzwischen sei man allerdings wieder flüssiger und strebe künftig auch größere Kapitalbeteiligungen an.
Mehr Hintergründe und Gedanken zum ProSiebenSat.1-Kapitalmarkttag dann auch in einer der kommenden Exchanges-Ausgaben.
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