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Walmart, Jet.com und der $3 Mrd. Deal der Verzweifelten

Wie verzweifelt muss Walmart sein, um über 3 Mrd. Dollar in ein Fass ohne Boden zu stecken? Und wie verzweifelt Amazon-Herausforderer Jet.com, um sich nach nur einem Jahr an Walmart zu verkaufen?

Es ist ein denkwürdiger Deal, den beide da heute bekanntgegeben haben („Walmart to acquire Jet for approximately $3 billion in cash“). Und er unterstreicht nur, wie sehr Walmart unter Druck steht, das für 2015 erstmals in seiner ruhmreichen Geschichte rückläufige Umsätze ausweisen musste und das Jahr mit Filialschließungen beginnen musste.

Amazon hat 2015 erstmals die Umsatzmarke von 100 Mrd. Dollar übersprungen („Amazon legt die Wachstumslatte für 2016 auf +28%“). Und Walmart hat immer noch keine wettbewerbsfähige Online-Strategie, sondern allenfalls eine Omnichannel-Strategie, die wie so oft nicht hält, was sie verspricht: Das Online-Wachstum ist zu schwach und kann nicht annähernd das auffangen, was offline verloren geht.

Es lohnt sich nochmal Revue passieren zu lassen, was der nun wohl scheidende E-Commerce-Chef beim Investorentag im Oktober präsentiert hat (PDF): Verlustreiche E-Commerce-Zeiten bis 2020.

Inzwischen hat sich der Online-Druck weiter erhöht. Und Walmart verfährt derzeit offenbar nach dem Prinzip: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Kürzlich erst der Einstieg bei JD.com („Walmart and JD.com Announce Strategic Alliance“) – und jetzt der Kauf eines neuen E-Commerce-Retters („Biggest Acquihire in history“), der (auch) noch ein Hühnchen mit Amazon zu rupfen hat.

Mit Marc Lore und seinen Leuten bekommt Walmart nicht nur Expertise in Sachen Marktplatz und E-Commerce-Technologie, sondern auch diejenigen, die bei Diapers.com Maßstäbe gesetzt haben. Und Marc Lore kann sich nun über eine hübsche Abfindung/Ablöse freuen, die ihm unter Amazon so nicht vergönnt war.

Ob Walmart dieser Deal großartig helfen wird, ist zu bezweifeln. Zu schwach ist Jet.com aufgestellt („Wo steht Jet.com – vor einem Verkauf an Walmart?“). Und man sieht ja gerade, was aus einem Drugstore.com geworden ist („Drugstore.com: Walgreens gibt sich Diapers.com geschlagen“). Aber einen Versuch ist es Walmart wohl wert.

Ins Fäustchen lachen kann sich jedenfalls Amazon, das auf dem US-Markt eben mal auf die Schnelle wieder einen ambitionierten Konkurrenten los geworden ist.

Mehr zum Thema dann auch in den Exchanges #149.

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